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  • 21.01.2018
  • von Klaus Beck

MEDIA Lab: Wächterrolle statt Er-Löser

von Klaus Beck

Wozu Journalismus? Studenten in der Universität Leipzig. Foto: picture alliance / Waltraud Grub

Auch das Konstruktive hat Grenzen: Dass lösungsorientierte Berichterstattung zu mehr Mitgefühl und Engagement oder höherer Informiertheit führt, konnten Forscher nicht belegen.

Seit sich mit Journalismus Geld verdienen lässt, gilt der Leitsatz: Bad news are good news! Doch ist das, was gut fürs Geschäft ist, auch gut für die Gesellschaft? Trägt der Journalismus mit seinem Hang zu Kriegen, Katastrophen und Kriminalität nicht dazu bei, Parteienverdrossenheit, Pessimismus oder gar Panik zu verbreiten? Stumpfen wir angesichts des Elends der Welt ab, verlieren all unsere Hoffnung und Mitleid?

Berechtigte Fragen, und Anlass für Journalisten wie Forscher nach Alternativen zu suchen: Mit „konstruktivem“ und „perspektivischem“ Journalismus möchten einige Redaktionen nicht nur Probleme, sondern Lösungen aufzeigen. Worum es dabei nicht gehen darf: Die rosarote Brille aufzusetzen, um nur noch gute Nachrichten aus einer heilen Welt zu bringen. Oder gar unkritisch zum Opfer von Unternehmens-PR oder Regierungspropaganda zu werden.

Wie das geht, zeigt beispielsweise perspective.daily in einem Bericht über die US-Drogenepidemie: Das Problem wird keineswegs schön geredet, sondern faktenbasiert analysiert. Die Pharmaindustrie bekommt ihr Fett weg und es wird auf die Medikamentenabhängigkeit vieler Deutscher verwiesen. Erst im letzten Drittel wird erklärt, worin sich die hiesige Situation von der in den USA unterscheidet, also ein Teil der Lösung bestehen könnte.

Wenn die guten Nachrichten auch gut gemacht sind, prägen weder Schönfärberei noch Besserwisserei den konstruktiven Journalismus. Wenn Journalisten verschiedene Perspektiven einnehmen und aufzeigen, wird das Bild vollständiger. Dafür müssen sie ihre Wächterrolle keineswegs gegen die eines allwissenden Er-Lösers eintauschen.

Auch das Konstruktive hat selbstverständlich Grenzen: Dass lösungsorientierte Berichterstattung zu mehr Mitgefühl und Engagement oder höherer Informiertheit führt, konnten Forscher bislang nicht belegen. Nur Stimmung und die Lust der Leser auf mehr Information verbesserten sich. Und für viele Probleme kennt (noch) niemand Lösungen, vielleicht am wenigstens die Journalisten. Auch über diese Probleme zu berichten, gehört natürlich nach wie vor zum Job kritischer Journalisten.

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