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  • 18.02.2016
  • von Solveig Schuster

Teltow: Willkommenskultur per Post

von Solveig Schuster

Einzugsgebiet. Die Unterkunft an der Potsdamer Straße liegt nur wenige Schritte von der Stubenrauch-Grundschule entfernt. Foto:A. Klaer

Teltow arbeitet an einem Integrationskonzept. Erste Erfolge in der Stubenrauch-Grundschule

Teltow - Fast 700 Flüchtlinge leben derzeit in Teltow. Die Stadt trägt damit die Hauptlast des Zustroms im Landkreis. Um die Integration der Asylsuchenden in Teltow weiter zu verbessern, hatten sich die Stadtverordneten wie berichtet im November darauf verständigt, von der Verwaltung ein Integrationskonzept erarbeiten zu lassen. Ein erstes Ergebnis hat Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) jetzt vorgelegt.

Neben einem Dolmetscherpool, der auf ehrenamtlicher Basis kurzfristig entstehen soll, werden darin als konkret umzusetzende Ideen Patenschaften von Vereinen, Parteien oder Privatpersonen, die Übernahme von Vereinsbeiträgen durch die Kommune sowie ein Willkommensbrief für neu ankommende Asylsuchende genannt. Auch die Wohnsituation soll sich mit Hilfe von Quartiersarbeitern verbessern. Immerhin gut 100 der Flüchtlinge in Teltow leben nach wie vor in einer Notunterkunft in der Warthestraße.

Insgesamt diene das vorgelegte Arbeitspapier aber zunächst einmal als Grundlage für die weitere Diskussion, erklärt Teltows Stadtsprecherin Andrea Neumann. Wie die Politik sich zu den einzelnen Punkten positioniert, werde etwa die nächste Sozialausschuss-Sitzung zeigen. Bereits heute würden aber viele ehrenamtliche Initiativen mit niederschwelligen Angeboten unterstützend tätig und ein wichtiger Bestandteil der Integration in Teltow sein, betonte Neumann.

Während andernorts noch über Integration gesprochen wird, ist sie an der Teltower Stubenrauch-Schule in der Egerstraße offenbar längst Realität. Auf die Integration von Flüchtlingskindern in ihrer Schule angesprochen, reagiert Schulleiterin Bettina Büscher mit einem irritierten Blick. Mehr als zwei Jahre, nachdem die ersten Asylbewerber aus Tschetschenien angekommen sind, ist für Büscher inzwischen „alles ganz normal“.

Selbstverständlich ist das nicht: Mehr als 30 Schüler aus dem nahen Wohnheim werden in der Stubenrauch-Grundschule unterrichtet, neun besuchen den Hort. Anfangs noch von der Situation überrollt, läuft nun „alles super“, erklärt Büscher. „Wir freuen uns über jeden Schüler, der zu uns stößt.“

In Willkommensgruppen werden die Neuankömmlinge, die aus Syrien und Afghanistan, aber auch anderen Krisenregionen kommen, auf den Unterricht vorbereitet, lernen intensiv Deutsch. Parallel werden sie je nach Sprach- und Wissensstand in die Regelklassen integriert und weiterhin durch Patenkinder begleitet, erläutert die Rektorin das Konzept. Trotzdem gibt es auch in Teltow noch Unterstützungsbedarf. Den hat die Leiterin des Kita-Eigenbetriebes der Stadt Teltow, Solveig Haller, in einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion von CDU und Bündnis 90/Grünen an die Stadtverordnetenversammlung herausgearbeitet. Danach seien die Sprachbarrieren bei den Eltern das größte Problem. „Um ein inhaltliches Verständnis und Vertrauen aufzubauen, muss den Eltern vieles erklärt werden“, sagt Haller.

Weil die Wege zu vielen Einrichtungen zu weit seien und den Familien Fahrgeld fehle, finde die Verteilung zudem nicht auf alle Kitas, sondern auf die Einrichtungen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Übergangswohnheimen statt. Diese seien überproportional belegt. Neben dem Hort der Stubenrauch-Grundschule, der schon zuvor aus allen Nähen platzte und gegenwärtig einen Neubau erhält, werden Flüchtlingskinder vor allem in den Kitas „Pusteblume“, „Teltow Kids“ und „Rappelkiste“ betreut. Zurzeit sind es 24 Kinder aus den Teltower und Stahnsdorfer Übergangswohnheimen, die Teltower Krippen und Kitas besuchen. 20 weitere Kinder werden in Willkommensklassen der Mühlendorf-Oberschule unterrichtet.

In der Stubenrauch-Grundschule stellt die gestiegene Nachfrage nach Schulplätzen noch kein Problem dar, sagt Büscher. Da der Bauboom und der daraus resultierende Zuzug in dem Viertel nicht so groß seien wie etwa im Mühlendorf, könne die Schule den Zuwachs durch die Asylbewerber noch gut verkraften. Die Klassengrößen bewegen sich mit 20 bis 26 Kindern „in einem entspannten Rahmen“. Im Durchschnitt kommen zwei bis drei Kinder pro Klasse aus Flüchtlingsfamilien.

Zur Schulanmeldung und bei Behördengängen werden die Eltern durch Sozialarbeiter in den Heimen begleitet, zudem stehen ehrenamtliche Dolmetscher zur Seite. Auch Entwicklungsgespräche werden mit ihrer Hilfe geführt. Um dies überall zu gewährleisten, regt Solveig Haller in ihrem Schreiben einen Dolmetscherpool an. Darüber hinaus biete das städtische Unternehmen Fortbildungsreihen zum Umgang mit traumatisierten Menschen und insbesondere auch Kindern an. Die Flucht aus Krisen- und Kriegsgebieten sei auch immer ein schwieriges Erlebnis für die Kinder, erklärt sie.

Besondere Auffälligkeiten hat Schulleiterin Büscher noch nicht festgestellt. „Es wäre falsch zu sagen, dass es keine Probleme gibt“, erklärt die Schulleiterin. „Aber es sind die gleichen wie bei anderen Kindern auch.“ Die Teltower Schüler würden den „Neuen“ mit begeistertem Interesse begegnen, das gelte auch für die Eltern. „Der Blick über den Tellerrand kann auch eine Bereicherung für die eigenen Kinder sein“, sagt Büscher.

 

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