24.11.2017, 13°C
Themenschwerpunkt:

Michendorf

  • 02.01.2017
  • von Solveig Schuster

Geplante Mülldeponie in der Fresdorfer Heide: Noch nicht am Ziel

von Solveig Schuster

Jährlich 180.000 Kubikmeter Bauschutt sollen nach Plänen der Bauzuschlagstoffe und Recycling GmbH (BZR) auf der Mülldeponie in der Fresdorfer Heide gelagert werden. Anwohner befürchten Staubwolken aus toxischen Stoffen und zunehmenden Schwerlastverkehr. Foto: BZR

Eine Grube in der Fresdorfer Heide soll in den nächsten 30 Jahren als Mülldeponie genutzt werden. Die Anwälte der Gemeinde Michendorf erklären diesen Plan allerdings für unzulässig. Die Bürgerinitiative Depo-Nie hat allerdings noch Zweifel.

Michendorf / Nuthetal - Nach Ansicht der Michendorfer Bürgerinitiative Depo-Nie ist Brandenburgs zweitgrößte Bauschuttdeponie in der Fresdorfer Heide noch nicht verhindert. „Wir richten uns auf eine Klage ein“, sagte deren Sprecher Peter Wordelmann den PNN. Zwar ist noch nicht über das von der Bauzuschlagstoffe und Recycling GmbH (BZR) geplante Großprojekt in dem zwischen den Michendorfer Ortsteilen Tremsdorf und Wildenbruch gelegenen Gebiet entschieden, jedoch gehe die Bürgerinitiative davon aus, dass der Investor das Interesse an dem Standort selbst bei einem Negativbescheid nicht verlieren und versuchen wird, seine Pläne unter allen Umständen durchzusetzen, so Wordelmann. Der Müllskandal vor einigen Jahren, als die Michendorfer Recyclingfirma illegal Gewerbe- und Industriemüll in die Kiesgrube kippte, habe das Vertrauen der Michendorfer nachhaltig gestört, sagte er.

In den nächsten 30 Jahren soll dort Bauschutt gelagert werden

Wie berichtet plant das Unternehmen die mittlerweile ausgekieste Grube des Kiessandtagebaus, den sie seit Mitte der 90er-Jahre vor Ort betreibt, nunmehr offiziell als Deponie zu nutzen. In den nächsten 30 Jahren sollen dort jährlich 180 000 Kubikmeter Bauschutt gelagert werden – Farb-Stein-Gemische, Kleberreste, Rückstände der Müllverbrennung und andere nicht recycelbare Stoffe, erklärt der Wildenbrucher Richard Jacob. Das Unternehmen will sich mit Verweis auf das schwebende Verfahren derzeit nicht äußern, eine Mitarbeiterin kündigte jedoch für das kommende Jahr eine Informationsveranstaltung zu den Planungen an.

Das Planfeststellungsverfahren für die Deponie war im Oktober eröffnet worden, Anfang Dezember legte die Gemeinde Michendorf, die sich schon zuvor gegen dieses Vorhaben und weitere Müllablagerungen in der Fresdorfer Heide positioniert hat, ihre Stellungnahme vor, die eine renommierte Berliner Anwaltskanzlei für sie erarbeitete. Andere Träger öffentlicher Belange hätten Wordelmann zufolge eine Fristverlängerung bis Januar für ihre Stellungnahmen beantragt.

„Die Deponie verstößt gegen die Festlegungen im Flächennutzungsplan der Gemeinde"

Die Anwälte der Gemeinde Michendorf gehen davon aus, dass die Anlage an dem geplanten Standort nicht genehmigungsfähig sei. „Die Deponie verstößt gegen die Festlegungen im Flächennutzungsplan der Gemeinde sowie übergeordnete Planziele der Landes- und Regionalplanung“, erklärte der Michendorfer Bauamtschef Christopher Gerhardt. Zudem würden auch Gründe des Umwelt- und Naturschutzes gegen das Vorhaben sprechen. So liege die geplante Deponie im Landschaftsschutzgebiet „Nuthetal- Beelitzer Sander“ sowie im Naturpark „Nuthe-Nieplitz“ und sei auch deshalb nicht zulässig. Auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark, selbst nicht an der Entscheidung beteiligt, habe nach eigenen Angaben beim Landesumweltamt als Genehmigungsbehörde angeregt, „die Belange des Landschafts- und Naturschutzes in erforderlichem Umfang zu berücksichtigen“.

Obwohl die Anwälte der Gemeinde Michendorf ihre Argumente gegen die geplante Bauschuttdeponie auch für die Bürgerinitiative nachvollziehbar darlegten, glauben die Initiatoren noch nicht so recht an einen Erfolg. Grund ist unter anderem ein vom Landesumweltamt beauftragtes Gutachten, auf das sich die Behörde zuletzt bezogen habe. Danach käme die Region mit den derzeit vier bestehenden Deponien für leicht kontaminierten Bauschutt bereits 2018 an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit den sieben Standorten in Brandenburg, an denen aktuell weitere Bauschuttdeponien geplant seien, ließe sich der Bedarf aber bis mindestens 2025 decken. Damit gebe das Gutachten genau die Kapazitäten wieder, die den Vorhaben, die gerade „in der Pipeline sind“, entsprechen, kritisiert Jacob.

Der Wind könnte toxische Stoffe in die Ortsteile tragen

Neben dem Imageschaden, den die Gemeinde durch die geplante riesige Müllhalde erwartet, fürchtet die Bürgerinitiative weitere negative Auswirkungen. Während in Betriebszeiten die Deponie feucht zu halten sei, könnte der Wind insbesondere am Abend oder den Wochenenden mit dem Staub toxische Stoffe in die Ortsteile tragen, zudem werde der Schwerlastverkehr deutlich zunehmen, glaubt Jacob. Die Rede ist von 160 Lkw-Fahrten mehr pro Tag.

„Ich habe erhebliche Bedenken, dass der Ortsteil Saarmund die Hauptlast des Ganzen tragen wird“, sagte die Nuthetaler Bürgermeisterin Ute Hustig den PNN. Weil die in Nachbarschaft gelegene Anlage aber nicht auf dem Gemarkungsgebiet der Gemeinde liege, wurde Nuthetal bislang nicht am Verfahren beteiligt. Auch hätten sich die Gemeindevertreter noch nicht zu dem Vorhaben positioniert. Die Mitstreiter der Bürgerinitiative Depo-Nie irritiert das, sie wünschen sich ein klares Signal von den Nachbarn, sagt Wordelmann.

Neben der Bauschuttdeponie plagt die Bürgerinitiative aber noch eine weitere Sorge. Die BZR will offenbar auch den Kiessandabbau vor Ort deutlich ausbauen. Zu diesem Zweck plane das Unternehmen eine Erweiterung ihrer Flächen um 30 Hektar, weiß Jacob. Die Planungen lägen derzeit zur Vorprüfung beim Landesamt für Bergbau in Cottbus, sagt der Wildenbrucher, der mit der Behörde im engen Kontakt steht. Die Initiative will jedoch endlich Ruhe in der Heide, keine Deponie und auch keinen Kiessandtagebau mehr. Wie ursprünglich vorgesehen, sollen Teile der Flächen nach 2019 renaturiert, andere der Natur überlassen werden, fordert Jacob.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!