• 01.09.2010

Berlin: Die Grünen vor der SPD: Neue Gefühle

Das wird Sozialdemokraten richtig wehtun. Die Grünen liegen in Berlin erstmals in der Wählergunst vor der SPD – der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit kann sich schon mal einfühlen, wie es in einer grün-roten Koalition so zugeht, und er nur noch als Finanzsenator … Nun, ganz so weit ist es nicht.

Gewählt wird in der Hauptstadt erst im Herbst 2011. Doch je länger Renate Künast darüber schweigt, ob sie als Spitzenkandidatin gegen Wowereit antritt, umso erfolgreicher ist ihre Partei, das kann man aus den stetig steigenden Kursen ablesen. Schon 27 Prozent – mehr als doppelt so viel wie bei der letzten Wahl. Mag sein, dass mit den Umfragewerten auch die Angst der Grünen vor sich selbst wächst. Denn politische Initiativen, die einen solchen Höhenflug rechtfertigen, haben sie nicht im Gepäck: Die Partei ist so etwas wie der Scheinriese Herr Tur Tur – je näher man ihm kommt, desto kleiner wird er. Künasts trotzige Ankündigung, ihr wäre als Senatsmitglied nicht bange vor der Befriedung des krawallträchtigen 1. Mai, ist jedenfalls zu wenig, um sie zu wählen.

Die Stärke der Grünen ist auch der Schwäche der anderen Parteien geschuldet – und der Sehnsucht nach Veränderung. Noch hat Wowereit Zeit, um zu kämpfen.gn

  • Erschienen am 01.09.2010 auf Seite 06

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