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Stahnsdorf

  • 21.12.2016
  • von Solveig Schuster

Stahnsdorf: Schulsporthalle statt Radschnellweg

von Solveig Schuster

Zu eng, zu alt. Auf dem Stahnsdorfer Lindenhof-Campus sollen künftig mehr Schüler unterrichtet werden. Nach dem Neubau der Sporthalle soll deshalb die alte Halle umfunktioniert werden, auch ein Hortneubau ist geplant. Foto: Andreas Klaer

Stahnsdorf hält trotz Kostenexplosion an Turnhalle fest. CDU untermauert Forderung nach Bildungscampus.

Stahnsdorf - Turnhalle statt Radweg: Zugunsten der geplanten Turnhalle auf dem Lindenhof-Campus will Stahnsdorf auf die Radwegeverbindung nach Potsdam-Babelsberg verzichten. Mit großer Mehrheit, aber gegen die Stimme des Bürgermeisters strichen die Gemeindevertreter das Millionen-Projekt aus dem Haushalt. Ursprünglich wollte die Kommune die Schnellstraße für Radler gemeinsam mit der Landeshauptstadt auf den Weg bringen, auch Fördermittel aus dem EU-Programm „Nachhaltige Entwicklung von Stadt und Umland“ standen dafür bereit. „Unabhängig von der Förderung stellt sich die Frage, ob es einen solchen Radweg braucht“, fasste der stellvertretende Vorsitzende der Stahnsdorfer CDU-Fraktion, Wolfgang Brenneis, die Mehrheitsmeinung der Kommunalpolitiker zusammen. Zum einen gäbe es bereits parallele Radwege nach Potsdam, zum anderen werde mit der Sanierung der Landstraße 77 im nächsten Jahr noch ein weiterer Radweg gebaut.

Das wichtigste Argument jedoch: Mit dem Verzicht auf die Radverbindung gewinne die Kommune auf einen Schlag drei Millionen Euro, die für andere Projekte, etwa für den Lindenhof-Campus, dringend benötigt werden, so Brenneis. Denn schon vor dem Baustart der seit Jahren geforderten Sporthalle steht fest: Sie wird deutlich teurer als geplant. Statt der ursprünglich vorgesehenen drei Millionen Euro soll sie nach einem ersten von den beauftragten Architekten vorgelegten Entwurf sechs Millionen Euro kosten. „Wir können nicht mehr ausgeben, als wir haben“, erklärte Christian Kümpel (FDP), der schon im Vorfeld der Haushaltsberatungen einen konsequenten Sparkurs angemahnt hatte. „Stahnsdorf wächst, wir müssen sehen, wo wir Prioritäten setzen“, sagte er den PNN.

Nach dem ersten Kostenschock einigten sich die Gemeindevertreter nun bei der Sporthalle auf eine Investition von 4,3 Millionen Euro für Planung und Bau. Bis 2018 soll die neue Zweifeldhalle nebst Außenanlagen mit Kleinspielfeld, Weitsprunganlage und Laufbahn stehen.

„Wir wollen sicherstellen, dass die Halle auf jeden Fall wie geplant und so schnell wie möglich gebaut werden kann“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Stahnsdorfer SPD, Heiko Spleet. Er sprach sich dafür aus, auch zu prüfen, ob an der geplanten Ausstattung der Sporthalle noch gespart werden kann.

Die alte Turnhalle der Lindenhof-Grundschule stammt aus dem Jahr 1908 und hat mittlerweile mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Zudem erfordere die künftige Entwicklung der Schülerzahlen im Ort kreative Konzepte. Nach Empfehlung des Runden Tisches zur Schulentwicklung, der 2015 initiiert worden war, soll die Lindenhof-Grundschule dreizügig ausgebaut werden. Um die Kapazitäten dafür zu schaffen, werde nach dem Neubau der Sporthalle in der alten Halle eine Mensa integriert und der derzeitige Essenssaal zum Klassenraum umfunktioniert. Zudem solle im Anschluss noch ein neues Hort-Gebäude auf dem Campus-Gelände entstehen, damit der frei werdende Hort ebenfalls in Klassenräume und Fachkabinette umgewandelt werden kann.

Die Sporthalle soll dabei zuerst gebaut werden und laut dem Arbeitsentwurf Schülern, Hortkindern und Vereinssportlern zur Verfügung stehen, sagte Gemeindesprecher Stephan Reitzig. Seit mehr als 50 Jahren trainiere etwa der Stahnsdorfer Tischtennis-Verein auf dem Lindenhof-Campus. Wie andere Vereine auch benötige er vor Ort Platz, um Ausrüstung und Tischtennisplatten zu lagern. Neben den Geräte- und Abstellräumen soll der Neubau zudem einen Gymnastik-Raum und Catering-Räume für Veranstaltungen erhalten, die Spielfelder sollen auf „Wettkampftauglichkeit“ vergrößert werden. Auch eine Tribüne sei in den derzeitigen Plänen vorgesehen. Ob sie gegebenenfalls verzichtbar ist, werde nun geprüft.

Das Problem: Die Gemeinde hatte im Jahr 2014 Kosten für den Bau von rund drei Millionen Euro im Haushalt veranschlagt, sich dabei aber an einer vor zehn Jahren in Stahnsdorf errichteten Schulsport-Halle orientiert, die offenbar nicht mehr dem aktuellen Standard entspricht. Die Verwaltung werde jetzt nach eigenen Angaben zwei neue Varianten für den Hallenbau erarbeiten lassen – eine mit, eine ohne Tribüne – über die der Finanzausschuss im Januar beraten soll. „Wir sollten auf keinen Fall kurzfristig denken“, mahnte Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB/Die Neuen). Stahnsdorf sei eine wachsende Gemeinde, daher gelte: „Wenn schon, dann richtig.“

Ähnlich argumentiert auch CDU-Fraktionsvize Wolfgang Brenneis, bezieht sich dabei aber nicht allein auf die Sporthalle. Trotz aller geplanten Um- und Neubaumaßnahmen seien in den beiden Stahnsdorfer Grundschulen alsbald die Kapazitätsgrenzen erreicht, sagte er. Um dem Bedarf der Zuzügler in die Neubaugebiete der wachsenden Speckgürtelgemeinde auch künftig gerecht werden zu können, benötige Stahnsdorf eine dritte Grundschule. Die CDU wolle nunmehr ihrer alten Forderung nach einem Bildungscampus in der Mühlen- oder Annastraße noch einmal Nachdruck verleihen. Danach sollen neben einer zusätzlichen Kita bestenfalls alle Schulformen von der Grundschule bis zur gymnasialen Oberstufe auf einem Gelände vereint werden. „Visionär denken“, nennt er das und das „Nützliche mit dem Notwendigen verbinden“.

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