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  • 22.01.2016
  • von Eva Schmid

Patrouille für Nuthetal

von Eva Schmid

Gemeinde will Sicherheitspartnerschaft starten

Nuthetal - Es wäre ein gruseliges Bild gewesen: Anwohner aus Bergholz-Rehbrücke, die auf eigene Faust durch die Straßen ziehen, um als Bürgerwehr für vermeintliche Ordnung zu sorgen – ohne die dafür nötige Kompetenz und ohne eine rechtliche Grundlage. Hintergrund für die Idee zur Bürgerwehr ist der bevorstehende Zuzug von bis zu 300 Flüchtlingen in einen leer stehenden „Toom“-Baumarkt an der Arthur-Scheunert-Allee. Anwohner fürchten jetzt offenbar um ihre Sicherheit.

„Das geht gar nicht“, so Nuthetals Bürgermeisterin Ute Hustig (Linke) zu der Bürgerwehr-Idee. Als sie davon erfuhr, wollte sie den besorgten Anwohnern zuvorkommen. Jetzt will man in Nuthetal eine Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei starten. Im Februar könnte es losgehen, gesucht würden vor allem ehemalige Polizisten, so Hustig. „Wir wollen mit der Polizei zusammen aussuchen, wer dafür geeignet ist“, so Hustig. Zudem müssten die Sicherheitspartner geschult werden, auch eine kleine Aufwandsentschädigung sei drin, versprach Hustig.

Seit über 20 Jahren gibt es in Brandenburg derartige Sicherheitspartnerschaften. Grundlage ist ein Erlass zur „Kommunalen Kriminalitätsverhütung“. Da die Polizei und die Kommune die Sicherheitspartner aussuchen, habe man ein Auge darauf, dass „unbescholtene und vertrauenswürdige Bürger“ den Job machen würden, so der Sprecher des Innenministeriums Ingo Decker. Im vergangenen Jahr zählte das Ministerium in ganz Brandenburg 70 Sicherheitspartnerschaften mit 418 Freiwilligen, zwölf Jahre zuvor waren es noch 880 Freiwillige. „Uns wäre es lieber, wenn wir mehr davon hätten“, so Decker. Aber man habe ein Nachwuchsproblem, viele der Partnerschaften seien aus Altersgründen aufgelöst worden.

Im kleinen Beelitzer Ortsteil Fichtenwalde indes zeichnet sich eine ganz andere Entwicklung ab: Dort hat das Sicherheitsteam zu Beginn des Jahres kräftig Zuwachs bekommen. Waren zuvor acht Freiwillige im Ort unterwegs, so sind es jetzt 20. Hintergrund für den Zuwachs in Fichtenwalde dürfte eine Einbruchserie im vergangenen Sommer gewesen sein: Zehn Mal innerhalb von zwei Nächten wurde in einer Straße des Ortes eingebrochen. Das mobilisierte viele Anwohner, für mehr Sicherheit im Ort zu sorgen.

Um auch Anwohner aus anderen Kommunen von dem laut Ministerium erfolgreichen Konzept zu überzeugen, wolle man künftig die Freiwilligen besser ausstatten. Bekommen sie bisher nur eine warme Jacke mit der Aufschrift Sicherheitspartner, könnten künftig auch Funkgeräte gesponsort werden. Auch wenn das sehr an Polizisten erinnert: Die Sicherheitspartner hätten keine hoheitlichen Befugnisse, die Aufklärung von Straftaten bleibe nach wie vor Aufgabe der Polizei, heißt es aus dem Ministerium. Mit der Sicherheitspartnerschaft will das Land Bürgerwehren oder Hilfssheriffs verhindern, wie sie im Grenzgebiet zu Polen beobachtet wurden.

Auf weitere Freiwillige hofft man derweil auch in Schwielowsee. Hier ist nur noch ein Sicherheitspartner übrig geblieben. Der 58-jährige Bezirksbetriebsleiter der Deutschen Bahn will wie berichtet in Ferch und neuerdings auch in Caputh auf Streife gehen. Zusammen mit weiteren Freiwilligen hatte Frank Krahnert vor Jahren eine Einbruchserie in Ferch beendet. Krahnert sucht jetzt nach neuen Mitstreitern. Nicht nur in Schwielowsee sind die schwer zu finden – auch in den EinbruchHochburgen wie Kleinmachnow, Stahnsdorf und Wilhelmshorst gibt es immer weniger Patrouillen. Eva Schmid

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