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  • 13.02.2018
  • von Thilo Wydra

50 Jahre "Die drei ???": Aus Raum und Zeit gefallene Detektive

von Thilo Wydra

Der Beginn eines grandiosen Erfolgs. 1964 schrieb Robert Arthur den ersten Band der „???“-Krimis, der vier Jahre später auch auf Deutsch erschien. Foto: Franckh-Kosmos Verlag

Alterslos trotz 50 Jahren: „Die drei ???“ begeistern ihre Fans. Das garantiert Millionenauflagen bei Büchern und Hörspielen.

Im Jahr 1968 erschien in der damaligen Franckh’schen Verlagshandlung ein Buch, von dem seinerzeit niemand hat ahnen können, dass es nicht nur der Grundstein für eine der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchreihen aller Zeiten werden soll, sondern auch 50 Jahre später, im Jubiläumsjahr 2018, noch immer gelesen wird und generationenübergreifend Kultstatus genießt.

Die Rede ist von dem Jugendbuch-Klassiker „Die drei ??? und das Gespensterschloß“, den der US-Autor Robert Arthur 1964 verfasste, bevor er vier Jahre später ins Deutsche übertragen wurde. 1969 starb Arthur mit 59 Jahren. Da hatte er zehn „Die drei ???“-Jugendkrimis geschrieben. „The Three Investigators“ hieß die Reihe im Original, und da der zeitweilig in Los Angeles lebende Arthur auch Filmskripte schrieb und für die Fernsehreihe „Alfred Hitchcock Presents“ arbeitete, kannte er den Master of Suspense, Sir Alfred Hitchcock, persönlich.

Hitchcock gab seinen Namen als Schirmherr der Reihe, für das Marketing und als Figur. In den ersten Bänden ist er es, der die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews – „Wir übernehmen jeden Fall!“ – vermittelt, regelmäßig besuchen die Jungs den Regisseur in dessen Büro auf dem Universal Studiogelände. Als Hitchcock im April 1980 starb, wurde nach einigen Jahren wegen des Lizenzablaufs sowohl sein Name auf den Buchcovern als auch die Handlungsfigur entfernt.

Ende in den USA, Erfolg in Deutschland

Nachdem „The Three Insvestigators“ in den USA kein Erfolg mehr beschieden war, wurde die Reihe jenseits des Atlantiks 1990 eingestellt, während das in Stuttgart beheimatete Verlagshaus, das heute den Namen Franckh-Kosmos Verlag trägt, von 1993 an deutsche Autoren beauftragt, die Reihe ab Folge 57 fortzusetzen. „Die drei ??? – Tatort Zirkus“ war der erste deutsche Band – auch das ist 25 Jahre her. Seitdem hat sich ein Pool von zehn bis zwölf Autoren daran gemacht, die Reihe weiterzuführen, immer abwechselnd, von Band zu Band.

Dieses Jahr nun wird neben dem 50-Jährigen der Reihe ein weiteres Jubiläum begangen: Fall 200 wird erscheinen. Angesichts der Jahrestage erschien jüngst ein neues Sachbuch, welches sich dem „???“-Universum auf 256 Seiten lexikalisch ausführlich und detailliert widmet (C. R. Rodenwald: Die Welt der drei Fragezeichen. Riva Verlag, München 2017).

Ist die „Die drei ???“-Buchreihe schon überaus populär und steht in (bundes-)deutschen Jugendzimmern in vielen Regalen, so hat sich die Marke vor bald 40 Jahren medial erweitert. „Die drei ???“ wurden von dem 1965 geschaffenen Hamburger Studio-Label Europa unter Federführung der noch heute dort für alles Kreative verantwortlichen Heikedine Körting und ihres inzwischen verstorbenen Ehemanns, des Europa-Gründers Andreas Beurmann, als Hörspiel umgesetzt. Zunächst wurden 1978/79 sechs Bände vertont, durchaus nicht in der Chronologie der Buchreihe. Man fing im Studio an der Rothenbaumchaussee nicht mit Band 1 an, dem „Gespensterschloß“, sondern legte den auch aus Robert Arthurs Feder stammenden Band „Die drei ??? und der Super-Papagei“ als Hörspielfolge 1 vor. Seither gab und gibt es in diversen Web-Foren und auf Facebookseiten (die offizielle „Die drei ???“-Facebookseite hat rund 183.000 Follower) zahllose Debatten auch darum, welche denn historisch die grundlegende „???“-Folge sei.

Namhafte Schauspieler für die Hörspiele

Für die Hörspiele gelang es Europa von Anbeginn, namhafte Schauspieler aus Film, Funk und Fernsehen für Gastrollen zu gewinnen, einige für durchgehende Rollen: So spricht der große Peter Pasetti in den ersten 64 „???“-Folgen die Figur des Erzählers Hitchcock. Nach Pasettis Tod im Mai 1996 übernahm diese Funktion zunächst Matthias Fuchs als nunmehr namenloser Erzähler, ihm folgte Thomas Fritsch, der den Part mit 82 Folgen bislang am längsten einsprach. „Tatort“-Kommissar Axel Milberg ist seit Kurzem der vierte.

Ein genialischer Horst Frank sprach in den ersten 36 Folgen den Hauptkommissar Reynolds, Volker Brandt kam ebenso mehrfach zum Einsatz wie etwa Wolfgang Völz oder Hans Paetsch, bis hin zu Bastian Pastewka. Bei den Sprecherinnen sind es etwa Gisela Trowe, Marianne Kehlau, Ursela Monn, Judy Winter und gar Amanda Lear. Sie alle machen, zusammen mit den drei Hauptsprechern und der früher noch originären atmosphärischen Musik von Carsten Bohn, die später wegen Rechteproblemen ausgetauscht wurde, den einmaligen Charme aus. Gerade die als „Klassiker“ geltenden ersten 40 Folgen sind Kult pur.

„Die drei ???“ in Zahlen ist eine einzige mediale Erfolgsgeschichte. In den fünf vergangenen Jahrzehnten hat der Franckh-Kosmos Verlag 17,5 Millionen Exemplare der „???“-Reihe verkauft – jährlich werden einmal im Frühjahr sowie einmal im Herbst jeweils drei Novitäten publiziert. Aktuelle Titel sind derzeit der galant erzählte „Die drei ??? – Geheimnis des Bauchredners“ (Autor: André Marx) oder die hübsche Hollywood-Hommage „Die drei ??? – Im Reich der Ungeheuer“ (Autor: Hendrik Buchna). Im Jahr verkaufen sich im Schnitt etwa 900.000 Exemplare der Detektivgeschichten, die Comic-Versionen nicht eingerechnet.

Die Zahlen der über viele Jahre BMG Ariola Miller zugehörigen Hamburger Europa – seit den 2000er Jahren unter dem Dach der Münchner Sony Music Entertainment – nehmen sich noch schwindelerregender aus. „Die drei ???“-Hörspiele haben sich seit ihrem Start vor bald 40 Jahren etwa 47 Millionen Mal verkauft, jede der im Zweimonatsrhythmus erscheinenden Vertonungen knackt früher oder später die 100.000er-Marke, Regisseurin Körting kann auf mehrere Dutzend Goldener wie Platinschallplatten blicken.

Waren es anfangs in den späten 1970ern, frühen 80ern vor allem die legendären, heute unter 40- bis 50-jährigen Middle-Agern und von Nostalgie befallenen Sammlern heiß begehrten und hoch gehandelten Musikkassetten, ebenso Vinyl, so kam später die CD dazu. Heute sind es alle Tonformate, samt MP3-Download und gängigen Streamingdiensten. Limitierte Vinyl- und Musikkassetten-Auflagen gibt es für wehmütige Anachronisten auch.

Zurück in die 80er-Jahre-Kindheit

Die seinerzeit mit den „Drei ???“ aufgewachsenen Hörer mittleren Alters verbinden damit ein Stück behüteter 80er-Jahre-Kindheit: Eintauchen in dieses heimelige Damals. Retro ist wieder in. Zudem verheißen „Die drei ???“ Wiedererkennungserlebnis und Wohlfühlsphäre mit altbekannten, vertrauten Figuren und Stimmen. In unruhigen Zeiten wie diesen fast eine emotionale Verankerung.

Die Hörspiele, stets den Buchpublikationen zeitlich etwas hinterher, werden ebenfalls absehbar die 200. Folge erreichen. Dann sprechen Oliver Rohrbeck im Part des altklugen Ersten Detektivs Justus Jonas, Jens Wawrczeck als sportlicher, jedoch ängstlicher Zweiter Detektiv Peter Shaw, und schließlich Andreas Fröhlich den für Recherchen und Archiv zuständigen belesenen Dritten Bob Andrews seit nunmehr 40 Jahren.

Während die aus Raum und Zeit gefallenen Detektive stets in ihren Schulferien in und um Rocky Beach ermitteln, inzwischen zwar Internet und Handys haben und auch schon ihre eigenen Autos, so sind sie doch von einer ebenso faszinierenden wie unschuldig wirkenden Alterslosigkeit. Vermutlich sind sie noch immer unter 18. Derweil die drei famosen, ja, kongenialen Sprecher – seit vielen Jahren auch im Kino-Synchron tätig –mittlerweile allesamt jenseits der 50.

Es ist abzusehen, dass die Hörspielreihe – die erfolgreichste ihrer Art weltweit – irgendwann ihrem Ende entgegengeht, spätestens, wenn es doch unglaubwürdig erscheinen mag, wenn dann 60-Jährige weiterhin Jung-Detektive einsprechen. Doch bis es so weit ist und dieser für die „???“-Fans tiefschwarze Tag eintreten mag, gilt weiterhin in der geheimen Wohnwagen-Zentrale auf Onkel Titus’ und Tante Mathildas Schrottplatz: „Das ist wirklich wieder ein spezialgelagerter Sonderfall, Kollegen!“

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