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  • 14.05.2018
  • von Thomas Gehringer

Neue ARD-Serie "Falk": Bunte Socken, bunter Hund

von Thomas Gehringer

Sein oder Nichtsein. Ausgerechnet die Schildkröte soll Anwalt Falk (Fritz Karl) beraten. Was sie aber nicht tut. Sie wird ihre Gründe haben. Foto: ARD/Kai Schulz

Fritz Karl spielt die Titelrolle in der neuen ARD-Anwaltsserie „Falk“. Die Fälle sind ungewöhnlich, aber nicht allzu komplex

Falk ist pleite. Er musste sein geliebtes Restaurant aufgeben, für das er den ungeliebten Beruf des Anwalts an den Nagel gehängt hatte. Nun lebt er zusammen mit seiner Schildkröte in einer Pension, aber seinem Selbstbewusstsein hat der soziale Abstieg auf den ersten Blick nicht geschadet. Der vielseitige Österreicher Fritz Karl spielt diese neue ARD-Serienfigur, die in Düsseldorf angesiedelt ist und etwas altmodisch Dandyhaftes hat, mit einer Spur Melancholie und jeder Menge Arroganz.

Falk fürchtet die frühe Demenz, an der sein Vater verstarb, und rennt deshalb täglich zu seiner Ärztin. Er gibt den mürrischen Misanthropen („Ich kann nicht mit Menschen und mit Mandanten schon gar nicht“), erweist sich aber als kluger Menschenkenner, der auch gewissenhaft aufs Äußere achtet. Wobei die Anzughose extremes Hochwasser hat, damit die bunten Socken besser zur Geltung kommen. Unkonventionelle Charaktere müssen halt im deutschen Fernsehen, jedenfalls auf dem populären Serienplatz am Dienstagabend im Ersten, leicht zu erkennen sein.

In Rückblenden wird gar die Erwartung geweckt, dass da ein rechter Krawallbruder in die Düsseldorfer Gerichtssäle zurückkehrt. Einer, der Katzen anzünden will und Immobilienhaie vermöbelt. Tatsächlich wählt Falk eher die feine Klinge. Seine Geliebte wird ihm in Folge fünf treffend „einen charmanten Sprung in der Schüssel“ attestieren.

Sechs Folgen hat die ARD vorerst bestellt, sechs Folgen, die mindestens ebenso häufig in den Räumen der Kanzlei Offergeld & Partner wie in Falks ehemaligem Restaurant spielen, das nicht ganz zufällig Kanzleigründer Richard Offergeld (Peter Prager) gekauft hat. Seiner Tochter Sophie (Mira Bartuschek) traut er die Leitung der Kanzlei noch nicht zu, deshalb bittet er Falk in der ersten Folge („Saubere Wäsche“) um Rückkehr – mit der Aussicht, dass er nach einiger Zeit sein Restaurant zurückbekommt.

Diverses Zwischenmenschliches

„Falk“ ist also weder eine reine Anwalts- noch Kochserie, es geht auch weniger um Paragrafen und Rezepte, sondern um Zwischenmenschliches in diversen Schattierungen. Die Fälle sind ungewöhnlich, aber nicht allzu komplex, denn das von Peter Güde („Mord mit Aussicht“, „Jürgen – Heute wird gelebt“) geschriebene Drehbuch erzählt übergreifend von Falk und all den anderen Figuren in seinem Umfeld. Natürlich geht es auch um Liebe und um den Kampf gegen das Alleinsein. Darum, wie sich Männer und Frauen begegnen, verstehen und missverstehen, mit- und ineinander verheddern. Unter der lustigen (oder zumindest lustig gemeinten) Oberfläche mit manch scharfzüngigen Dialogen gibt es tatsächlich ruhige, ernste, kluge Momente.

Was bei „Mord mit Aussicht“ mit seinem starken Ensemble gelungen ist, scheint hier jedoch weniger geglückt. Neben Falk im Zentrum gibt es nur wenige interessante Nebenfiguren. Schablonenhaft und leicht durchschaubar muss Mira Bartuschek die Sophie als komplettes Gegenbild von Falk geben: streng, ehrgeizig, superkorrekt, humorlos. Sophie ist eine Frau, die garantiert das Gegenteil meint, wenn sie sagt: „Ich bin entspannt“, von ihrem Mann verlassen wurde und Falk, obwohl sie beständig ihre Abneigung betont, in Folge vier natürlich trotzdem küsst. Als Ausgleich wird Falk eine unkonventionelle Assistentin zur Seite gestellt, der man tatsächlich den Namen Trulla (Alessija Lause) verpasst hat. Aber zum Glück gibt es da noch Sabine (Marie-Lou Sellem), eine weibliche Nebenrolle auf Augenhöhe mit Falk. Und Sophies 18-jährige Tochter Marie (Sinje Irslinger), die in einen 20 Jahre älteren Bartender verliebt ist und ausnahmsweise nicht das Klischee eines zickigen Teenagers bedient.

Aber die Männerrollen sind auch nicht ohne: Die unterste Position in der Kanzlei hat der staubtrockene Bitz (Moritz Führmann) inne, der sich gerne mit Sophie gegen Falk verbünden würde, aber leider von niemandem ernst genommen wird. Außerdem haben Produktion (Bavaria) und der federführende WDR die vierte Episode mit Gaststars wie Roberto Blanco und Martin Semmelrogge besetzt, was einen nicht sonderlich innovativen Klamauk erwarten lässt.

Die Auftaktfolge handelt übrigens von einem Ministerpräsidenten (Arved Birnbaum), der gerne Reizwäsche trägt. Wenn er am Rednerpult steht, zupft er nervös an den Gummibändern unter seiner Anzughose. Ein Anonymus hat ihm Beweisfotos zugeschickt, ohne Forderungen zu erheben. Falk soll der Sache diskret auf den Grund gehen und nimmt erst einmal einen kräftigen Schluck aus dem Aquarium des Ministerpräsidenten. Warum, das muss man nicht zwingend verstehen.

„Falk“, ARD, Dienstag, 20 Uhr 15

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