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  • 09.02.2018
  • von Ariane Bemmer

Germany's Next Topmodel: Eine Modelshow zur Unzeit

von Ariane Bemmer

Heidi Klum, 44, die "Model-Mama", sucht das nächste Topmodel. Foto: AFP

„Man muss sich doch mal schön machen!“, jubelt eine der Kandidatinnen von Heidi Klum. Ist das nach fast einem halben Jahr Hashtag Metoo noch zeitgemäß? Eine Fernsehkritik.

Nun laufen sie wieder, die Mädels von Heidi Klum, und lassen sich begutachten und bewerten wie Vieh auf der Auktion, als wäre nichts gewesen. Geht so eine Model-Such-Sendung überhaupt noch nach fast einem halben Jahr Hashtag metoo?

Es ist die Zeit hitziger Diskussionen über das Verhältnis Mann und Frau und Sexismus, die Zeit, in der die Manchester Art Gallery zum Zwecke der Auseinandersetzung mit Frauenbildern in der Kunst ein Bild ab- und wieder aufgehängt hat. Und es hätte kaum gewundert, wenn der Sender Pro7 „Germanys Next Topmodel“ aus dem Programm gestrichen hätte. Hat er aber nicht, und für diese Resilienzleistung verdient er Zustimmung. Denn so kann das Publikum selbst entscheiden, ob es wieder hinschauen möchte, wenn sich ab jetzt noch knapp 30 junge Frauen darum reißen, einen Titel zu gewinnen, der nicht hält, was er verspricht.

Inzwischen zum 13. Mal wird die so genannte „Model-Mama“ Heidi Klum mit ihren beiden Co-Juroren und Teamleitern Thomas Hayo und Michael Michalsky einmal wöchentlich am Ende von selbstgebastelten Laufstegen Platz nehmen und unbarmherzig aussortieren. Wie immer wird auch für diese Staffel angekündigt, dass die Regeln ganz anders und härter sein werden, weshalb gleich in der ersten Folge fast die Hälfte der in die Karibik mitgereisten Bewerberinnen wieder rausflog. Ebenfalls wie immer zeichneten sich bereits in der ersten Folge ein paar zwischenmenschliche Dramen zwischen Blonden und Brünetten, Lauten und Leisen, Dürreren oder Fülligeren ab, die über die nächsten Wochen ausufern dürften. Geheult wurde allerdings auch jetzt schon wieder reichlich.

Dass überhaupt ein neuer Schein auf die Sendung fällt, liegt vor allem am geänderten Diskurs in der Gesellschaft. Und in dem wirken Aussagen wie die, man wolle sich "gut präsentieren" gleich wie ein Offenbarungseid. Aha, das sind junge Dinger, die es nicht nur nicht ablehnen, zum Objekt gemacht zu werden, sondern das sogar ausdrücklich erbitten. Wie unemanzipiert, wie unmodern, wie rückständig ist das denn? Aber das müsste man dann auf den gesamten Berufsstand, letztlich auf Werbung und Reklame schlechthin ausdehnen, schließlich stellen die Teilnehmerinnen sich zur Schau, um ihre Eignung für eine berufliche Laufbahn zu beweisen.

Und so ist die Show unter Sexismuskriterien nicht verwerflicher als die ganze Branche, die Verführung zum Ziel hat - der Kundschaft, versteht sich. Der Knackpunkt dürfte also die „Rahmenhandlung“ werden: die Streits, die Interviews, wenn es nicht um Fotos geht, sondern um Persönlichkeit.

Noch sexy oder schon ordinär? Auch hier wird eine Grenze gesucht

„Man muss sich doch mal schön machen!“, jubelte eine besonders langhaarige und fröhliche Bewerberin namens Klaudia aus Berlin und wackelte lachend und halbnackt über den Holzsteg, der im weißen Sandstrand aufgebaut war, wofür sie in die nächste Runde kam. Eine andere Bewerberin, Gerda, musste sich sagen lassen, dass ihr „Walk“ zu sexy gewesen sein. Wer zu sehr mit seinen Reizen spiele, riskiere, ordinär zu wirken, erläuterte Thomas Mayo, einer der Juroren, mit sachverständiger Miene. Auch hier also wird gerungen um das richtige Maß, vielleicht gar um das, was man anderswo Kunst nennt.

Die Frage, die sich bei GNTM-Schauen stellt, ist: Werden Frauen grundsätzlich (von anderen oder den Umständen oder sonstwas) zum Objekt gemacht – oder kann man das auch als aktive Handlung verstehen? Die Bewerberinnen betrachten sich selbst, ihre Körperlichkeit, als Produkt, dessen Marktwert sie in der Sendung ermitteln. Manchmal macht das Staunen. Wie distanziert und souverän sie wirken, wenn sie an sich herumzupfen und in den Spiegel schauen. Als richteten sie über jemand anderen. Und man würde ihnen wünschen, dass sie wirklich wissen, was sie da tun, und bezweifelt es sogleich, wenn die Tränen der Verliererinnen fließen.

13 ist eine kritische Zahl, es heißt, sie bringe Unglück. Die Zuschauerzahlen der Klum-Show waren in den vergangenen Jahren eher rückläufig gewesen. Die Zuschauerzahlen der Klum-Show waren in den vergangenen Jahren rückläufig. Und vielleicht bewirkt die Metoo-Unzeit, die geschärfte Wahrnehmung für sexistische Untertöne, dass die Zuschauer ihr Interesse verlieren, weil es gar zu persönlich und bloßstellend zugeht. Dann könnte es am Ende auch sein, dass es ausnahmsweise mal für Heidi Klum heißt: Wir haben heute leider kein Bild für dich.

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