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Schwielowsee

  • 28.01.2017
  • von Enrico Bellin

Bauen in Schwielowsee: Pendlern aus Caputh steht ein schweres Jahr bevor

von Enrico Bellin

Der Bahnübergang am westlichen Caputher Ortsausgang wird ab Mai wegen zusätzlicher Züge oft geschlossen sein. Foto: A. Klaer

Baustellen an Bahnbrücken und der Straße nach Potsdam sorgen 2017 für Stress bei Caputher Pendlern. Ein Überblick.

Schwielowsee - Es wird ein hartes Jahr für Pendler in Caputh und Ferch: Schon ab März wird eine wichtige Radverbindung nach Potsdam gesperrt, ab Mai halten drei Wochen lang keine Regionalzüge in der Gemeinde, dafür fahren zusätzliche Güterzüge mitten durch Caputh. Und voraussichtlich ab September wird dann die Straße nach Potsdam wegen der nötigen Sanierung voll gesperrt werden.

Bahnbrücke über den Templiner See wird erneuert

Der Grund für die meisten Einschränkungen liegt dabei auf Potsdamer Stadtgebiet: Von 14. Mai bis zum 8. Oktober wird wie berichtet die Bahnbrücke über den Templiner See erneuert, die Strecke wird zwischen Saarmund und Golm voll gesperrt. Über die Brücke verläuft auch ein Rad- und Fußweg, die kürzeste Verbindung zwischen dem Forsthaus Templin und der Pirschheide, die auch von Pendlern und Touristen zwischen Caputh und Potsdam stark frequentiert wird. Laut Potsdams Rathaussprecher Jan Brunzlow wird der Radweg schon ab dem 1. März komplett gesperrt und bleibe das bis zum 1. November. Die Stadt zahle für die Erneuerung des Wegs 567 000 Euro.

Die zu erneuernde Brücke gehört zu einer der wichtigsten Güterzugstrecken Brandenburgs. Während der Vollsperrung werden so viele Züge wie möglich über die eingleisige Strecke durch Ferch-Lienewitz und Caputh umgeleitet, die die einzig verbleibende direkte Verbindung des Seddiner Rangierbahnhofs in Richtung Norden ist. Laut Bahnsprecher Holger Auferkamp sei die genaue Zahl der Fahrten noch nicht bekannt.

Bahnbrücke zwischen Michendorf und Seddin für drei Wochen voll gesperrt

Zudem wird ab dem 19. Mai für knapp drei Wochen eine Bahnbrücke zwischen Michendorf und Seddin über die A10 voll gesperrt, während die Autobahn befahrbar bleibt. In dieser Zeit können keine Regionalbahnen an den drei Schwielowseer Bahnhöfen halten. Die Regionalbahn 23 muss Auferkamp zufolge ausfallen, um Platz für den Regionalexpress von Bad Belzig nach Berlin zu machen, der über Schwielowsee umgeleitet wird, dort wegen des engen Fahrplans aber nicht halten könne. Zwar werde es Schienenersatzverkehr geben, der soll jedoch die Bahnhöfe Potsdam Pirschheide und Caputh-Geltow nicht anfahren.

Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) hat die Informationspolitik der Bahn auf Nachfrage kritisiert. Die Gemeinde habe bisher weder von der Sperrung des Radwegs noch von zusätzlichen Güterzügen und ausfallenden Regionalbahnen gehört. „Bei solch gravierenden Einschnitten müssen Bahn und Verkehrsverbund mit uns sprechen, um den Verkehrsfluss auch im Berufsverkehr aufrechtzuerhalten und die Anbindung aller Ortsteile an den Nahverkehr zu gewährleisten“, sagte Hoppe den PNN.

Da die Bahnstrecke die Hauptstraße durch Caputh ebenerdig quert, wird dort durch die umgeleiteten Güterzüge auch der Bahnübergang dementsprechend häufig geschlossen sein. Erst im vorigen Jahr gab es ähnliche Umleitungsverkehre, durch die die Gemeinde über zusätzliche Lärmbelastungen klagte. „Wir haben damals bei der Bahn beantragt, die Geschwindigkeit für die Züge zu senken und sie mit leiseren Bremsen auszustatten“, so Hoppe. Die Bahnstrecke verläuft auch über die Havel am Caputher Gemünde, der Lärm wird durch das Wasser entsprechend weit getragen. Die Umrüstung der Bremsen läuft wie berichtet, eine Senkung der Geschwindigkeit lehnte die Bahn jedoch aus Fahrplangründen ab.

Templiner Straße wird ab September erneuert

Besonders schwer erreichbar wird Caputh ab September: Dann soll wie berichtet unter Vollsperrung die Erneuerung der Templiner Straße zwischen Caputh und Potsdam beginnen. Während am westlichen Ortsausgang die Fahrt nach Ferch noch bis Oktober durch die Schranken oft blockiert wird, müssen Autofahrer in Richtung Potsdam einen Umweg über Michendorf in Kauf nehmen. In Schwielowsee hatte man lange gehofft, dass die Arbeiten schon in dieser Wintersaison begonnen und abgeschlossen werden könnten. Die Stadt Potsdam, die den Großteil der Kosten von 4,4 Millionen Euro bezahlt, hatte den Baubeginn wegen fehlender Fördermittelzusagen verschoben.

Allerdings ist die Gemeinde Kerstin Hoppe zufolge trotzdem froh, dass der dringend nötige Ausbau der Straße noch in diesem Jahr beginne und die Umleitung über Michendorf im Normalfall nur etwa drei Minuten mehr Fahrzeit bedeutet. Die genaue Bauplanung werde in der kommenden Woche besprochen. Bisher ist geplant, zuerst den Abschnitt von Potsdam bis zum Forsthaus Templin zu sperren und zu sanieren, damit das Templiner Strandbad zur Sommersaison wieder von Potsdam aus erreichbar ist. Anschließend soll der Abschnitt zwischen dem Forsthaus und Caputh gesperrt werden.

Caputher Seilfähre wird ab März 2018 generalüberholt

Zur gesperrten Straße kommt im März 2018 dann noch eine Einschränkung hinzu: Dann wird die Caputher Seilfähre für drei Wochen generalüberholt, und der komplette Verkehr nach Potsdam muss die Umleitung benutzen oder über die schmale Kreisstraße nach Petzow und zur Bundesstraße 1 fahren. Fährmann Karsten Grunow zufolge sind die Arbeiten an der Fähre nicht aufzuschieben. Da er noch nicht wisse, welche Arbeiten genau die Witterung zulasse und was der TÜV an Ausbesserungen fordert, müsse er von einem dreiwöchigen Ausfall ausgehen. Alle fünf Jahre sei die Inspektion an der Fähre „Tussy II“ nötig. Die Stadt Potsdam habe die Fähre überhaupt nicht in ihre Planungen für den Umbau der Templiner Straße einbezogen, was auch Stadtsprecher Jan Brunzlow bestätigt.

Mit einem Verkehrskollaps rechnet Grunow dann allerdings nicht, denn schon jetzt habe der Verkehr auf der Fähre zur Hauptverkehrszeit abgenommen. Der Grund liege ebenfalls in Potsdamer Verantwortung: die Pförtnerampel an der Pirschheide. „Viele meiner früheren Kunden fahren jetzt lieber über den Templiner Damm und einmal durch die Potsdamer Innenstadt an den Luftschiffhafen, als die Fähre zu benutzen und sich dann im Stau vor Potsdam anzustellen“, so der Fährmann.

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