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Themenschwerpunkt:

Beelitz

  • 21.04.2017
  • von Enrico Bellin

Beelitz: Eine Stadt im Stau

von Enrico Bellin

Zusätzliche Belastung. An der Umleitung durch die Heilstätten wird gebaut. F.: A. Klaer

Auf der Autobahn 10 bei Michendorf wird seit Monaten gebaut, der Verkehr wird durch Beelitz umgeleitet - und dort wird ebenfalls gebaut. Die Stadt wird dadurch regelmäßig lahmgelegt. Schüler, Kliniken und Spargelbauern sind betroffen.

Beelitz - Schon knapp 1000 Beelitzer haben die Forderungsliste der Stadt zu einem besseren Baustellenmanagement auf der Autobahn 10 unterschrieben. Das sagte der Beelitzer Stadtsprecher Thomas Lähns am gestrigen Donnerstag auf Nachfrage der PNN. Die Listen liegen seit zwei Wochen im Rathaus und bei Vereinen und Geschäften aus, ab Montag auch in den Schulen der Stadt. Wie berichtet fordert die Stadtverwaltung wegen der Dauerbaustelle auf der Autobahn 10 bei Michendorf, die offizielle Umleitung nicht mehr durch Beelitz hindurch, sondern weiträumig um die Stadt herum zu führen. Zudem soll in der Baustelle zwischen den Dreiecken Potsdam und Nuthetal die Geschwindigkeit von 60 auf 50 Stundenkilometer abgesenkt werden, damit weniger Unfälle passieren. Größere Arbeiten, die die Sperrung mehrerer Fahrspuren voraussetzen, sollten zudem nur noch sonntags stattfinden, wenn kaum Lastwagen unterwegs sind.

Grund für den Forderungskatalog ist der immense Umleitungsverkehr, der bei häufigen Staus auf der Autobahn zwischen den Abfahrten Beelitz und Beelitz-Heilstätten nördlich von Beelitz und der Kreuzung der Bundesstraße 2 und 246 südlich von Beelitz durch die Stadt drängt. Besonders zu Beginn der Spargelsaison häuften sich durch Baustellen die Staus auf der Autobahn. Laut Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) vergeht kaum eine Woche, in der seine Stadt nicht „mindestens für einen Tag dicht“ ist. Besonders für Schüler sei das gefährlich: Die Grundschulen in Beelitz und Fichtenwalde liegen direkt an der Umleitungsstrecke. Leser berichten den PNN, dass ihre Kinder kaum noch zur Schule kommen, da auch die Busse im Stau stehen. Allein am Mittwoch gab es durch einen Unfall, bei dem ein Lastwagenfahrer ums Leben kam, zweieinhalb Stunden Stau auf der Autobahn mit entsprechendem Verkehr durch Beelitz und Beelitz Heilstätten.

Kliniken Beelitz ebenfalls betroffen

An der Umleitungsstrecke wird zudem bis zum Jahr 2018 gebaut, die Landstraße 88 wird grundhaft saniert. Zwischen dem nördlichen Ortseingang von Heilstätten und der Bahnunterführung wird der Verkehr mittels Ampelschaltung auf nur einer Fahrbahn abgewickelt. Direkt betroffen davon ist die Kliniken Beelitz GmbH, die an beiden Enden der Baustelle Standorte hat. „Im Normalfall funktioniert die Ampelschaltung gut, aber wenn auf der Autobahn Stau ist und alle über Beelitz fahren, ist die Landstraße nicht mehr aufnahmefähig“, sagt Geschäftsführer Georg Abel den PNN. Die Küche und ein Großteil der Klinik sind durch die Baustelle getrennt, was logistische Probleme ergebe. Da die Speisen aber auf den Stationen erhitzt werden, bekommen die Patienten trotzdem warmes Essen.

Ihre Besucher hingegen würden sich oft darüber ärgern, dass sie für den Kilometer von der Autobahn zur Klinik bis zu einer halben Stunde brauchen. „Unsere Mitarbeiter kommen auch oft nicht vom Gelände und brauchen nach Beelitz dann bis zu eineinhalb Stunden“, so Abel.

Direkt an der Baustelle der Landstraße ist auch die Rettungswache der Johanniter. „Es führt natürlich zu Einschränkungen, wenn wir lange Lastwagenschlagen vor der Tür haben“, erklärt Klaus-Dieter Hallex, Leiter des Bereiches Rettungswesen des Landkreises. Unter Einsatz des Martinshorns könne man gerade noch „halbwegs durchkommen“, ohne geht es nicht. Die Rettungszeiten könnten aber eingehalten werden - auch, weil Rettungsstellen aus Brück und Kloster Lehnin in einigen Beelitzer Ortsteilen aushelfen.

Weniger Kunden für die Spargelhöfe

Spargelbauer Jürgen Jakobs meidet die Landstraße in den Heilstätten inzwischen ganz. „Wir suchen uns zum Ausliefern inzwischen alternative Routen, nach Potsdam fahren wir etwa über die Bundesstraße 2 statt über die Autobahn.“ Doch durch den Stau kommt weniger Kundschaft auf die Höfe. Zehn bis 15 Prozent Einbußen seien zu verzeichnen. „Besonders am Wochenende reservieren Leute oft, kommen dann aber nicht, weil sie wahrscheinlich vorher im Stau gestanden und es sich anders überlegt haben“, so Jakobs. Auch andere Höfe seien betroffen, die an den Umleitungsstrecken liegen. Selbst bei den Verkaufsständen gebe es Einbußen. „Die Leute halten ja im Stau nicht am Stand an, aus Angst, sonst nicht wieder auf die Straße zu kommen“.

Einbußen haben auch die Händler in der Beelitzer Innenstadt. Laut Norbert Wuck, dem Vorsitzenden des Gewerbevereins, belaufen sich die Verluste im Schnitt auf 30 Prozent. „Der ein oder andere wird die Baustellenzeit nicht überleben“, so Wuck. Man wolle einen Termin mit allen Beteiligten finden und Lösungen beraten. So könne etwa die Ampel an der Hauptkreuzung in der Beelitzer Innenstadt ausgestellt werden, wenn zu viele Menschen unterwegs sind, damit der Verkehr hauptsächlich in Nord-Süd-Richtung fließen kann und von einem Polizisten geregelt wird. Dafür müsse es von den Autobahnplanern aber eine bessere Kommunikation geben, damit auch die Polizei weiß, wann sie regeln muss.

Die Situation soll sich entspannen

Lutz Günther, Sprecher der zuständigen bundeseigenen Planungsgesellschaft Deges, verweist auf Nachfrage darauf, dass die Termine stets im Internet veröffentlicht werden. In letzter Zeit hätte sich die Sperrung von Fahrspuren gehäuft, da an zwei Stellen nun der komplette Verkehr auf eine Fahrbahn verlegt wurde, damit an der anderen gebaut werden könne. Bis Samstag steht nachts noch teilweise nur eine Fahrspur zur Verfügung. Warum diese Arbeiten nicht vor dem Frühjahr stattfanden, als es an der Umleitungsstelle noch keine Bauarbeiten gab, könne er nicht sagen. Die Baustellenkoordination würde durch die Landesbehörden erfolgen. Ab Samstag sei mit einer Entspannung der Situation zu rechnen.

Bezüglich des Forderungskataloges der Stadt Beelitz sei man gern bereit, mit der Stadt über Punkte zu reden, auf die die Deges auch einen Einfluss habe. „Wir waren und sind gern bereit, an einer Verbesserung der Situation mitzuarbeiten“, so Günther. Staus seien bei Großbaustellen dieser Dimension aber nicht zu verhindern. Immerhin: Bisher liegen die Arbeiten laut Deges im Zeitplan, sie sollen spätestens 2020 abgeschlossen werden.

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