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  • 01.03.2016
  • von Henry Klix

Teltows Bevölkerungswachstum: Wie Teltow erwachsen wird

von Henry Klix

Nicht kleckern, klotzen. Das Buschwiesenkarree ist eines der völlig neuen Quartiere, die in Teltow aus dem Boden gestampft wurden. Nicht nur Einfamilienhäuser, auch Geschossbauten sind dort entstanden und entstehen immer noch. Foto: hkx / Grafik: Gitta Pieper-Meyer

Keine deutsche Mittelstadt wächst so schnell wie Teltow. Aber wo findet dieses Wachstum eigentlich statt? Wird die Stadt dabei schöner? Und geht es immer so weiter? Ein Besuch in der Bauverwaltung.

Teltow - 350 Wohneinheiten auf dem Immergrün-Gelände, 140 Wohneinheiten an der Südspange, 180 Wohneinheiten an der Potsdamer Straße / Weserstraße ... Wenn Teltows 1. Beigeordnete Beate Rietz (SPD) die Bebauungspläne aufzählt, die derzeit im Teltower Bauamt bearbeitet werden, dann kann einem schwindlig werden: Insgesamt zwölf große Wohnungsbauprojekte sind derzeit in der Planung, unterm Strich sollen damit rund 1300 Wohneinheiten entstehen, für über 3000 neue Einwohner. Andere Orte rund um Berlin würden sich freuen, auch nur ein Viertel solcher Baugebiete ausweisen zu können. Doch oft fehlt es ihnen an Platz – oder an Zuzugswilligen in so hoher Zahl.

Teltow wuchs in den vergangenen 25 Jahren enorm

Ist es ein besonderes Jahr, eine Ausnahmesituation für Teltow? Iris Abraham, die Sachgebietsleiterin für Stadtentwicklung und seit 1991 im Teltower Rathaus tätig ist, schüttelt den Kopf. „Eigentlich geht das so schon seit Mitte der 90er-Jahre.“ Der erste Teltower Bauboom sei durch die zahllosen Rückübertragungen ausgelöst worden, die Betroffenen brauchten neue Wohnungen. Und als man den Eindruck gewinnen konnte, dass das Baugeschehen sich verlangsamen könnte, Baugebiete wie das Mühlendorf einzuschlafen drohten, da kam vor elf Jahren der Anschluss ans Berliner S-Bahn-Netz. Von 15 000 auf 25 000 Einwohner ist Teltow so in 25 Jahren gewachsen.

Wo findet dieses Wachstum eigentlich statt? Warum hat Teltow ein solches Potenzial an Bauflächen? Und welche städtebaulichen Maßgaben bestehen, damit die bisweilen etwas dahingewürfelte Vorstadt mehr Struktur bekommt? Baubeigeordnete Beate Rietz (SPD) verweist auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2008, das die Entwicklungsziele klar definiert: eine Aufwertung der Altstadt zur Kanalseite und zur Potsdamer Straße, Einzelhandelsflächen im Nordwesten, Wissenschaft und Gesundheit im Nordosten, Landschaftsräume im Süden, die an beiden Seiten mit der Stadt bis in zentrale Lagen hinein verbunden sind.

Die Altstadt soll präsenter werden

Auch wo attraktive Wohnstandorte profiliert werden sollen, ist klar definiert. Längst nicht alles ist maßstabsgetreu umgesetzt, aber man spürt, dass das Konzept auch nicht in der Schublade verstaubt. Rietz nennt als Beispiel, dass die Unterschutzstellung der Ruhlsdorfer Rieselfelder aktiv vorangetrieben wurde, der frühere Mauerstreifen als grüne Achse nicht bebaut werden darf, dass die Potsdamer Straße an der Altstadtflanke saniert wurde – auch wenn das noch nicht durchweg die erhofften Investitionen bei den Hausbesitzern nach sich gezogen hat. Der Hafen und das Marina-Quartier gehörten ebenfalls zu den – wenn auch umstrittenen – Projekten, mit denen die hübsche, aber vielen Durchreisenden gar nicht bekannte Altstadt präsenter werden soll.

Dass die zur Wendezeit völlig verfallenen Altstadthäuser überhaupt gerettet werden konnten, sie inzwischen von den Eigentümern – oft mit Fördergeldern – fast komplett durchsaniert wird, zählen Beate Rietz und Iris Abraham zu den großen Erfolgen der Stadtentwicklung seit der Wende. Stolz sei sie auch, dass Teltow das Image eines verwahrlosten Ex-Industriestandorts endgültig losgeworden ist, sagt Abraham. Selbst wenn daraus vielleicht in der Fläche noch keine Perle geworden ist, sei das bereits ein ganzes Stück Arbeit gewesen.

Reste der DDR-Industriebetriebe: Völlig verseuchte Brachen

Auf fast 100 Hektar seien in der DDR-Zeit Industriebetriebe in Teltow ansässig gewesen, Tausende waren in den volkseigenen Betrieben wie dem Geräte- und Reglerwerk oder dem Elektronische Bauelemente „Carl von Ossietzky“ beschäftigt. Als die zur Wendezeit den Bach runtergingen, gab es nicht nur ein Problem mit Arbeitslosen, sondern auch mit gewaltigen, teils völlig verseuchten Brachen. Dienstleitung, Verwaltung, Wissenschaft und Lehre – das waren Themen, mit denen sich die Stadt auf den alten Flächen profilieren wollte – und es, wie Iris Abraham konstatiert, auch tat.

Sie zeigt eine Karte, auf der die seit der Wende umgesetzten Bebauungspläne eingezeichnet sind. Rund die Hälfte des Stadtgebietes wurde, wie man an den roten Flächen erkennt, überplant, zu rund drei Vierteln mit Einfamilien-, Doppel- und Geschosswohnungen. Die Hunderten Lückenschlüsse wie im Stadtteil Seehof sind da nicht mal inbegriffen. Selbst wenn Baulücken langsam rar werden, gibt es in der Fläche der Stadt immer noch derartig viele Brachen, dass sich noch über Jahre die Kräne drehen werden.

Boomtown statt "Rübchenstadt"

Nicht „Rübchenstadt“, „Boomtown“ heißt es inzwischen immer wieder, wenn über Teltow geschrieben oder gesprochen wird. Während Mittelstädte in ganz Deutschland gegen das Schrumpfen ankämpfen, wächst die alte Ackerbürgerstadt im Schweinsgalopp. Nicht umsonst wurde Teltow im vorigen Jahr zur am schnellsten wachsenden Mittelstadt Deutschlands gekürt. Der Siedlungsdruck aus Berlin tut das Seinige, bis zum Alex sind es 20 Kilometer. Und die Bodenpreise sind gegenüber Nachbarn wie Stahnsdorf und Kleinmachnow immer noch günstig.

Man müsse schon aufpassen, dass die städtische Infrastruktur mit dem schnellen Einwohnerwachstum mithält, sagt Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD). „Wichtig ist, neben dem Wohnungsbau auch die damit verbundene soziale Infrastruktur zu gewährleisten. Nur so kann der Ort auch weiterhin für seine Bewohner attraktiv bleiben.“ Im Rathaus macht man sich da weniger Sorgen um den nicht nur an der Oderstraße recht präsenten Einzelhandel als um Kitas, um Schulen und Sportanlagen.

Doch so wird es nicht immer weitergehen

Manchen Investor, der Siebengeschosser errichten wollte, musste die Verwaltung schon zurückpfeifen, um das Wachstum nicht zu überdehnen. Außerdem muss jeder, der in Teltow großflächig baut, zur Entwicklung der Infrastruktur beitragen. Beigeordnete Rietz nennt ein Beispiel: Ein Investor, der in der Nähe des Ruhlsdorfer Platzes 140 Wohneinheiten bauen will. Die Stadt rechnet vor, dass damit 50 neue Kitaplätze benötigt würden. „In einem städtebaulichen Vertrag wurde der Investor verpflichtet, dafür eine Bürgschaft von 500 000 Euro zu hinterlegen.“ Wird die Kita gebaut, muss er zahlen.

Bei aller Freude am Erwachsenwerden weiß man im Rathaus, dass es nicht immer so weitergehen wird. Der Landesentwicklungsplan gesteht der Stadt ein Wachstum auf 30 000 Einwohner zu. Schaut man sich die Potenziale im Flächennutzungsplan an, so wäre sicherlich einiges mehr drin, sagt Beate Rietz. Doch irgendwann ist auch in Teltow einmal Schluss. In den nächsten zehn Jahren, schätzt sie, wird die Ausweisung neuer Bauflächen sukzessive abflachen. Bis dahin bleibt für die vier Stadtentwickler in der Bauverwaltung noch einiges zu tun.

 

 


 

 

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