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  • 14.02.2018
  • von Manfred Riepe

Serie "Occupied": Anpassung wird Widerstand

von Manfred Riepe

Kann eine weitere Eskalation verhindert werden? Die norwegische Ministerpräsidentin Anita Rygh (Janne Heltberg) gibt eine Pressekonferenz mit den obersten Militärchefs. Foto: Arte

„Occupied – Die Besatzung“: Zweite Staffel der norwegischen Serie bei Arte. Der prekäre Frieden gerät dabei in Gefahr

Norwegen, von russischen Truppen annektiert? Nun ja, das Land der Elektromobilität wollte im Klimaschutz alleine vorangehen und beschloss auf Anordnung seines grünen Ministerpräsidenten den sofortigen Stopp der gesamten Öl- und Gasförderung. Weil aber die EU von fossilen Brennstoffen aus dem hohen Norden abhängig ist, wurde eine militärische Intervention gebilligt. Russische Truppen marschierten ins Nachbarland ein, um den Ölhahn wieder aufzudrehen. Das ist die Ausgangslage der hochspekulativen, aber sehr unterhaltsamen norwegischen Serie „Occupied – Die Besatzung“, deren zweite Staffel auf Arte ausgestrahlt wird.

Norwegen exportiert bekanntlich nicht nur Öl, sondern vor allem blutige Geschichten über Mord und Totschlag. Mit der Idee zu dieser Mischung aus Dystopie und Politthriller blickt Jo Nesbø, der Bestsellerautor aus Oslo, über das Krimigenre hinaus. Die norwegische Erfahrung der Nazi-Besatzung während des Zweiten Weltkriegs mag bei der Konzeption dieser Serie ebenso eine Rolle gespielt haben wie ein Seitenblick auf die deutsche Energiewende nach Fukushima.

Die zweite Staffel nimmt den Faden 17 Monate nach Beginn der russischen Besatzung wieder auf. Jesper Berg (Henrik Mestad), der grüne Ex-Ministerpräsident, hat sich zum militanten Aktivisten gewandelt, der aus seinem schwedischen Exil heraus Terroranschläge organisiert. Neue Regierungschefin wird seine Assistentin und Geliebte Anita Rygh (Janne Heltberg), eine bodenständige Realo-Politikerin. Ihr Arrangement mit den Besatzern wird von der Zivilbevölkerung zähneknirschend akzeptiert – zumal das Eigentum und die Rechte der Bürger weitgehend unangetastet bleiben. Die Norweger sind nun Umweltsünder wider Willen, profitieren dabei aber auch wirtschaftlich von den russischen Invasoren.

Norweger geraten in russische Gefangenschaft

Der prekäre Frieden gerät in Gefahr, als eine Handvoll norwegischer Soldaten nach einem Scharmützel mit den Besatzern in russische Gefangenschaft gerät. Die Männer – unter ihnen ein afroamerikanischer Flüchtling, der die Grundrechte seiner neuen Heimat verteidigen wollte – gelten in der Bevölkerung als patriotische Helden. Auf Druck der Russen sollen sie jedoch in einem Schauprozess als Terroristen abgeurteilt werden. Um dieser politischen Demütigung entgegenzuwirken, ersinnt die Untergrundorganisation „Fritt Norge“ (Freies Norwegen) einen digitalen Bürgerprotest: gesteuert von einer mobilen App, formieren sich Tausende von Norwegern im ganzen Land zu einem Buchstaben-Flashmob, dessen Schriftzug aus dem Weltraum erkennbar ist.

Visuell ist die Serie also durchaus pfiffig gestaltet. Während auf den Straßen Ruhe und Frieden herrscht, finden Kämpfe vorwiegend in Ego-Shooter-Spielen statt. Allerdings entwirft die Serie ein recht gewagtes Zukunftsszenario, das in einigen Details zu Recht kritisiert wurde. So kann man sich gut vorstellen, dass die Russen über den Stopp der norwegischen Ölförderung nicht wirklich entsetzt wären. Mit dem 2015 erfolgten russischen Einmarsch in die Krim, der mit der ersten Staffel von „Occupied – Die Besatzung“ koinzidierte, hat die Serie unerwartet an politischer Brisanz gewonnen. So manche Verwicklung hätte man etwas mehr zuspitzen können. Wer eine nordische Version von „House of Cards“ erwartet, wird enttäuscht sein. Gehobene Unterhaltung ist „Occupied – Die Besatzung“ allemal.

"Occupied“, Arte, Donnerstag, um 20 Uhr 15

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