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  • 22.01.2018
  • von Kurt Sagatz

App-Serie "Mosaic": Was passiert mit Sharon Stone?

von Kurt Sagatz

Jedes Bild ein Puzzleteil: Wurde Eric (Frederick Weller) zu Recht für den Mord an seiner Verlobten, der Kinderbuchautorin Olivia (Sharon Stone), verurteilt? Foto: HBO/Sky

Der Thriller „Mosaic“ mit Sharon Stone und Beau Bridges war von Steven Soderbergh zunächst als interaktive Smartphone-App konzipiert. Jetzt startet die sechsteilige HBO-Serie.

Einen schöneren Ort für einen Lehrpfad für Kinder inmitten der Natur kann man sich kaum vorstellen. In den Bergen von Utah hat die Kinderbuchautorin und -illustratorin Olivia Lake – gespielt von Sharon Stone („Basic Instinct“) – ihre wohl erfolgreichste Geschichte begehbar gemacht. Folgt man dem Pfad in die eine Richtung, erzählen die Bilder von einem Jäger, der seine Familie vor einem bösen Bären beschützt. Die Kinder, für die der Pfad angelegt wurde, können aber auch die andere Richtung einschlagen. Dann erfahren sie die Story vom Bären, der seine Jungen vor dem Jäger beschützt. Eine Geschichte, mehrere Perspektiven, das ist zugleich der Plot für den HBO-Thriller „Mosaic“ von Autor Ed Solomon und Regisseur Steven Soderbergh.

Alles dreht sich um das Schicksal der in die Jahre gekommenen Kinderbuchautorin Olivia Lake, die einen Hang zu alten Weinen und jungen Lovern hat. Sie verschwindet in der Silvesternacht, eine Blutspur deutet auf ein Gewaltverbrechen hin. Ein Streit und andere Indizien sprechen dafür, dass ihr Verlobter Eric Neill (Frederick Weller) die Tat begangen hat. Obwohl die Leiche von Olivia nicht gefunden wird, wird er verurteilt. Vier Jahre später wird der Fall neu aufgerollt.

Soderbergh – der sowohl für Independent-Filme wie „Sex, Lügen und Video“ wie für erfolgreiche Hollywood-Blockbuster wie die „Ocean’s“-Trilogie steht – spielt gerne mit unterschiedlichen Zeit- und Handlungsebenen. Der Name „Mosaic“ ist für Soderbergh Programm. Mosaic heißt zum einen die Stiftung von Olivia, die Kindern Kunst näherbringen will. Zugleich ist „Mosaic“ ein Synonym für ein Puzzle. Jedes Mosaiksteinchen steht für eine Perspektive. Zusammengesetzt ergeben sie das Bild.

Ein Spiel mit Perspektiven

Bevor „Mosaic“ nun als sechsteilige Serie ausgestrahlt wird, hatte HBO den Thriller in den USA bereits als interaktive App veröffentlicht. Sie besteht aus 15 Modulen mit einer Gesamtlänge von siebeneinhalb Stunden Videomaterial, aus denen sich mehrere Handlungsstränge ergeben. Nach einer Einleitung können die Nutzer selbst entscheiden, welchen Weg sie nehmen wollen. Da ist zum einen die Perspektive des zwielichtigen Eric Neill, der für den Mord an Olivia Lake ins Gefängnis kam. Eine ganz andere Sicht auf die Ereignisse hat Joel Hurley (Garrett Hedlund). Olivia Lake hat den jungen Künstler unter ihre Fittiche genommen, kommt jedoch nicht gut damit zurecht, dass es da noch eine Freundin gibt. Und dann gibt es die Warte von Nate Henry (Devin Ratray), der als Polizist in dem Fall ermittelt und dabei häufig ganz anderer Meinung ist als der korrupte Sheriff Alan Pape (Beau Bridges). Hinzu kommen eine Reihe anderer Personen wie Olivias reicher Nachbar und Mäzen Michael O’Connor oder ihr langjähriger Vertrauter JC, die ebenfalls eine Rolle in der Story spielen.

In der sechsteiligen TV-Serie hat Steven Soderbergh wie in einem Directors Cut die Rolle des App-Nutzers eingenommen und festgelegt, in welcher Reihenfolge die Geschichte erzählt wird. Je weiter die Serie vorankommt, desto mehr stellt Soderbergh die Perspektive von Erics Schwester Petra (Jennifer Ferrin) in den Mittelpunkt der Handlung. Anfangs traut sie ihrem Bruder alles zu („Was hat er denn diesmal wieder angestellt“), später wird sie jedoch zur treibenden Kraft bei der Suche nach der Wahrheit.

Damit sich jeder Betrachter unvoreingenommen sein eigenes Bild machen kann, geht Soderbergh beinahe klinisch steril vor. Die Kamera setzt auf strikte Neutralität, die Bilder vermitteln die nüchterne Sprache von Polizeiberichten. Auf musikalische Untermalung wurde so gut wie komplett verzichtet. Auch sonst macht es Soderbergh den Zuschauern nicht gerade leicht. In der TV-Serie müssen sie bis Mitte der zweiten Episode warten, bis sie sehen, dass Olivia nicht einfach nur verschwunden sein kann. Etwas Geduld ist also durchaus nötig.

Mehrere Sichtweisen, eine Wahrheit

Das Soderbergh-Experiment basiert auf der Erkenntnis, dass es zwar verschiedene Perspektiven auf einer Ereignis geben kann – häufig sogar ebenso viele wie daran beteiligte Personen –, aber dennoch am Ende nur eine Wahrheit. Diese Wahrheit ans Licht zu bringen, das ist der Reiz sowohl der App – die in Deutschland nicht verfügbar ist – als auch der Serie. Raum für alternative Fakten bleibt dabei am Ende nicht.

„Mosaic“, Originalfassung seit Montagnacht mit täglich einer neuen Folge und einer Doppelfolge am Freitag, auf Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand. Ab 14. Februar im Original und auf Deutsch immer donnerstags eine Doppelfolge auf Sky Altantic.

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