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Nuthetal

  • 29.05.2017
  • von Jana Haase

Nuthetal: Kleine Backstube schließt

von Jana Haase

Brot-Botschafter. Bäcker Holger Schüren ist Unesco-Kulturtalent. Foto: B. Settnik/dpa

Der Nuthetaler Bäckermeister Holger Schüren verabschiedet sich – und wird Unesco-Kulturtalent.

Nuthetal - Abschied von einer Traditionsbäckerei: „Ihre Kleine Backstube“ in Bergholz-Rehbrücke wird nach mehr als 100 Jahren zum 30. Juni geschlossen. Das bestätigte Bäckermeister und Brot-Sommelier Holger Schüren den PNN am Sonntag. Hintergrund ist ein neues berufliches Angebot für den 48-Jährigen: Er wird als Teamleiter der Fachlehrer an die Bundesakademie Deutsches Bäckerhandwerk nach Weinheim in Baden-Württemberg gehen, also an die zentrale Bildungseinrichtung für Bäcker in Deutschland. „Wenn man ein solches Angebot bekommt, muss man die Tür nutzen“, sagte der 48-Jährige.

Für die Schließung der Bäckerei in der Arthur-Scheunert-Allee 125, die er seit zehn Jahren leitet und deren Tradition bis ins Jahr 1908 zurückreicht, habe er sich nach langen Überlegungen und „nicht leichtfertig“ entschieden, sagte er den PNN weiter: „Das Herz blutet.“ Aber „in so kurzer Zeit“ sei kein Nachfolger zu finden, meint der Bäckermeister. Außerdem bestehe bei den Räumen, die die Bäckerei nur miete, viel Rekonstruktionsbedarf: „Da müsste man eine Menge reinstecken.“ Das sei bisher wegen der kurzen Laufzeit der Mietverträge nicht möglich gewesen. Die Kunden seien bereits informiert. Für die Lehrlinge hätten neue Betriebe in Potsdam gefunden werden können. Von der Schließung betroffen seien nun die verbliebenen zwölf Mitarbeiter.

Er wisse, dass mit der „Kleinen Backstube“ auch „ein großes Stück Lebensqualität“ aus Rehbrücke verschwinde. „Ich habe immer versucht, regionale Kreisläufe aufzubauen, zum Beispiel das Korn von hiesigen Bauern zu kaufen“, erzählt er. Solche Ansätze wolle er auch in seiner neuen Tätigkeit an der Bäckerakademie stärken und weitergeben.

Die „Kleine Backstube“ ist in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem für ihre Familienfreundlichkeit. Erst im November wurde der Betrieb mit dem Zukunftspreis 2016 des Landes Brandenburg geehrt. Bäckermeister Holger Schüren hatte im Jahr davor an der Bäckerakademie, an die er nun wechselt, eine Weiterbildung zum „Brot-Sommelier“ gemacht – als erster Bäckermeister aus Brandenburg. Kunden schätzten ihn auch für ausgefallene Kreationen wie Cranberry-Pfeffer-Baguettes oder Pflaumen-Erdnuss-Brot.

Sein Bäckerwissen wird Holger Schüren nun bald in Weinheim weitergeben. Und auch anderswo soll der Bäckermeister für die Deutsche Brotkultur und seine Zunft werben: Die Deutsche Unesco- Kommission hat ihn gerade zum sogenannten Unesco-Kulturtalent ernannt. Das heißt, er soll dem althergebrachten Bäckerhandwerk in der Öffentlichkeit ein Gesicht geben. Mit der Kampagne wolle man zeigen, welchen Wert das immaterielle Kulturerbe hat, erklärt die Sprecherin der Deutschen Unesco-Kommission, Katja Römer. Mit den bundesweit benannten Kulturtalenten gebe es Gesichter für die unterschiedlichen Bereiche – insgesamt 429 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt werden derzeit auf der Liste geführt. 2014 wurde die deutsche Brotkultur – die für bundesweit rund 3000 Brotsorten steht – in das Verzeichnis aufgenommen. Damit sollen die Leistungen der knapp 12 000 Meisterbetriebe mit etwa 273 000 Mitarbeitern anerkannt werden.

Das Handwerk müsse sich von der Konkurrenz der Konzerne absetzen, betont Bäckermeister Schüren. Über den Preis könnten die kleinen Betriebe nicht mit den großen Ketten mithalten, das gehe nur über die Qualität. „Die Kunden müssen so viel von der Bäckerei und den angebotenen Produkten erfahren, dass sie bereit sind, auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen“, betont Schüren.  (mit dpa)

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