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Kleinmachnow

  • 23.11.2016
  • von Solveig Schuster

Kleinmachnow: Jetzt geht’s um die Kammer

von Solveig Schuster

Schön alt. Die Teltowkanal-Schleuse in Kleinmachnow muss mindestens saniert werden. Befürworter eines Ausbaus sagen, das reiche nicht – die Schleusenkammern müssten für die neuen Schiffe vergrößert werden. Der Bund will das bislang nicht bezahlen. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Die Kleinmachnower Schleuse klettert in der Prioritätenliste des Bundes nach oben. Der Ausbau ist dennoch fraglich.

Kleinmachnow – Sie ist in die Jahre gekommen: Die 1906 von Kaiser Wilhelm II. gemeinsam mit dem zuvor erbauten Teltowkanal eröffnete Schiffsschleuse in Kleinmachnow muss dringend erneuert werden. Vertreter der Binnenschifffahrt fordern seit Jahren, im Zuge der benötigten Sanierung die Schleuse auszubauen. Auf Drängen der Landesregierung nahm das Bundeskabinett das historische Bauwerk im August auch in den Bundesverkehrswegeplan 2030 auf. Jetzt wird auf höchster Ebene über die Priorität des Ausbaus, über Dimension und Kosten diskutiert. Der große Durchbruch gelang nach Ansicht von Ausbaubefürwortern aber bislang nicht.

Die Aufnahme des Projekts in den Bundesverkehrswegeplan zeige aber, „dass der Teltowkanal entgegen früherer Behauptungen des Bundesverkehrsministeriums doch eine Bedeutung für die Binnenschifffahrt hat“, erklärte die Bundestagsabgeordnete der SPD, Andrea Wicklein. Auf Druck der SPD sei es gelungen, die Schleuse Kleinmachnow in den „vordringlichen Bedarf“ zu bekommen, was Grundlage für eine Realisierung im Zeitrahmen bis 2030 ist. Völlig offen sei aber bislang, wer den Bau in welcher Größenordnung finanziert. Das Bundesverkehrsministerium hatte angekündigt, lediglich einen Erhalt des Bauwerks zu bezahlen. „Dieser Widerspruch muss dringend geklärt werden“, so Wicklein.

Die alleinige Sanierung der Anlage sei wenig sinnvoll, sagte der Vorsitzende des Vereins Weitblick, Dietmar Raschmann, den PNN. Der Verein, ein Zusammenschluss von Vertretern der Binnenschifffahrt, Bau- und verladender Wirtschaft, kämpft seit Jahren für einen Ausbau der Schleuse. Dass sie in den „vorrangigen Bedarf“ hochgestuft worden sei, bewertet Raschmann als „Teilerfolg“. Da dies aber bislang für die Schleuse in Fürstenwalde nicht gelte, hätte der Ausbau in Kleinmachnow keinen Effekt – beide hingen zusammen. Derzeit werden laut Raschmann bis zu einer Million Gütertonnen über den Teltowkanal und durch die Kleinmachnower Schleuse transportiert. Es sei aber ein Bedarf von mehr als vier Millionen Gütertonnen ermittelt worden. Ziel des Vereins sei es, dass es bis 2030 in Kleinmachnow und Fürstenwalde neue Schleusen gebaut werden. „Die Region verschenkt eine Chance“, mahnt er. Die Schiffe, die heute noch durch die Schleusen passten, seien mittlerweile veraltet und würden zunehmend aus dem Betrieb genommen. Kein Investor baue jedoch neue Schiffe mit zu kleinem und damit unwirtschaftlichem Schiffsraum. Um nicht noch mehr Güterverkehr auf die Straße zu verlagern, sei der Ausbau dringend vonnöten.

Der Grundstein für die Schleuse im rund 38 Kilometer langen Teltowkanal wurde 1901 gelegt. Fünf Jahre später wurde das Bauwerk mit seinen beiden nebeneinanderliegenden 67 langen und zehn Meter breiten Kammern feierlich eröffnet. Mittlerweile ist die Doppelschleuse mit den schweren Hubtoren und dem markanten über den Schleusenkammern liegenden Querkanal mehr als 110 Jahre alt. Die etwas jüngere Nordkammer, die ab 1939 mit dem Ausbau des Kanals notwendig geworden war, ermöglichte es Schiffen, mit bis zu 1000 Tonnen den Kanal zu passieren. Sie wurde während des Zweiten Weltkriegs mit Kies verfüllt und so vor Bombenangriffen geschützt. Den Krieg überstand die Anlage so fast unbeschadet.

Im Zuge des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit sollte die Bundeswasserstraße Hannover-Magdeburg-Berlin über den Teltowkanal die Städte miteinander verbinden und für den Güterschiffsverkehr und Schubverbände weiter ausgebaut werden. Dafür sollte die Nordschleuse auf bis zu 190 Meter Länge vergrößert werden. Umweltverbände, Initiativen und regionale Politiker protestierten. Auch die Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein machte sich gemeinsam mit der „Bürgerinitiative pro Kanallandschaft Kleinmachnower Schleuse“ gegen die aus ihrer Sicht überdimensionierten Pläne stark. Zwischenzeitlich verständigten sich die Ausbaubefürworter auf einen Kompromiss und fordern seitdem eine moderate Erweiterung der Kammer auf 130 Meter. Für die Bundesregierung war zuletzt jedoch nur noch eine Sanierung der Schleuse ein Thema, nachdem sich die optimistischen Prognosen aus den Jahren 2000 und 2007 über die Auslastung der Wasserstraße ihren Angaben zufolge nicht bestätigt hatten.

Das Bundesverkehrsministerium will sich gegenwärtig zu den Ausbauplänen nicht äußern. Die auf dem Verkehrswegeplan aufbauenden Ausbaugesetze würden derzeit in den Ausschüssen diskutiert, am kommenden Donnerstag wird voraussichtlich der Bundestag darüber beraten. Erst dann könnten konkrete Aussagen zu einzelnen Projekten getroffen werden, so die Sprecherin des Ministeriums, Vera Moosmayr.

Es fehle nicht am Geld, sondern am politischen Willen, erklärte der Sprecher der Landesgruppe Brandenburg und Vorsitzender der Landesgruppe Ost in der SPD-Bundestagsfraktion, Stefan Zierke. Die Kosten für den Ausbau der Schleusen in Kleinmachnow und Fürstenwalde bezifferte er auf 74 beziehungsweise 40 Millionen Euro, bei sehr guter Kosten-Nutzen-Relation. Doch mauere die CDU, klagt er. Statt in das Wachstum der Region Brandenburg, würde diese lieber in den laut Zierke weniger sinnhaften Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals investieren. Kosten hier: mehr als 800 Millionen Euro. Die Schleuse Kleinmachnow in den vordringlichen Bedarf bekommen zu haben, sei aber „mehr als gar nichts“.

 

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