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EURO 2012

  • 14.06.2018
  • von Markus Ehrenberg, Kurt Sagatz

Livestream, Apps und TV: So werden die Spiele der Fußball-WM 2018 übertragen

von Markus Ehrenberg, Kurt Sagatz

Von wegen Couch-Potato. Immer mehr Menschen nutzen zum Fußballgucken ihre Smartphones, Tablets etc. als mobile TV-Empfangsmöglichkeiten. Foto: dpa

Smartes Fußball-TV, europaweit, zu Hause oder mobil: Wo und wie sich das deutsche Fernsehen überall gucken lässt – und wo nicht. Ein Überblick.

Im Grunde ist das ja ein Unding: Im Juni, Juli, zu einer Zeit, in der jedermann nach draußen oder in den Urlaub will, alles eben, bloß nicht drinnen auf dem Sofa hocken und Fernsehen gucken – da steht das größte TV-Sportereignis des Jahres an. Fußball-Weltmeisterschaft. Für die Spiele ab Donnerstag in Russland braucht es aber gar kein Sofa, Satelliten- oder Kabelempfang. Und auch kein Public Viewing.

Immer mehr Menschen nutzen zum Fußballgucken ihre Smartphones, Tablets etc. als mobile Empfangsmöglichkeiten, auch mittels TV-Live-Streaminganbietern wie Zattoo, Magine, TV Spielfilm live oder Waipu. In einem Punkt haben diese sogar einen Mehrwert gegenüber den „normalen“ öffentlich-rechtlichen TV-Portalen, den Mediatheken von ARD und ZDF, Stichwort Geo-Blocking. Denn nicht überall in Europa kann man WM-mäßig alles sehen.

Es sei denn, man bezahlt etwas. Auf Zattoo oder auch Magine TV lassen sich EU-weit, ohne Einschränkungen und in HD-Format, via Handy, Tablet, Laptop alle 64 WM-Spiele live sehen, wie sie ARD und ZDF hierzulande in den nächsten gut fünf Wochen übertragen werden. Die Anbieter gehen dafür von einer größeren Nachfrage zur Fußball-WM aus. Seit dem 1. April wird dieser Service ohne Einschränkungen auch im EU-Ausland angeboten, allerdings nicht im Free-TV-Paket: Wer in Deutschland wohnt und ein monatlich kündbares Bezahlabo abschließt (Magine TV für zehn Euro; Zattoo und Waipu für 9,99 Euro), kann die Spiele der Fußball WM 2018, die ARD und ZDF übertragen, also auch im Urlaub live miterleben.

Schnupper-Abos zur WM

Marktführer Zattoo bietet darüber hinaus bis zum letzten Tag der Fußball-WM am 15. Juli ein Extra-Schnupper-Abo für die Hälfte des normalen Abo-Preises, für fünf Euro, an, bei unveränderten Kündigungsmöglichkeiten. Der Rabatt gilt für zwei Monate, danach wieder der reguläre Monatspreis. Das dürfte ein paar Fußballfans mehr auf den Plan rufen als die rund 700.000 Nutzer in Deutschland, die sich im Monat mindestens einmal bei Zattoo eingeloggt haben. Zur Fußball-WM rechne der Dienst mit einer Million Nutzer, sagt Zattoo-Manager Jörg Meyer.

Was den technischen Aspekt, den Komfort, die Stabilität der Übertragungen betrifft, wollen die Anbieter als vollwertige Alternative zu herkömmlichen TV-Empfangswegen wahrgenommen werden. Waipu TV verspricht seinen Kunden sogar das „schnellste Tor zur WM“. Der Betreiber hat eine Technologie über ein eigenes Glasfasernetz entwickelt, mit der Streaming erstmals schneller sein soll als ein Kabelanschluss.

Obwohl Stiftung Warentest im Mai erst die Vorteile von TV-Streaming im Vergleich zu Kabel oder Satellit festgestellt hat (flexibler Aufenthaltsort dank mobiler Nutzung, kurze Laufzeit der Verträge, Nutzung auf diversen Geräten im Haushalt) – bei vielen älteren Zuschauern dürften die Namen Zattoo, Magine oder Waipu allerdings noch eher ein Achselzucken hervorrufen.

Anders ARD und ZDF. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender zeigen die WM-Spiele im täglichen Wechsel auch online über ihre Mediatheken, jedenfalls in Deutschland. Beispiel ZDF: Parallel zum Livestream kann der User sogar auf den „Taktik-Blick“, die „Coach-Cam“ und die „Spider-Cam“ zugreifen. Die Mediathek gibt es für stationäre Computer und Laptops oder als App für Smartphone oder Tablet.

Die Spiele mit deutscher Beteiligung sowie das Eröffnungsspiel, das Halbfinale und das Finale bleiben für 24 Stunden als Replay in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken. Die übrigen Videoinhalte, also auch die Halbzeiten und die Zusammenfassung, stehen dort bis Ende Januar 2019 zum Abruf. Das gilt gleichermaßen für das ZDF wie die ARD mit ihren Mediatheken „Das Erste“ und die ARD-Mediathek.

Für die Live-Übertragungen und die Replays gibt es allerdings ein Geoblocking. Diese Angebote können – eben anders als bei den Live-TV-Streamingdiensten mit ihren kostenpflichtigen Premiumabos – ausschließlich aus Deutschland abgerufen werden. Die Lizenzrechte sind territorial begrenzt, per Geoblocking werden so Abrufe von Nutzern außerhalb Deutschlands blockiert, erläutert die ARD. „Auch Downloads der Videos sind vertraglich vom Weltfußballverband Fifa aus nicht erlaubt“, nennt der Sender eine weitere Einschränkung.

Preiswerte Alternative DVB-T2

Das Internet ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, die Fußball-WM losgelöst von TV-Kabel und heimischer Satellitenschüssel am Fernseher zu erleben. Da die WM von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen wird, bietet sich das digitale Antennenfernsehen DVB-T2 als verhältnismäßig unkomplizierte und zudem preiswerte Möglichkeit an, die Spiele nicht nur daheim, sondern zum Beispiel auch in der Datsche anzusehen. Mit dem Wechsel von der ersten DVB-T-Version zu DVB-T2 wurde die Übertragung auf das bessere HD-Format umgestellt.

Übertragen wird sogar in bester Full-HD-Norm, das kommt Sportübertragungen entgegen. Mit DVB-T2 muss für den Empfang der Privatsender gezahlt werden. Da die WM jedoch bei ARD und ZDF läuft, spielt das keine Rolle. Wer nur die öffentlich-rechtlichen Programme via Antenne sehen will, braucht weder einen Freenet-Dekoder noch ein Freenet-Abo. Um die WM via DVB-T2 auf dem Laptop zu schauen, benötigt man einen entsprechenden USB-Stick. Auch hier gilt: Wer gleichermaßen die privaten wie die öffentlich-rechtlichen Programme sehen will, benötigt einen Stick mit Freenet-Eignung, wer nur die Programme von ARD und ZDF einschalten will, kommt auch mit preiswerteren Sticks zurecht.

In Berlin steht das digitale Antennenfernsehen flächendeckend zur Verfügung. Mitunter wird jedoch eine aktive Antenne mit eingebautem Verstärker benötigt, um die Programme störungsfrei zu empfangen. In Brandenburg ist die Lage komplizierter. Die nördlichen Teile von Prignitz, Oberhavel und Uckermark werden nicht von DVB-T2 abgedeckt.

Noch komplizierter wird es im Süden von Brandenburg: Im südlichen Oderland werden zwar ARD und ZDF per Antenne ausgestrahlt, nicht aber die Privatprogramme. Ganz im Süden von Brandenburg zwischen Elbe-Elster und Spree-Neiße steht die Empfangsart DVB-T2 gar nicht zur Verfügung. Wer hier zudem Probleme mit der Internetversorgung hat, benötigt für sein WM-Viewing in der Datsche eine Satellitenschüssel. Oder eben doch einen Live-TV-Streamingdienst wie Zattoo, wegen der dicken Datenverbindung möglichst mit starkem Provider und Internet-Flatrate.

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