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  • 09.08.2018
  • von Matthias Meisner

"Flunker-TV" an ARD-Hauptstadtstudio geschmiert: Die AfD freut sich über Farbspray-Attacke

von Matthias Meisner

"Flunker-TV" sprayte ein Schmierer über Nacht an das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. Inzwischen ist der Schriftzug entfernt. Foto: Annette Riedl/dpa

Mit lila Farbe sprayte ein Unbekannter "Flunker-TV" an das ARD-Hauptstadtstudio. Die AfD, sonst empört über Attacken gegen ihre Büros, findet das prima.

Die AfD empört sich regelmäßig, wenn ihre Parteibüros beschmiert oder auf andere Weise verunziert werden. Zuletzt beispielsweise in Sachsen, wo Ende Mai das Dresdner Büro des Landesvorsitzenden Jörg Urban mit roter Farbe beschmiert wurde. "Nicht nur ganz Berlin hasst die AfD", sprayte ein Unbekannter an die Fassade. Urban wetterte, es habe sich um einen "feigen, linksextremistischen Anschlag" gehandelt. Sein Fraktionskollege André Wendt forderte, den sächsischen Innenminister Roland Wöller (CDU) auf, "endlich alle linksextremistischen Biotope in Sachsen trockenzulegen und mit drastischen Strafen gegen diese Demokratiefeinde vorzugehen".

Diese Woche nun lief es umgekehrt: Ein oder mehrere Unbekannte sprayten mit lila Farbe "Flunker-TV" an die Fassade des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin. In Kreisen der AfD gab es unverhohlene Freude über die Schmiererei. Sie scheint gut in den Kram der Partei zu passen, die die öffentlich-rechtlichen Programme regelmäßig scharf als "GEZ-Medien" attackiert und deren Vertreter auch schon von Parteitagen und anderen AfD-Veranstaltungen ausgeschlossen hat.

Ende 2016 hatte der AfD-Bundesvorstand eine Medienstrategie verabschiedet, in der es unter anderem hieß, AfD-Politiker würden nur in die Talkshows des Fernsehens eingeladen, um die Partei zu desavouieren und vorzuführen.

Als einer der ersten verbreitete Christian Lüth, Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, am Mittwoch früh auf Twitter ein Foto der Schmiererei am Hauptstadtstudio, dazu einen Smiley mit hochgezogener Augenbraue. Der rechtspopulistische Blogger David Berger, Mitglied im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, schrieb in seinem Blog zu der Aktion: "Was juristisch abzulehnen ist, ist psychologisch aber doch irgendwie erklärbar." Der Staatsfunk sei "immer mehr zu einer Dauerpropagandasendung für das System Merkel" verkommen.

Am Donnerstag ging auch Stefan Möller, Landesvorsitzender der AfD in Thüringen, auf den Vorgang ein. Er twitterte ironisch: "Diese Aktion muss ich kritisieren. Unter anderem auch, weil unangemessen verniedlichend klingt ..." Möller ist enger Vertrauter des extrem rechten AfD-Politikers Björn Höcke, der Landes- und Fraktionschef in Thüringen ist.

Dagegen kommentierte der sächsische CDU-Politiker Marco Wanderwitz, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, auf Twitter: "Wen wundert‘s. Nazis sind Feinde von Demokratie und Rechtsstaat. Immer gewesen."

Der Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) erstattete Anzeige gegen den oder die Schmierer, wie Unternehmenssprecher Justus Demmer am Donnerstag dem Tagesspiegel sagte: "Wir haben immer mal wieder Sprayer oder ähnliches am Hauptstadtstudio - dann machen wir sauber, erstatten gegebenenfalls Anzeige und gehen wieder ans Tagwerk." Genau so sei es in diesem Fall gewesen. Ermittelt wurden die Täter bisher nicht. Die Aufschrift am Hauptstadtstudio war am Donnerstag wieder entfernt.

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