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  • 09.08.2018
  • von Kurt Sagatz

USK: Neue Regeln für Computerspiele: Im Einzelfall auch mit Hakenkreuz

von Kurt Sagatz

Im Strategie-Spiel "Through the Darkest of Times" kämpft der Spieler als Mitglied des Widerstands gegen Nazis. Dennoch durften in dem Spiel bislang keine Hakenkreuze gezeigt werden. Screenshot: Promo

Gleiche Regeln wie bei Filmen: Die USK darf künftig auch Computerspiele mit verfassungsfeindlichen Symbolen berücksichtigen - falls dies der Kunst oder der Darstellung historischer Vorgänge dient.

Der Verband der deutschen Games-Branche, Game, sieht Computerspiele nach einer neuen Regelung zur Selbstkontrolle voll und ganz als Kulturmedium anerkannt. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) darf demnach ab sofort auch Computer- und Videospiele berücksichtigen, die Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen enthalten. Der Verband begrüßte am Donnerstag in Berlin die Neuregelung. „Die veränderte Rechtsauffassung ist ein wichtiger Schritt für das Kulturmedium Games in Deutschland. Wir haben uns lange dafür eingesetzt, dass Games endlich gleichberechtigt und ohne Ausnahmen am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen können. Nachdem Computer- und Videospiele bereits seit vielen Jahren als Kulturmedium anerkannt sind, wird durch die jetzige Entscheidung die Anerkennung auch in diesem Bereich konsequent vollzogen“, sagt Felix Falk, game-Geschäftsführer. Der Verband könne sich nun ausnahmslos am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen.

Seine Branche sehe mit Sorge Tendenzen zu Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung. Viele Spiele von engagierten Spieleentwicklern behandelten schwierige Themen wie die NS-Zeit und gingen damit sehr verantwortungsvoll, kritisch und zum Nachdenken anregend um, sagte Falk. Games trügen durch ihre Interaktivität auf einzigartige Weise zur Reflexion und Auseinandersetzung bei und erreichten die junge Generation wie kein anderes Medium. Bislang mussten internationale Spiele mit Symbolen wie zum Beispiel Hakenkreuzen für den deutschen Markt umgearbeitet werden. Beispiele sind der Shooter "Wolfenstein II" oder "Call of Duty: World War II". Aber auch Titel wie "Through the Darkest of Times", in dem der Spieler als Mitglied der Resistance gegen den Nationalsozialismus kämpft, waren davon betroffen.

„Durch die Änderung der Rechtsauffassung können Spiele, die das Zeitgeschehen kritisch aufarbeiten, erstmals mit einem USK-Alterskennzeichen versehen werden. Dies ist bei Filmen schon lange der Fall und auch im Hinblick auf die Kunstfreiheit richtigerweise jetzt auch bei Computer- und Videospielen. Die Gremien der USK werden auch diese Aufgabe mit großer Sorgfalt, Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein wahrnehmen“, begrüßt USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker die Neuregelung. "Das Zusammenwachsen der Mediensysteme macht es erforderlich, dass der Jugendmedienschutz nach vergleichbaren Regeln gewährleistet wird. Es ist eine richtige Entscheidung, dass die USK nun auch solche Inhalte in der Prüfung berücksichtigen kann, bei denen im Einzelfall die Sozialadäquanz abzuwägen ist", ergänzt Wolfgang Hußmann als Vorsitzender des Beirats der USK und Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz

Entscheidend ist die Sozialadäquanz

Nach der neuen Regelung entscheiden die USK-Gremien künftig in Einzelfallprüfungen über die sogenannte Sozialadäquanz, wenn Spiele-Titel mit Symbolen verfassungswidriger Organisationen zur Altersfreigabe eingereicht werden. Nach der Sozialadäquanz-Klausel des Strafgesetzbuchs können solche Symbole im Einzelfall der Kunst, der Wissenschaft und der Darstellung von (zeit-)historischen Vorgängen dienen.

Bisher konnte diese Prüfung - anders als bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) - bei Computer- und Videospielen nicht vorgenommen werden. Hintergrund der Änderung ist, dass die Oberste Landesjugendbehörde Nordrhein-Westfalens, die federführend für die 16 Bundesländer arbeitet, zu einer neuen Rechtsaufassung gekommen ist. Der Verband hatte sich seit langem für die Gleichberechtigung von Games mit anderen Mediengattungen eingesetzt. mit epd

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