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  • 13.05.2018
  • von Marlis Prinzing

Media-Lab: Dagegenhalten, nicht nur löschen!

von Marlis Prinzing

Gerade auch auf Facebook findet sich Hate Speech. Foto: AFP

Löschen, weggucken oder ignorieren reicht nicht gegen extrem aggressive, verletzende, abwertende Kommunikation. Wir müssen Kante zeigen und vor allen Dingen aber Hebel finden, damit möglichst viele auch bereit sind, dagegenzuhalten.    

Unterlassene Hilfeleistung wird in der analogen Welt bestraft. In der digitalen hingegen nimmt man dies massenhaft hin. Viele sehen zu, wenn andere verbal getreten und gequält werden. Wirksame Gegenstrategien können wir aber erst dann entwickeln, wenn uns die Kommunikationslogik sozialer Medien klar ist. Die Forscher Konrad Lischka und Christian Stöcker bringen sie auf den Punkt: Die Plattformen der Tech-Intermediäre Facebook, Twitter oder Google setzen aufs Impulsive, auf die schnelle Reaktion, also aufs Gefühl. Über den Bauch angesprochen, klicken, sharen, liken wir weit schneller, als über den Kopf, also wenn wir erst nachdenken.

Je schneller wir reagieren, desto eher liefern wir das, worauf es den Tech-Intermediären ankommt: Nutzerdaten, aus denen sie Erlöse erzielen. Auf diese Auswahllogik hin optimieren diese Unternehmen ihre Algorithmen. Ähnlich ticken insbesondere populistische Politiker, zeigt Paul-Jasper Dittrich: Ihre zugespitzte Rhetorik zielt auf die Gefühle der Nutzer, damit die das liefern, worauf es ihnen ankommt: rasche, breite Aufmerksamkeit.

Aber noch ein Merkmal ist typisch für soziale Medien: das Soziale, das Gefüge an Beziehungen und Netzen. Nutzer teilen gerne Inhalte, die in das Bild passen, das sie von sich zeigen wollen. Sie fühlen sich belohnt, wenn sie sich anerkannt und unter Gleichgesinnten fühlen. Folglich sind Anerkennungs-Strategien überfällig: Wer jenen hilft, die extrem angepöbelt werden, sollte nicht die eigene Ausgrenzung fürchten müssen, sondern auf breites Lob für diesen Beistand zählen dürfen.

Diana Rieger und Hanna Gleiß zeigten in ihrem Vortrag bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft am Freitag, wie Beistand geht, welche Netzwerke es gibt und warum bei vermuteten Straftatbeständen Meldestellen angerufen werden sollten. Ihr Fazit: Gegenrede ist nötig, löschen und ignorieren ist zu wenig.

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