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  • 16.03.2016
  • von Kirsten Graulich

Archäologische Spurensuche in Kleinmachnow: „Machnow“ steht für Moos

von Kirsten Graulich

Bei der Umgestaltung des Teltower Kirchplatzes 2009 wurde diese römische Pius-Münze entdeckt. Foto: Wurzel-Archäologie, Stahnsdorf

Scherben und rätselhafte Funde: Archäologen hoffen, im alten Kleinmachnower Dorfkern weitere Besiedlungsspuren zu entdecken, die aus einer Zeit weit vor dem 16. Jahrhundert stammen könnten.

Kleinmachnow - Wenn sich Archäologen demnächst im alten Kleinmachnower Dorfkern auf Spurensuche begeben, wollen sie sich tief in die Geschichte graben. Es gibt Hoffnung, dass sich unter dem Parkplatz des neuen Kirchenstandortes Strukturen einer frühen Besiedlung finden lassen, weit vor dem 16. Jahrhundert, sagte Annett Pratsch von der Unteren Denkmalschutzbehörde am Montag bei einem Vortrag über Bodendenkmale. Dazu eingeladen hatte der Heimatverein.

1300 Bodendenkmale gibt es in Brandenburg, elf davon in Kleinmachnow zuzüglich 25 Fundstellen. Groß sind die Erwartungen des Heimatvereins, mehr zu finden. Mancher sieht die Grabungen im Dorfkern wegen der späteren Bebauung aber auch als Kulturfrevel. Dem widersprach Pratsch: „Es wird alles dokumentiert!“ Schon 2012 waren archäologische Sondierungen auf der Fläche erfolgt. Grundmauern und das Pflaster des einstigen Gutshofes wurden freigelegt, Spuren, die bis ins 16. Jahrhundert reichen.

Funde aus der Steinzeit in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf

Archäologisch belegt ist, dass es in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf Rastplätze schon in der mittleren Steinzeit gegeben hat. So wurde 1902 beim Bau des Teltowkanals ein verzierter Lochstab aus Hirschgeweih gefunden, 44 Zentimeter lang und oberhalb ein drei Zentimeter großes Loch. Kleiderschmuck, Zeltheringe Werkzeug? Das ist unklar. Da in der Nähe des Fundes die Knochenspitze eines Fischspeeres geborgen wurde, könnte es sich auch um einen Strecker für Speere oder Pfeile handeln. Beide Funde seien seit dem letzten Weltkrieg verschollen, bedauerte Pratsch.

Ein weiterer Fundort, der auf die Mittelsteinzeit verweist, befindet sich in Stahnsdorf, 100 Meter von der Schleuse entfernt. Dort wurden in einer Grube Feuersteine gefunden. Auf Sesshaftigkeit deuten auch Keramikscheiben aus der Jungsteinzeit 3000 vor Christus hin, die in Kleinmachnow-Dreilinden entdeckt wurden. Scherben aus dieser Zeit wurden auch beim Buschgraben gefunden und ein Feuersteinbeil beim Kanalbau.

Urnengräber aus der Bronzezeit

Ein weiterer Beilfund aus der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) wurde gleichfalls am Buschgraben entdeckt, auf Zehlendorfer Seite. In der Nähe wurden bei einem Hausbau in den 1920er-Jahren Urnengräber aus der späten Bronzezeit freigelegt. Als Grabbeigabe wird eine runde Bronzeplatte vermutet, die sich in Grabnähe befand und verschollen ist.

Die Verdichtung von Fundstellen in Nähe des Buschgrabens und des Machnower Sees zieht sich bis in die Vorrömische Eisenzeit (550 bis 25 v. Chr.). Eine Siedlung der Eisenzeit wurde 1995 beim Bau des Seniorenstiftes Augustinum entdeckt. Anhand von Pfostenresten konnten Hausgrundrisse und Speicherbauten rekonstruiert werden. Eine dichte Besiedlung in dieser Zeit belegen auch Funde aus Teltow und Stahnsdorf.

Siedlungsspuren aus der Slawenzeit

Mit der Völkerwanderung sei die Besiedlung zurückgegangen, Funde wurden seltener, berichtete Pratsch. Dass durch die Region immerhin Wanderwege gingen, zeigt der Fund einer römischen Pius-Münze 2009 bei der Umgestaltung des Teltower Kirchplatzes. Das Zahlungsmittel belegt die Handelsbeziehungen zwischen Römern und Germanen, über 100 Fundstellen solcher Münzen gibt es im Land Brandenburg.

Aus der Slawenzeit (700–1150) gibt es dann wieder Siedlungsspuren in der Region und der Ortsname Kleinmachnow bezeugt die slawische Herkunft. Annett Pratsch vermutet, dass „Machnow“ abgeleitet wurde vom slawischen „Mucho“ für Moos. Pfahlbauten und Scherben wurden aus der Epoche gefunden. Über die Besiedlung im Hochmittelalter gibt es dagegen wenige Erkenntnisse.

Vermutet wird, dass Slawen und Deutsche nebeneinander lebten, was Scherben slawischen und deutschen Ursprunges belegen. Nun hoffen die Archäologen, im Alten Dorf auf neue Erkenntnisse zu stoßen. Ein Tipp kam am Montag von Vereinsmitglied Georg Heinze, der einst bei der Sanierung der Bäkemühle aktiv war. „Dort sind alte Feldsteine im Fundament verbaut worden.“ Ein Hinweis auf einen Vorgängerbau? 

 

 


 

 

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