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  • 24.03.2016
  • von Solveig Schuster

Stahnsdorfer Firmen fordern bessere Anbindung: Im Schlamm zur Arbeit

von Solveig Schuster

Die Stahnsdorfer Gewerbegebiete entwickeln sich nur mäßig. Ein Grund ist die schlechte Infrastruktur.

Stahnsdorf - Verkehrskollaps am Ortseingang, desolate Fuß- und Radwege, kaum ein Bus und absehbar auch keine Bahn: Seit Jahren beklagen Unternehmen der Gewerbegebiete am Rande der Ruhlsdorfer Straße in Stahnsdorf die schlechte Infrastruktur. Der Weg für die rund 2000 Mitarbeiter, die täglich in den Green- oder Techno Park pendeln, ist beschwerlich. Für die Unternehmen wird das im Kampf um die besten Köpfe immer mehr zum Problem.

„Der Region fehlt die Vision“, sagt Uwe Pieperjohanns, im Greenpark für die Streletzki-Gruppe verantwortlich für die Vermietungen. Voraussetzung dafür sei ein attraktiver Standort, erklärt er. Doch statt weiter zu wachsen, liegen derzeit viele Flächen brach. 50 Prozent der vermietbaren Gewerbeflächen stehen leer, einige Firmen verzichten darauf, zu erweitern, andere gehen ganz. Mehr als 20 000 Quadratmeter in dem 28 Hektar umfassenden Gewerbegebiet könnten Pieperjohanns zufolge noch neu bebaut, auf weiteren Flächen alte Bauten abgerissen werden. Auch im Techno Park gibt es noch Platz. Hier sind laut Gemeindesprecher Stephan Reitzig mit 84 000 Quadratmetern rund 78 Prozent der gemeindeeigenen Flächen ausgelastet. Stahnsdorf habe ein Gewerbegebiet ausgewiesen, schaffe aber nicht die Voraussetzungen, dass es sich entwickeln könne. Das sei ein Widerspruch, meint Pieperjohanns.

Auch Dieter Stolze, Leiter der Stahnsdorfer Niederlassung von Endress+Hauser fordert „ein klares Bekenntnis der Region zum Wachstum“. Das Schweizer Familienunternehmen hatte sich 2006 entschieden, in den Standort Stahnsdorf zu investieren. 33 000 Quadratmeter Fläche kaufte das Unternehmen im Techno Park an, plant jetzt eine Erweiterung. Der Drucksensoren-Hersteller will die Fertigung von Kassel nach Stahnsdorf holen. „Weil wir wachsen, brauchen wir gut ausgebildete Menschen“, sagt Dieter Stolze. Das Unternehmen will von heute 85 Mitarbeitern auf 180 im Jahr 2018, gar auf 250 im Jahr 2023 wachsen. „Das gesamte Gelände bietet Potenzial für das Doppelte“, sagt Stolze. Bleibe es bei der mangelnden Infrastruktur, werde es aber schwer, das gewünschte Personal zu bekommen. Vor allem die Fuß- und Radwege seien „katastrophal“. Regnet es, müssten viele seiner Mitarbeiter vom Stahnsdorfer Hof zu Fuß oder mit dem Rad durch den Schlamm.

Mehr als 100 Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren an der Ruhlsdorfer Straße angesiedelt, darunter neben Endress+Hauser weitere Großbetriebe wie Selgros und die Post. Auch der Mobilfunkanbieter Vodafone ist seit 1993 im Greenpark, betreibt ein Callcenter mit rund 500 Mitarbeitern. 2015 baute Vodafone sein Callcenter aus, suchte neues Personal. Doch die schlechte Anbindung wurde auch hier zum Hemmnis. „Der Weg war ihnen zu umständlich“, sagt Pieperjohanns.

Zurzeit werden die Gewerbegebiete von der Beelitzer Verkehrs- und Servicegesellschaft auf der Linie 626 zwischen Stahnsdorf-Waldschänke und Teltow mit Halt am Greenpark stündlich angefahren. Hinzu kommen einzelne Fahrten im morgendlichen Berufs- und Schülerverkehr, so die Sprecherin des Busunternehmens, Ulrike Rehberg. Ausreichend sei das nicht. Einen 30-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Nachmittag hält auch die Beelitzer Verkehrsgesellschaft für sinnvoll. Vor etwa zwei Jahren hatte die Stadt Teltow den Wunsch einer Taktverdichtung beim Landkreis angezeigt. Die Umsetzung sei bislang jedoch an der ungeklärten Finanzierung gescheitert, sagt Rehberg. In Kürze wollen die Kommunen sich aber nochmals mit der Verkehrsgesellschaft an einen Tisch setzen und „die Region unter die Lupe nehmen“, kündigt sie an.

Derweil sind die meisten Beschäftigten der Unternehmen im Green- und Techno Park weiter auf das Auto angewiesen – und stehen regelmäßig im Stau. Am Stahnsdorfer Hof bremsen Lasterkolonnen nicht nur den Lieferverkehr, sondern auch die Pendler aus. Nach dem Bau der Umgehung durch die Landesstraße 40 ist die geplante Entlastung im Ort ins Stocken geraten. Statt über die neue L77, die wegen Anwohnerklagen noch immer in der Warteschleife hängt, zwängen sich die Laster durch schmale Nebenstraßen.

Immerhin: Die Diskussion um den S-Bahn-Anschluss kommt in Fahrt. Er wäre das „Sahnehäubchen“ und würde „die Gewerbegebiete erst richtig nach Berlin anbinden“, so Dieter Stolze von Endress+Hauser. Das sieht auch die Gemeindeverwaltung so. „Eine S-Bahn-Verlängerung nach Stahnsdorf wäre für die Gewerbegebiete zweifelsohne gewinnbringend“, sagt Sprecher Reitzig. Die Verwaltung werde weiter für sie kämpfen.

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