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  • 17.05.2018
  • von Nikolaus von Festenberg

ARD-Komödie mit Margarita Broich: Können Tomaten erzählen?

von Nikolaus von Festenberg

Gourmet-Krieg. Heidi (Margarita Broich) und ihre Tochter Toni (Diana Amft) sind mal wieder nicht einer Meinung. Foto: ARD Degeto/Martin Rottenkolber

Wieso Kochen im Fernsehen nicht totzukriegen ist: Die herzhafte ARD-Komödie "Meine Mutter ist unmöglich" würzt noch Ironie dazu.

Fernsehdeutschland köchelt, dass es nur so röchelt. Vom frühen Vormittag an quirlen die Schneebesen, wird es gourmesisch („Marmorierung“ „Nussigeit“, Oh Hefe, du Empfindliche), gucken professionelle Besserwisser in die Töpfe schwitzender Laien, schmatzen Juroren aus Wettbewerbstellern irgendwelche Sieger heraus und spalten das Land in gute Töpfe und arme Tröpfe. Status kommt da von Salatus, Rang von Rübe. Al dente macht die Plomben wackelig, aber das Gekochte hipper. Ein dreifach Hmm auf die Kochmoderne und der Hausmannskost eins auf die Einbrenne. Stoffe wie der wunderbare Wahnsinn auf dem Ceranfeld liegen bereit, das TV-Movie braucht nur zuzulangen und Ironie kann brutzeln.

Im Film „Meine Mutter ist unmöglich“ wird zunächst die Erwartung auf eine Satire geweckt, wenn der Spitzenkoch Rufus van Berg (Stephan Luca) eine Hilfskraft mit dunklem Götterwort schilt: Welche neue Geschichte erzählt mir deine Tomate? Du kannst es besser. Und schon eilt die Gescholtene diensteifrig davon, um unter dem Rot der Frucht das Tomatennarrativ zu finden.

Ja, das Buch (Routinier Christian Pfannenschmidt, „girl friends“) und Regisseur (Jurij Neumann, „Bettys Diagnose“) stellen die Plotterie richtig humorverheißend auf den Handlungsherd. Dem schönen Rufus absolutus stellt der Film Antonia (Diana Amft, Grimmepreis für „Doctor's Diary“) und deren Mutter Adelheid (Margarita Broich, „Teufelsbraten“) gegenüber. Echte Verkörperungen von Eifelfrauen.

Wie gesiedet aus den Wassern der Vulkaneifel, explosiv, wenn es sein muss, sonst durch Rechtschaffenheit geprägt und kulinarisch unerbittlich gefeit gegen Experimente. In ihrer „Kupferkanne“ der Klientel der Fernfahrer verpflichtet. Voller Verachtung für alles Schicki-Mickihafte. Ein lebendes Mahnmal für die Würde des Eintopfs und die Ewigkeit der Fritten.

Das Versehen ist nicht mehr richtig zu korrigieren

Eine Verwechslung in einem Restaurantführer führt dazu, dass sich Rufus, der in Köln mit Blick auf den Dom Spitzengastronomie zelebriert, und die eifelländische Adelheid/Antonia-Jausenstation in die Quere kommen. Beide Lokalitäten heißen „Kupferkanne“, was eine Revolution am Gourmet-Sternenhimmel auslöst. Rufus ist seinen Stern los, Mutter und Tochter bekommen ihn nichts ahnend.

Das Versehen ist nicht mehr richtig zu korrigieren. Marxens Lehre über den Warenfetischismus, hinter dem der Gebrauchswert weggezaubert wird, erfüllt sich. Der betuchte Gast, das flüchtige Wesen, folgt lieber dem Zauber der gedruckten Sterne als dem Geschmack. Rufus’ Gäste lassen sich unter dem nun gestirnten Himmel der eifelländischen Frittenwelt nieder und ächzen, halbwegs glücklich, unter den Riesenportionen. Rufus, der Küchen-Hamlet, verliert Gäste, gräbt sich immer tiefer in die Hochkunst des Kochens ein. Die Geduld seines Gläubigers schwindet.

Eifelmutter Adelheid könnte durchaus noch länger unter dem falschen Sternenhimmel leben (es rechnet sich), aber Tochter Antonia nicht. Sie folgt dem moralischen Gesetz in sich: kein Leben im Falschen. Aufgebracht stattet sie zusammen mit Rufus dem irrenden Fressführerverlag vergeblich einen Besuch ab.

Und ach, zwischen den Kupferkannen- Sternekriegern macht sich ein Gefühl breit, das den Magen nicht mehr braucht und sich gemäß den sattsam bekannten Gesetzen des TV-Techtelmechtels über die Geschichte legt. Tschö, treffliche Gelegenheit für einen Diskurs über modernen Kochwahn, tschö Ironie, tschö, du ewig rätselhafte Tomate.

Die Liebesgeschichte macht alles süß und trivial. Der Küchenhamlet und die Küchenfee treffen sich – nach einigen Strecken der Bockigkeit – in einer lauen Happy-End-Mitte, wo alle Raffinessen nach Eintopf schmecken, und Antonia den Satz sagt, dass Rufus für immer der wahre Stern für sie sei. Herr Ober, einen Grappa bitte.

„Meine Mutter ist unmöglich“, Freitag, ARD, 20 Uhr 15

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