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Beelitz

  • 12.04.2017
  • von Solveig Schuster

Spargel aus Brandenburg: Anstich in Beelitz

von Solveig Schuster

In Beelitz wurde am Dienstag offiziell die Spargelsaison eröffnet. Zwei Drittel des Brandenburger Spargels werden in Potsdam-Mittelmark angebaut. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Der Spargelverein hat offiziell die Saison eröffnet. Auch die Diskussion um die Folien war dabei Thema.

Beelitz - Just in dem Moment, da sich die Spargelkönigin aus der gerade vorgefahrenen Pferdekutsche schält, legt der wolkenverhangene Himmel die Sonne frei. Das helle Licht lässt die blonde Frau in ihrem cremefarbenen Kostüm noch mehr erstrahlen. „Traumhaftes Wetter“, kommentiert die 30-Jährige, während sie nun ihr Jäckchen doch noch etwas enger um die Taille zieht. Der Himmel hat sich wieder zugezogen, der Wind bläst kräftig durch das luftdurchlässige Kleid.

Seit Ende März stehen die Brandenburger Spargelbauern auf den Feldern und ziehen die ersten Edelstangen aus der Erde. Doch keine Saison ohne traditionelle Eröffnung durch den seit über 25 Jahren bestehenden Beelitzer Spargelverein. Diesmal lud er dazu auf die Beelitzer Jakobshöfe der Gebrüder Jakobs, die 1996 in Schäpe ihren Spargelanbaubetrieb gegründet hatten und mittlerweile auf 250 Hektar das Frühlingsgemüse kultivieren.

Und so ging es denn auch nach der Begrüßungszeremonie auf dem Hofgelände hinaus aufs Feld. Dort schoben Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger und Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (beide SPD) ein Stück Folie von einem der längs den Acker durchziehenden Erdhügel und bohrten sogleich ihre Finger in den Sand, um der Königin den Boden zu bereiten. Mit schnellem Griff zog Nicole Hahn einen Stängel aus dem Erdreich. Damit ist die Spargelsaison im Land nun auch offiziell eröffnet.

In den kommenden Wochen werden wieder Hunderte Besucher zu den Spargelbetrieben, Restaurants und Festen pilgern, um das gesunde Gemüse zu erwerben. Die mobilen Verkaufsstände der Bauern im Land reichten mittlerweile von der Ostsee bis nach Sachsen. Der Brandenburger Spargel sei eine Erfolgsstory, die er gemeinsam mit den Bauern weiterschreiben wolle, so Vogelsänger. 92 Betriebe in Brandenburg produzieren derzeit Spargel auf einer Anbaufläche von mehr als 4400 Hektar, so viel wie noch nie. Im vergangenen Jahr wurde die größte Erntemenge seit 1991 erreicht. Rund 20 000 Tonnen des Edelgemüses sollen im Land eingebracht worden sein, 120 Millionen Kilogramm bundesweit. Pro Kopf werden im Durchschnitt 1,5 Kilogramm Spargel verzehrt, so Landwirt Jürgen Jakobs, zugleich auch Vorstandsvorsitzender des Spargelvereins. Wie die gerade begonnene Saison verlaufen wird, ließe sich aber noch nicht sagen. „Man weiß nie, wie das Wetter wird“, erklärte er. Der März war warm, weshalb die Bauern schon vor und zu Ostern ein großes Angebot zu guten Preisen vorhalten könnten. Ein Kilo kostet gegenwärtig rund zehn Euro.

Bis zum Juni müssen die Spargelbauern einen Großteil ihres Jahresumsatzes eingebracht haben. Denn der Spargel ist mit 74 Prozent der gesamten Gemüseanbaufläche des Landes die bedeutendste Freilandkultur. Zwei Drittel werden in Potsdam-Mittelmark angebaut und geerntet, und hier vor allem in der Spargelstadt Beelitz. Es sei „der schönste Tag im Stadtleben“, erklärte sodann auch der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth (BBB), wenngleich auch die gerade wieder stärker aufkommende Kritik am Anbau unter der Folienhaube die Anstich-Gäste nicht ganz unberührt ließ. Naturschützer und Grünen-Politiker im Brandenburger Landtag sehen darin eine Umweltsünde. Der Anbau gehe zulasten der Tierwelt und Natur und entziehe vor allem Vögeln die Nahrungsgrundlage. „Die Folien unterstützen die Bauern und schützen vor Wind und Trockenheit“, erklärte indes Bürgermeister Knuth und auch Landrat Blasig betonte, dass er die Diskussion mit Sorge verfolge. Der Spargel sei wertvoll für die Region, die Bauern große und innovative Arbeitgeber. Nur mit Folie, die wie ein Gewächshaus wirke, blieben sie konkurrenzfähig, halten die Bauern dagegen. Agrarminister Vogelsänger versprach, Lösungswege zu suchen, etwa Ausgleichs- und Ersatzangebote. Knuth verwies in dem Zusammenhang auf das Blühstreifen-Projekt, das im April im Land an den Start gegangen sei. Auch in Beelitz werde es an Feldwegen Blütenaussaaten geben. Der erste Spargelbauer habe angekündigt, sich eigene Bienenvölker anzuschaffen. Das sei das richtige Signal in dieser Zeit, sagte Knuth.

Ihren Gästen wolle sich die Spargelstadt in diesem Jahr noch etwas attraktiver präsentieren. So soll in der Innenstadt eine Kunstinstallation entstehen. 30 handgeformte Spargelstangen, 1,60 bis zwei Meter groß und 80 Kilogramm schwer, werden während der Spargelsaison Botschafter des Gemüses sein. Zudem werden über 40 touristische Wegweiser auf die Beelitzer Spargelstraße hinweisen und die Besucher entlang der Bundesstraße 246 zu den Höfen führen, so Knuth.

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