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Stahnsdorf

  • 22.05.2017
  • von Julia Frese

Stahnsdorf: Neugier auf die Künstler-Villa

von Julia Frese

Die Ausstellung der Gruppe ArtEvent hat nach einer Woche bereits 400 Gäste in die Ruhlsdorfer Straße 1 in Stahnsdorf gelockt.

Stahnsdorf - Die Besucherin Sibylle Zeuch bleibt andächtig vor dem bunten Bleiglasfenster stehen: „Ich habe das vorhin schon bewundert, aber mit der Sonne im Hintergrund sieht es sogar noch besser aus.“ Von dem politischen Streit um die Villa in der Ruhlsdorfer Straße 1 haben sie und ihr Begleiter Axel Wellpott als Berliner nicht viel mitbekommen, sagt sie. Wellpott ist mit einem der Künstler von ArtEvent bekannt und wurde von ihm eingeladen. „Ohne die Umstände näher zu kennen: Ich fände es sehr schade, so ein schönes Haus aus der Zeit der Jahrhundertwende einfach aufzugeben“, sagt der Stahnsdorf-Besucher.

Seit der Vernissage am 13. Mai in der Villa des ehemaligen Fabrikanten Albert Pardemann haben sich schon fast 400 Besucher die Ausstellung „Durchzug“ angesehen. Die Künstlergruppe ArtEvent möchte mit ihren Werken in den Räumen der Villa darauf aufmerksam machen, dass das Gebäude noch nutzbar ist und sich insbesondere als Kulturstandort gut eignen würde. In der Gemeinde wird seit September, als die letzten Bewohner auszogen, über das Haus diskutiert. FDP-Vertreter Christian Kümpel hält die Sanierung für zu teuer. Gutachter hatten sie auf rund 550 000 Euro geschätzt, Kümpel hielt diesen Betrag für zu niedrig angesetzt. Zudem verwiesen er und andere Gemeindevertreter auf mangelnde Parkmöglichkeiten im Umkreis der Villa. Die Künstlergruppe ArtEvent hält dieses Problem für lösbar, da es rund um das Gebäude größere Freiflächen gibt, die zu Parkplätzen umgebaut werden könnten. Die Stahnsdorfer Verwaltung erarbeitet derzeit ein Nutzungskonzept für die Villa, das im Juni in der Gemeindevertretung präsentieren werden soll.

Bürgermeister Bernd Albers (BfB) sei zur Vernissage gekommen und habe dort „zumindest nicht ablehnend“ gewirkt, sagt Katrin Schmidbauer, eine der Künstlerinnen von ArtEvent. Allein zur Eröffnung seien rund 250 Gäste da gewesen, darunter auch viele Unterstützer der Idee, das Haus zu einem Kulturzentrum auszubauen. Marion Storm, die Vorsitzende des Vereins „Bürgerhaus Ruhlsdorfer Straße 1“, berichtet, sie sei „zutiefst beeindruckt, was ArtEvent dort auf die Beine gestellt hat“. Storm setzt sich seit Langem dafür ein, dass in der alten Villa Pardemann künftig ein Ort für Lesungen, Konzerte und Ausstellungen entsteht. Dass zuletzt die Kreisvolkshochschule (KVHS) Interesse bekundet hatte, ihre Hauptgeschäftsstelle in dem Gebäude einzurichten, begrüßt Storm aber ebenfalls. „Man kann da ja sicher auch über Kooperationen mit Künstlern und Kreativen diskutieren.“ Indra Kühlcke, die Leiterin der KVHS, hatte sich dafür offen gezeigt.

Einige der Besucher am Samstag treibt weniger das kulturelle Interesse als vielmehr die Neugier auf das Innere des Hauses in die Ruhlsdorfer Straße 1. „Wir wohnen nur zwei Häuser weiter“, sagt eine ältere Dame. „Aber bisher haben wir ja immer nur gesehen, wie es von außen aussieht.“ Eine andere Besucherin kennt die Villa ebenfalls von außen, allerdings aus längst vergangener Zeit: „Ich bin vor 30 Jahren von Stahnsdorf nach Bayern gezogen und nun zufällig während dieser Ausstellung gerade bei alten Freunden zu Besuch“, sagt Marlies Knappe. Früher sei sie manchmal an dem Haus vorbeigekommen, habe aber nie in näherem Kontakt zu dessen Bewohnern gestanden. Sie fände es gut, wenn die Gemeinde das Haus erwerben würde, „ehe es sich irgendein Privatier unter den Nagel reißt“.

Im Zimmer rechts vom Eingang der Villa hat ArtEvent ein Foyer eingerichtet. Besucher können sich auf Flyern über das Haus und die einzelnen Kunstwerke informieren, sich in ein Gästebuch eintragen oder mit Künstlern ins Gespräch kommen. Zum Diskurs regt auch die One-Woman-Show „Gebietsneurose“ an, die die Künstlerin Gunhild Kreuzer im ersten Stock in einer ehemaligen Küche präsentiert. Die Show bettet die Diskussion um das Haus in einen größeren Kontext um die Themen Heimat, Vertreibung und Flucht ein. Kreuzer bedient sich während der Performance der verbliebenen Teile der Raumausstattung wie eines alten Kachelofens, eines Abflussrohrs oder Wasserleitungen an einem Boiler. Am Schluss stellt sie auch verbal den Bezug zum Aufführungsort her und lädt ihre Zuhörer ein, mit ihr darüber zu sprechen. „Viele tun das auch, fragen nach, worum es hier geht und machen Vorschläge, was mit dem Haus passieren soll“, sagt Kreuzer.

Ausstellung geöffnet 25. bis 28. Mai, 15 bis 19 Uhr, Ruhlsdorfer Straße 1

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