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  • 15.03.2016
  • von Solveig Schuster

Delegation aus Harvard besucht Stahnsdorfer Übergangswohnheime: Elite-Studenten im Flüchtlingsheim

von Solveig Schuster

Von der Uni ins Flüchtlingsheim. Rund 30 Elite-Studenten aus Harvard besuchten die Unterkunft in Stahnsdorf und nahmen interessante Eindrücke mit. Foto: Johanna Bergmann

Stahnsdorf - Allein auf das, was sie bisher über die Flüchtlingskrise und -politik gehört und gelesen hatten, wollten sich die Studenten aus Harvard nicht verlassen. Im Rahmen einer selbst organisierten Studien-Reise besuchten am gestrigen Montag rund 30 Studenten der amerikanischen Elite-Universität die Übergangswohnheime in Stahnsdorf, um sich vor Ort einen realen Eindruck vom Leben in den Flüchtlingsheimen zu verschaffen.

Am Ende war die eingeplante Zeit schneller vorbei als gedacht. Während der Fahrer im Bus, mit dem die Reisegruppe am frühen Morgen aus Berlin gekommen war, bereits ungeduldig den Motor aufheulen ließ, spuckte das Haus am Rande der Ruhlsdorfer Straße seine Gäste, sichtlich beeindruckt vom Gesehenen und Gehörten, nur tröpfchenweise wieder aus.

„Die Flüchtlingspolitik ist auch bei uns ein großes Thema“, sagte Tamer Teker. „Wir wissen um das Weltgeschehen und auch, dass die USA vergleichsweise wenige Flüchtlinge aufnehmen“, erklärte er. Vor Deutschland hätten die Studenten der Harvard Kennedy School, die nach Teker in einer der „linkeren Gegenden“ Amerikas beheimatet ist, größten Respekt. Teker selbst kommt aus Duisburg und absolviert einen zweijährigen Master-Studiengang an der amerikanischen Universität. Er gehört zu insgesamt zwölf deutschen Stipendiaten, die an der begehrten Universität studieren. Bekannte Größen wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder auch den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama hat Amerikas Elite-Uni schon hervorgebracht. Die meisten Studenten der rund 30-köpfigen internationalen Reisegruppe wollen später auch im öffentlichen Sektor arbeiten, etwa in Ministerien oder bei Nichtregierungsorganisationen, erzählt Teker. Auch deshalb sei die Flüchtlingskrise für sie ein so bedeutsames Thema. Eine „Show“ wollte auch Heimleiter Thomas Kaminsky seinen Gästen nicht zeigen. In einem 20-minütigen Rundgang durch beide Heime, die derzeit 268 Bewohner aus 16 Nationen beherbergen, lernten die Studenten „das wahre Leben kennen“, so Kaminsky.

Dort, wo die Flüchtlinge die Türen zu ihren Mini-Appartements freiwillig öffneten, bekamen die Gäste einen direkten Einblick in die Realität. Zwei Personen, auf engstem Raum gemeinsam untergebracht – ein Bett, ein Tisch, ein Regal und ein Kühlschrank. Fünf Quadratmeter Wohnfläche stünden pro Bewohner zur Verfügung. So sei es vorgeschrieben, erläuterte Kaminsky.

Neben den beiden Blöcken des Stahnsdorfer Übergangswohnheimes werden aktuell vom Internationalen Bund als Träger der Heime 5490 Flüchtlinge betreut, davon etwas über 900 Frauen und 1200 Jugendliche und Kinder. Ziel sei es, so Jana Rickhoff, Betriebsleitern Brandenburg Nordwest, die Flüchtlinge in enger Kooperation mit den Kommunen und Landkreisen ins Leben zu integrieren, den Spracherwerb zu fördern, sie in Ausbildungen und Jobs zu vermitteln. 22 Bewohnern des Stahnsdorfer Heimes sei Letzteres schon gelungen, sagte sie.

Bei Kaffee und Kuchen füllten die Elite-Studenten im Anschluss an den Rundgang weitere Wissenslücken, erfuhren etwa, wie Flüchtlinge in den Heimen kommunizieren, wie sie versorgt werden, wer sich um unbegleitete Kinder kümmert, wer bleiben darf und wer nicht. All die Eindrücke und Informationen nahmen die Gäste gern mit zu ihrem nächsten Besuch im Justizministerium in Berlin, wo Justizminister Heiko Maas (SPD) die 30-köpfige Delegation bereits erwartete. Auch mit ihm wollten die Studenten über ihre Erlebnisse in Stahnsdorf sprechen, sagte Tamar Teker, bevor sie ihre Studienreise mit Besuchen in Moskau und einer Sightseeing-Tour in St. Petersburg fortsetzten. 

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