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  • 26.01.2016
  • von Henry Klix

Kleinmachnow im Zweiten Weltkrieg: Zwischen den Fronten

von Henry Klix

Eva Zeller könnte Kleinmachnow helfen, das Überleben eines jüdischen Jungen zur Hitlerzeit aufzuklären. Am Holocaust-Gedenktag liest die 93-jährige Autorin in Kleinmachnow.

Kleinmachnow - Sie veröffentlichte Kinderbücher, Romane, Erzählungen, Lyrik, Hörspiele und Essays. Zum Holocaustgedenktag am morgigen Mittwoch wird die 93-jährige Berliner Autorin Eva Zeller zu Gast in Kleinmachnow sein. Im Gepäck hat sie einen Roman, der 1998 bei DVA in Stuttgart erschien – und der zum Teil auf Ereignisse basiert, die sich im Zweiten Weltkrieg in Kleinmachnow zugetragen haben sollen: „Das versiegelte Manuskript“.

Das Buch spielt in der Gegenwart und erzählt, wie die Protagonistin Bea auf die Niederschrift einer Frau stößt, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dem Stalinterror zum Opfer fällt. Dem wird das Schicksal von Beas jüdischem Geliebten Jakob gegenübergestellt, dessen Familie die Naziverfolgung nicht überlebt hat. Jakob selbst wird als Kind in einer Gärtnerei versteckt und kommt durch.

Zu Jakobs Teil des Romans soll Zeller durch eine wahre Geschichte aus Kleinmachnow angeregt worden sein, wo die Autorin in den 1950er-Jahren mit ihrem Mann, dem Pfarrer und Kunsthistoriker Reimar Zeller, einige Zeit lebte. Der Tagesspiegel schrieb über „Das versiegelte Manuskript“, Eva Zeller habe „am Ende unseres Jahrhunderts ein wichtiges und bewegendes Buch geschrieben, in dem von den bösesten Jahren eben dieses Säkulums die Rede ist und davon, wie sie bis in die Gegenwart fortwirken“.

Ein 7-jähriger Junge wurde versteckt - nur wo?

Eingeladen wurde die Autorin von der Kleinmachnower Aktionsgruppe Stolpersteine, die sich durch den Besuch auch neue Erkenntnisse zu den damaligen Ereignissen erhofft. Initiativen-Sprecher Martin Bindemann erzählt, wie wenig davon bekannt ist: „Wir wissen, dass ein etwa siebenjähriger Junge in der Gärtnerei Rose in der Straße Im Hagen für etwa drei Jahre bis zum Kriegsende versteckt worden ist.“ Die Nachbarsfamilie soll davon gewusst und auch geholfen haben, das Kind zu versorgen, das offenbar in einem kleinen Nebengelass auf dem Gelände der Gärtnerei untergebracht war, so Bindemann.

Der Name des Jungen sei ebenso unklar wie sein weiteres Schicksal oder die Umstände, die dazu führten, dass er überleben konnte. „Frau Zeller hat versprochen, uns den Namen zu verraten“, sagt Bindemann. Auch Nachfahren der Gärtnerei-Inhaber werden kommen. Die Gärtnerei soll 1929/30 gegründet und von Oswald Frömberg mit seiner Tochter Dora Rosa geführt worden sein. Nach dem Krieg wurde aus der Gärtnerei eine Genossenschaft, nach der Wende wurde das Areal bebaut.

Die Erkenntnisse über den jüdischen Jungen sollen Recherchen der AG Stolpersteine ergänzen. Die Gruppe hat seit ihrer Gründung vor sechs Jahren nicht nur mit 22 Stolpersteinen an Kleinmachnower erinnert, die dem Naziterror zum Opfer fielen. Sie hat mit einer Stele auch daran erinnert, wie es couragierten Menschen gelungen ist, Bedrohte vor Terror und Verfolgung zu retten. An sieben solcher Geschichten wird mit der Stele am Margarete-Sommer-Platz bereits erinnert. Vier weitere Helfergeschichten sollen voraussichtlich im Mai ergänzt werden, sagt Martin Bindemann. Darunter voraussichtlich auch die aus dem Roman von Eva Zeller. 

Eva Zeller liest aus ihrem Buch „Das versiegelte Manuskript“ am 27. Januar um 20 Uhr in der Auferstehungskirche, Jägerstieg 2. Der Eintritt ist frei, der Erlös des Abends geht an die Aktion Stolpersteine Kleinmachnow.

 

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