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  • 05.11.2015
  • von Henry Klix

Fresdorfer Heide: Deponie im Landschaftsschutzgebiet

von Henry Klix

Kiesgrube Fresdforfer Heide. Hier soll künftig Bauschutt gelagert werden. Foto: BZR

In der Kiesgrube Fresdorfer Heide soll künftig Bauschutt gelagert werden. Die Grünen kritisieren die Pläne, Freitag laden sie zu einem Info-Abend ein.

Michendorf - In der Fresdorfer Heide soll Brandenburgs zweitgrößte Bauschuttdeponie entstehen. Am Standort ihres Kiessandtagebaus im Wald zwischen Wildenbruch und Tremsdorf plant die Bauzuschlagstoffe und Recycling GmbH aus Michendorf (BZR), in den nächsten 30 Jahren jährlich 180 000 Kubikmeter Bauschutt zu deponieren. BZR-Geschäftsführer Dietmar Buchholz bestätigte am Mittwoch gegenüber den PNN die Pläne, die in der Gemeinde derzeit für Unruhe sorgen. Am morgigen Freitag wird nach Wildenbruch vom Ortsbeirat und von den Grünen zu einer Informationsveranstaltung zu dem Thema eingeladen.

Die Grünen kritisieren, dass die Kiesgrube laut Rahmenbetriebsplan der BZR an sich nur bis 2019 bestehen sollte. Der Rahmenbetriebsplan sei 1996 mit den kommunalen Entscheidungsträgern abgestimmt worden. „Nach 2019 sollte der Tagebau vollständig renaturiert werden“, so Grünen-Gemeindevertreter Volker Wiedersberg. „Davon ist jetzt plötzlich keine Rede mehr.“ Wiedersberg geht davon aus, dass sich die Michendorfer Gemeindevertreter noch intensiv mit dem Thema befassen werden müssen. Aus dem Flächennutzungsplan ließe sich ein Deponiebau an dem Standort nicht ableiten.

In Vorbesprechungen hat sich die Gemeinde bereits gegen die 32 Hektar große Deponie ausgesprochen. Grünen-Politikerin Elisabeth Schroedter begrüßt das klare Statement. Sie befürchtet Gefahren für das nahe Tremsdorfer Trinkwasserwerk und für den Umweltschutz. Der Tagebau befinde sich im Landschaftsschutzgebiet Nuthetal-Beelitzer Sander und in nächster Nähe zum Europäischen Flora-Fauna-Habitat „Nuthe-Nieplitz-Niederung“.

Der vom BZR-Standort ausgehende Lkw-Verkehr, der schon in jüngster Zeit zugenommen habe, werde weiter wachsen. „Die BZR selbst spricht von 160 zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag“, warnt Schroedter. Mit dem Antrag zur Deponie seien auch Pläne zur Erweiterung des Kiessandtagebaus verbunden. Die Grünen haben Akteneinsicht genommen und sind auf die Vorbereitung von zwei entsprechenden Planfeststellungsverfahren gestoßen.

BZR-Geschäftsführer Buchholz bestätigte Vorbesprechungen beim Landesbergamt und beim Landesumweltamt. Im kommenden Jahr wolle er den Start der beiden Planfeststellungsverfahren beantragen. Gutachten, mit denen Gefahren für Natur und Trinkwasserschutz abgeklärt werden sollen, seien gerade fertig.

Noch vor einem Jahr hatte Buchholz in den PNN erklärt, dass lediglich eine Erweiterung des Tagebaus geplant sei, um mit den Sanden die Mülldeponie der Stadtentsorgung Potsdam, deren Renaturierung seit zehn Jahren läuft, abzudecken. Sie befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kiesgrube. Jetzt sagte Buchholz, dass im Zuge dieser Tagebauerweiterung auch eine Nachnutzung geklärt werden müsse. So sei die Bauschuttdeponie ins Spiel gekommen. „Eine Renaturierung in großem Stil war nie vorgesehen, eher eine Überlassung der Natur“, widersprach er der Darstellung der Grünen. Auch von einem  Betriebsende 2019 sei nie die Rede gewesen.

In Brandenburg gebe es einen wachsenden Bedarf zur Deponierung von mineralischem Bauschutt der Klasse 1. Diese nur leicht kontaminierten Baustoffe, zum Beispiel Fliesen mit Kleberresten, dürften künftig nicht mehr recycelt werden. „Solche ungefährlichen Stoffe sollten künftig in der Fresdorfer Heide deponiert werden“, sagte Buchholz. Damit verbunden seien hohe Auflagen und strenge Kontrollen durch die Behörden. Bevor der Bauschutt kommt, müsste ein zweistelliger Millionenbetrag, unter anderem in eine zwei Meter dicke Basisschicht, investiert werden. Das Sickerwasser werde abgefangen und in Becken gesammelt.

Buchholz sieht sogar Vorteile für den Umweltschutz: „Ohne eine Entsorgung in der Region steigen Transportwege und dadurch auch die CO2-Emissionen“, argumentiert er. Die Oberfläche der Deponie werde später der Natur angepasst und könne für ein Solarkraftwerk genutzt werden. Außerdem könnten zu den bestehenden 30 weitere Arbeitsplätze bei der BZR geschaffen werden.

Tatsächlich wird in einem Gutachten, dass das Berliner Umweltbüro UEC für das brandenburgische Landesumweltamt erstellt hat, gewarnt, dass die Kapazitäten der landesweit vier für leicht kontaminierten Bauschutt bestehenden Deponien bis 2018 erschöpft sein werden. Neben der Fresdorfer Heide gibt es aber sieben weitere Standorte in Brandenburg, an denen aktuell neue Deponien geplant sind. Mit ihnen, so die Gutachter, ließe sich der Bedarf mindestens bis 2025 abdecken. Das Büro empfiehlt eine „zügige Planung und Genehmigung“ der neuen Vorhaben.

Mit einem Volumen von fünf Millionen Kubikmetern wäre Fresdorf nach Schöneiche mit sechs Millionen die zweitgrößte der neuen Bauschuttdeponien. Die vier alten Deponien haben bei weitem nicht mehr diese Kapazitäten, am meisten Platz ist mit einer Million Kubikmetern noch in der Deetzer Deponie. Henry Klix

Infoabend für Bürger am 6. November um 19 Uhr im Bürgerhaus Wildenbruch, Kunersdorfer Straße 5

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