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  • 03.01.2018
  • von Jan Freitag

TV-Jubiläum: Hans Sigl gibt zum 100. Mal den "Bergdoktor"

von Jan Freitag

Wo die Liebe hinfällt. Gruber (Hans Sigl) trägt Lisa (Henriette Richter-Röhl). Foto: ZDF und Stefanie Leo

Von wegen sehr leichte TV-Kost: 100 Mal Hans Sigl als „Der Bergdoktor“ mit prächtigen Gipfeln vor strahlendem Himmelsblau.

Das Licht. Warm und gelb fällt es durchs Fenster auf Martin Grubers Gesicht, als er aus wild bewegtem Traum erwacht. Warm und gelb, wie es halt nur die Berge kennen, dem Herrgott so nahe wie nichts sonst auf Erden. Merkwürdig nur, dass Tirol vor der Tür des Arztes dicht bewölkt ist. Egal: Im Unterhaltungsfernsehen durchstößt der Sonnenschein noch die schlechteste Wetterfront, sofern es der Stimmung dient. Und um Stimmung geht es nicht erst, seit „Der Bergdoktor“ einem Groschenroman ins Groschenfernsehen entsprungen ist.

Auch beim ZDF heißt das: prächtige Gipfel im strahlenden Blau des Himmels! Nur wenn das Glück in Vorbereitung aufs Happyend kurz mal Pause macht, zieht der Himmel schon mal zu. Im 100. Einsatz des zähesten TV-Mediziners im deutschsprachigen Raum allerdings ist es dauernd verhagelt. Wie in fast jeder Staffel zuvor ist das Herz des Bergdoktors zu Beginn der zehnten nämlich verwundet. Doch kaum ist die alte Liebe kaputt, tritt die neue in sein Leben, genauer: Lisa (Henriette Richter-Röhl).

Auf der Suche nach einem Mittel gegen Höhenangst nimmt Gruber die ungleich jüngere Frau mit auf eine Konfrontationstour ins Gebirge, wo der sich in die Braut eines Hoteliers verliebt, mit dem Lisa eine Klettertour wagt. Die Folge: Absturz, Hubschrauber, Fehldiagnose, Entlassung, Rückfall, der nicht nur den Hochzeitsplan von Lisas Schwiegermutter in spe bedroht, sondern ihr Leben mitsamt der Zuneigung des Bergdoktors, was für Eintrübung des Filmlichts sorgt.

Der Bergdoktor, das steirische Mannsbild

Auf der Besetzungsliste oben müsste der Beleuchter stehen. Weil das Publikum jedoch die Helfer hinter den Kulissen weniger wertschätzt als die Stars davor, steht dort ein anderer: Hans Sigl. Das steirische Mannsbild ist der Bergdoktor. Und zwar weit mehr noch, als er zuvor 63 Folgen lang Major Andreas Blitz im ZDF-Krimi „Soko Kitzbühel“ war. Im Durchlauferhitzer Fernsehen, so viel lässt sich nach 17 Jahren Serienerfahrung sagen, ist der Endvierziger unser Mann fürs Konstante. Doch ist er auch der Mann fürs Seichte?

Wie der Sigl Hans eines der klischeeanfälligen TV-Genres bespielt: bei aller Heilkraft menschlich unvollkommen, zuweilen selbstironisch und emotional wankelmütig – das sticht schon ein Stück weit heraus aus dem Fach fiktiver Halbgötter in Weiß. Auch die Storys sind oft weniger klebrig. „Nicht völlig real, aber glaubhaft“, beschrieb Hans Sigl sie mal nach einem Händedruck, der jedes Schneebrett vom Hang bräche, und fügte hinzu, dass sein Arzt neben Kompetenz und Menschlichkeit auch „Kanten, Brüche, sogar Abgründe“ hat.

Seit 2008 behandelt Dr. Gruber im Bergdorf Ellmau Tiroler Leiden. Als ihm im Winterspecial vor Jahren ein Kunstfehler unterlief, durfte er einem gelähmten Kind wieder das Laufen lehren und zwischendurch dessen zerrüttete Familie versöhnen. Fernsehärzte eben. Wobei Hans Sigl eigentlich anders ist. Er zählt zur seltenen Spezies seriöser Schauspieler, die sich im Stromlinienfernsehen bewusst unterfordern lassen. Um ein Auskommen zu haben, um das intellektuelle Restleben zu erden. Wenn Harald Krassnitzer nicht grad im „Tatort“ ermittelt, trifft man ihn bei „Katie Fjorde“. Wenn Hans Sigl nicht grad im Berglicht strahlt, ist er seit 1993 ein respektabler Kabarettist.

Damals feierte der „Bergdoktor“ mit Gerhart Lippert, später dann Harald Krassnitzer siebenstellige Quoten, bevor er der Publikumsverjüngung von Sat1 im Wege stand und 1999 ins ZDF zog – als erstes Privatformat überhaupt. In der neuen Staffel geht es neben Dr. Grubers Glückssuche auch um Sterbehilfe, Transgender, Abschiebung. Und wieder werden sieben Millionen Zuschauer dabei sein. Wie immer. Und ewig. Jan Freitag

„Der Bergdoktor“, ZDF, Donnerstag, 20 Uhr 15

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