18.12.2017, 2°C
  • 26.01.2016
  • von Gerold Paul

KulTOUR: Kunstverein „Goldrot-schwARTz German Arthouse“: Das Schaf in der U-Bahn

von Gerold Paul

Werder (Havel) - Schade, dass es nach gut einem dreiviertel Jahr mit dem Kunstverein „Goldrot-schwARTz German Arthouse“ schon wieder zu Ende geht, wenigstens im Werderschen Lendelhaus am Inselmarkt. Eine Dienstversetzung ins Ausland, da kann man nichts machen. Doch Ehre, wem Ehre gebührt: Achim Künsebeck und die Seinen haben das Kunst-Sehen und den Kunstverstand vor Ort auf ihre „ART“ zweifellos bereichert.

So auch mit der letzten Ausstellung „Situationen/Momente im Jetzt“ des Düsseldorfer Künstlers Walter Padao. Er studierte Malerei in Kassel, Bologna und Nürnberg, war Meisterschüler bei Johannes Grützke. Er ist ein Mann der interdisziplinären Tat, hat Bühnenbilder entworfen, mit Tänzern und Musikern gearbeitet, hat sich an Rundfunk- und anderen Textproduktionen beteiligt. Erinnerlich dürfte dem Ruhrpott das Projekt „Radio noir“ (2011) geblieben sein, darin eine Rundfunksprecherin die Zuhörer zu Gewalt- und anderen Aktionen verführen will. Eine Sirene also, genau wie die von ihm gemalte Parthenope, welche die Helden der griechischen Vorzeit anlockt, Odysseus, Aenaeas. Zwei dieser gewaltigen Gemälde hat Walter Padao mitgebracht. Es sind im Wortsinn Bühnen-Bilder, Bild und Bühne der Welt und des Lebens zugleich. Die Welt als Bühne, das ist ganz barock gedacht.

Fahrige, schreitende, huschende Gestalten bevölkern andere Arbeiten, die U-Bahn sind, Straßenszene, Parkett, oder Unterwasserbecken. Dunkel, aber im Ausdruck nicht finster, vom Sujet her geistvoll und geistig, in der Farbgebung kompakt, wird der Mensch-und-Lebens-Augenblick hier kunstvoll in die Farben der Schatten gesetzt, mit Acryl oder Öl. Der Künstler fühlt und erspürt den mythischen Hintergrund: Shiwa tanzt die Welt, die Sirene verführt wackere Männer, und „Maya“ steht altgriechisch einfach für Illusion. „Momente im Jetzt“: Man sieht und erlebt tatsächlich, wie Padao in seinem Traum-Gedanken-Strom die Stopp-Taste drückt, um den vielleicht faustischen Augenblick festzuhalten.

Licht und Schatten

Dann gehen die Bilder und ihre Geschichten auch schon weiter, wie im Film oder Traum: Mit der nächsten Lockung der schönen Sirene, bei den „Nachtwartenden“ auf glutroter Straße, bei „Drunter und Drüber“ sowieso, das steht ja im Titel. Auch der Menschenzug Watender in „Condensed Expanded“ hält nur für einen Moment inne, um dann am Betrachter vorbeizuziehen. Licht und Schatten! Diese Bilder haben tatsächlich eine barocke Existenz, auch, weil jene „ART“ das Leben als Traum verstand, den Weltlauf als die Arena eines viel höheren Willens.

Und dann plötzlich die Kehre, wenn Padao ans Tiefstapeln geht: Auf einmal ist sein Bildwerk nur Illusion, die Farbe nur Farbe, Sujets nur Blendzeug in einer Gleichzeitigkeit. Überall hyperreale Komposition, unscharfe Bewegung, Fremdes im Vertrauten. Überall Geist! Wie kommt das arme Wollschaf in die U-Bahn-Station? Keine Ahnung, sagt er, aber wenn diese Szene denk- und malbar ist, dann gibt es sie auch! Seit Jahrhunderten schon sind Maler die Wächter und Lehrer fürs Sehen. Diese Bilder lassen der Phantasie ihren Raum, Leidenschaft, Dynamik, Spannung ist drin, manch eines scheint von innen her zu brennen. Padao zeigt, ja zelebriert, durch sein „T-Räumen mit Menschen“, dass Malerei mit Leben zu tun hat, mit Verführung und Illusion – sonst wäre Parthenope ja nicht da, und auch nicht das Schaf da drunten.

Zu sehen bis zum 28. Februar 2016 jeweils Sa./So. 14 bis 17 Uhr.

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