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  • 17.02.2016
  • von Henry Klix

Müllzentrum in Michendorf: Kein Biomüll, aber Bauschutt

von Henry Klix

Landschaftsschutzgebiet. Die frühere Deponie und der Kiestagebau befinden sich bei Wildenbruch – Lungenflügeln gleich – mitten im Wald. Foto:www.geobasis-bb.de

Die Biogasanlage in der Fresdorfer Heide ist vom Tisch. Die Stadt Potsdam braucht sie gar nicht. Ob sich durch Widerstände auch die geplante Bauschuttdeponie der BZR verhindern lässt, scheint fraglich.

Michendorf - Der Biomüll aus Potsdam soll vorerst nicht in die Fresdorfer Heide. Die Stadtentsorgung Potsdam (Step) hat ihren Antrag auf den Start eines Bebauungsplanverfahrens für eine Biovergärungsanlage aufgrund der Widerstände aus der Gemeinde Michendorf zurückgezogen. Doch dort wird weiter befürchtet, dass das große Waldgebiet zu einem „Müllzentrum“ verkommt, denn die Pläne der BZR GmbH für eine Bauschuttdeponie sind nicht vom Tisch. Und auch der Step-Rückzug ist nicht endgültig.

In einem Brief der Step-Geschäftsführung an den Michendorfer Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) heißt es, man wolle die Bedenken, die hinsichtlich des Standortes der Anlage und des Lkw-Verkehrs geäußert wurden, nochmals sorgfältig prüfen. „Wir möchten eine konfrontative Stimmung vermeiden und zunächst den Dialog mit den Vertretern der Gemeinde sowie den Bürgern weiterführen.“

Step stellt komplettes Konzept auf dem Prüfstand

Die Step hatte geplant, am Standort der alten Potsdamer Hausmülldeponie eine Biovergärungsanlage zu bauen, und zunächst aufs Tempo gedrückt. Seit Anfang dieses Jahres ist die Braune Tonne für Potsdamer Hauseigentümer Pflicht. In der Fresdorfer Heide sollte der Bioabfall mit dem Trockenvergärungsverfahren zu Biogas aufbereitet werden, das ins Gasnetz eingespeist werden kann. Das komplette Konzept für das Vorhaben sei nun laut Step auf dem Prüfstand.

In der Michendorfer Gemeindevertretung am Montag wurde die Nachricht erleichtert aufgenommen. Elisabeth Schroedter von der Bürgerinitiative „DepoNie“ warnte aber vor Euphorie. „Die Pläne wurden nicht aufgegeben, sondern zurückgestellt.“ Allerdings habe der Protest Wirkung gezeigt und die Gemeinde durch das erforderliche Bebauungsplanverfahren erhebliches Mitspracherecht, falls es einen zweiten Anlauf gibt.

Potsdam braucht keine Biogasanlage in Michendorf

Ein Step-Sprecher sagte gestern den PNN, dass weiterhin Alternativstandorte für eine Biogasanlage geprüft würden. Wie berichtet waren dafür auch der Friedrichspark in Marquardt und das Satzkorner Klärwerk im Gespräch. Bemerkenswert: Aus der Potsdamer Stadtverwaltung wurde gestern betont, dass die Biogasanlage kein Projekt der Stadt, sondern der Step sei. „Das ist ja keine hundertprozentige Tochter der Stadt Potsdam“, so Rathaussprecher Jan Brunzlow.

Der Potsdamer Biomüll werde zurzeit von der Step zu einer Kompostieranlage der Firma Pro Arkades nach Jühnsdorf (Teltow-Fläming) gebracht, sagte Brunzlow. Dieses Jahr werde mit einer europaweiten Ausschreibung nach einem neuen Anbieter gesucht. Es sei offen, wer den Zuschlag erhält. Brunzlow: „Die Step müsste sich an einer solchen Ausschreibung genauso wie jeder andere beteiligen.“ Sie habe derzeit einen Auftrag zur Sammlung und zum Abtransport des Biomülls, nicht aber zur Aufarbeitung.

Zehnmal so viel Verkehr durch geplante Bauschuttdeponie

Hatte die Step noch angegeben, dass durch ihre Biogasanlage zwölf Laster täglich zur Fresdorfer Heide fahren müssten, so würden die Ortschaften durch ein zweites Projekt deutlich stärker belastet: Die BZR plant wie berichtet, ihre Kiesgrube in der Fresdorfer Heide, direkt neben der Step-Deponie, zur Bauschuttdeponie umzuwandeln, eine mindestens zehnfache Zahl von Lastern wäre dann zu erwarten. Zwei Planfeststellungsverfahren für das Projekt sollen im März gestartet werden.

Die Beteiligungsmöglichkeiten der Gemeinde sind, wie es am Montagabend in der Gemeindevertretung hieß, deutlich eingeschränkter als bei einem Bebauungsplanverfahren. Die Gefahr eines „Müllzentrums“ im Wald bestehe weiter, wie DepoNie-Sprecherin Schroedter sagte. Schon an früheren Nutzungsänderungen der BZR-Kiesgrube sei man nicht beteiligt gewesen. So sei ein Genehmigungsverfahren zur Inbetriebnahme einer Müllsortieranlage völlig an der Gemeinde vorbeigegangen.

Gemeinde will mit Bürgerinitiative gegen Deponie kämpfen

Dass in den Jahren 2006 und 2007 illegal Industrie- und Gewerbemüll in der Kiesgrube verklappt wurde, habe auch mit einer mangelnden Beteiligung der Gemeinde zu tun gehabt. Der frühere BZR-Chef war dafür zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. „Ich sehe die Gefahr, dass weitere Dinge vertuscht und verbuddelt werden sollen“, so Schroedter.

Die Gemeinde will nun gemeinsam mit der Bürgerinitiative gegen das Projekt vorgehen, sich um einen Vor-Ort-Termin bemühen und beraten lassen, wie man sich erfolgreich in die Beteiligungsverfahren einbringen kann. Laut Kenntnisstand der Gemeinde sollte die Kiesgrube 2019 eigentlich geschlossen und der Standort mitten im Landschaftsschutzgebiet renaturiert werden. Im Flächennutzungsplan von Michendorf will die Gemeindevertretung das jetzt als Ziel fixieren. Ob das Auswirkungen auf die Planfeststellungsverfahren hat, ist ungewiss.

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