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  • 05.07.2016
  • von Henry Klix

Glindow: Die Alpen-Feldbahn darf fahren

von Henry Klix

Lokführer Björn Alte. Gelegentlich lädt die Feldbahngruppe auf ein Ründchen auf dem Ziegeleigelände ein. Foto: Andreas Klaer

Die Naturschutzbehörde stimmt überraschend einer Museumsbahn in Glindower Alpen zu. Die Feldbahnfreunde bleiben vorsichtig - denn es stehen noch Gespräche mit der Bahnaufsicht bevor.

Werder (Havel) - Mit der Feldbahn in die Glindower Alpen: Die Untere Naturschutzbehörde hat überraschend die Genehmigung für eine knapp 800 Meter lange Museumsbahn erteilt, die von der Ziegelmanufaktur Glindow ins Naturschutzgebiet fahren soll. Auf der Abraumhalde der Tongewinnung hat sich eine für Brandenburg besondere, subalpine Schluchtenlandschaft entwickelt. Technik- und Bahnfreunde kämpfen unter dem Dach des Ziegeleimuseums seit 20 Jahren in einer Feldbahngruppe darum, mit einem kleinen Bahnbetrieb an die Geschichte dieses Eckchens zu erinnern.

Die Feldbahngruppe hat sich darauf berufen, dass man eine Strecke nutzen will, auf der noch in DDR-Zeiten Lorenbahnen den Ton in die Glindower Ziegelei transportiert hatten. Die Schienen sind zwar weg, die Schienenrechte waren aber nie aufgehoben worden. Doch als man vor einigen Jahren mit dem Gleisbau loslegte, gab es einen Baustopp der Naturschutzbehörde in Bad Belzig. Den Feldbahnfreunden fehlte die Schlagkraft für einen langen Rechtsstreit. Bei einem Termin am Potsdamer Verwaltungsgericht sagte man vor zweieinhalb Jahren deshalb zu, nicht weiterzubauen, bis die Naturschutzbehörde umgestimmt ist, erinnert sich Peter Schwoch, der von Anfang an dabei ist und die Feldbahnpläne schon fast aufgegeben hatte.

Hinter den Kulissen wirbelte Kreistagsabgeordneter Hermann Bobka

Dabei hatten fast alle Behörden zugestimmt, liegt sogar eine Baugenehmigung beim Landesamt für Verkehr vor – die unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Naturschutzbehörde steht. Auch die Bahnaufsicht gab ihr Okay, nachdem man sich zu Sicherheitsthemen verständigt hatte. Jetzt also liegt endlich die fehlende Genehmigung der Naturschutzbehörde auf dem Tisch, für die sich hinter den Kulissen auch der Werderaner Kreistagsabgeordnete Hermann Bobka (CDU) eingesetzt hat.

In Glindow habe sich der Tourismus seit Jahren sanft entwickelt, argumentiert Bobka. 1993 wurde das Ziegeleimuseum eröffnet, fünf Jahre später ein Belvedere in den Glindower Alpen errichtet. „Schon seit den 70er-Jahren gibt es Wanderwege durch die Glindower Alpen, an denen auch Treppen und Handläufe gepflegt und instand gehalten werden“, so Bobka in mehreren Briefen an die Naturschutzbehörde. Die Feldbahn wäre eine Bereicherung in dem Naturschutzgebiet. „Es wäre sehr wünschenswert, wenn es gelänge, Mensch und Natur zusammenzubringen und einen Kompromiss zu finden.“

Naturschutzbehörde stimmt vollumfänglich zu

Was jetzt vorliegt, klingt nicht einmal nach einem Kompromiss: Die Naturschutzbehörde stimmt den Plänen vollumfänglich zu. Man rechne nicht damit, dass der Betrieb der Feldbahn – geplant ist er lediglich an sechs Tagen im Jahr – eine erhebliche Beeinträchtigung des Schutzgebietes darstellt, heißt es in der Genehmigung, wobei die Feldbahnfreunde Veränderungen und Störungen unterlassen sollen. Ob diese neue Haltung etwas mit einem Personalwechsel in der Unteren Naturschutzbehörde zu tun hat, wollte von der Feldbahngruppe niemand kommentieren: Vor einem Jahr hatte sich der langjährige Fachdienstleiter Günter Kehl in den Ruhestand verabschiedet, neuer Leiter ist Mathias Gläser, dessen Unterschrift die Genehmigung trägt.

In einem von den Feldbahnfreunden beauftragten Umweltverträglichkeitsgutachten wurde bereits vor Jahren nachgewiesen, dass sich eine kleine Museumsbahn mit den Schutzzwecken der Glindower Alpen verträgt. Er könnte sogar mit Pflegemaßnahmen beauflagt werden, die das Flora-Fauna-Habitat aufwerten, wie es damals hieß. Beispiel: der Beschnitt unerwünschter Robinien.

Der Leiter der Feldbahngruppe bleibt vorsichtig

Der Leiter der Feldbahngruppe, Björn Alte, ist dennoch vorsichtig mit Zusagen, dass die Museumsbahn nächstes Jahr in Betrieb geht. Die Schienen ließen sich zwar schnell installieren. Er wolle aber den 15. Juli abwarten, dann gibt es eine letzte Abstimmungsrunde mit dem Eisenbahnbundesamt. Zwar habe man sich schon vor Jahren mit der Bahnaufsicht verständigt. Da viel Zeit vergangen ist, gebe es aber neue Verantwortliche, zeigt sich Alte zurückhaltend. „Und wir wissen noch nicht, ob die das noch so sehen.“

Das Material für die neue Feldbahn ist derweil seit Langem vorhanden. Gelegentlich kann man auf dem Ziegeleigelände schon jetzt ein Ründchen auf einem 150 Meter langen Schienenoval drehen. Drei fahrtüchtige Schmalspurlokomotiven aus den 1950er- und 60er-Jahren stehen im Lokschuppen, darunter eine NS2 f aus Babelsberg, Baujahr 1954, auf die man besonders stolz ist. Schienen und Loren haben die Vereinsmitglieder von anderen Ziegeleien vor der Verschrottung gerettet, Passagierwägelchen daraus gebaut.

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