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  • 02.02.2008

Ehemalige „Grenzer“ unter dem Mantel der Bundeswehr

Rührt Euch statt Stillgestanden

31.1. 2008

Es ist schon entlarvend – und für mich bestürzend – wenn sich Angehörige einer „Kameradschaft der Ehemaligen im Deutschen Bundeswehrverband“ in Potsdam heute ganz offen zu ihrer Vergangenheit als Grenzsoldaten der DDR bekennen. Obwohl ich seit mehr als 42 Jahren Mitglied des Bundeswehrverbandes bin, ist mir bisher verborgen geblieben, dass sich in Potsdam zahlreiche „Grenzer“ unter dem Mantel dieses Verbandes wiedergefunden haben und unwidersprochen behaupten dürfen, dass sie mit ihrem Dienst „im guten Glauben zur Friedenssicherung beigetragen“ hätten. Dies deckt sich nicht mit der Wahrnehmung der Öffentlichkeit in Ost und West in 40 Jahren DDR-Herrschaft und ähnelt fatal den Rechtfertigungsversuchen ehemaliger Stasi-Offiziere. Als ehemaliger Soldat der Bundeswehr muss man sich deutlich distanzieren von der Art und Weise dieser früheren „Angehörigen der bewaffneten Organe der DDR“, die sich heute unter dem Namen des Bundeswehrverbandes nachträglich Anerkennung für ihren Dienst an der Grenze verschaffen. Die Ablehnung des Einsatzes von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ist übrigens gleichlautend mit den Forderungen der Partei der Linken, ehemals

SED/PDS, der Bundeswehrverband sollte sich nicht hergeben für diese

Positionen „Ehemaliger“.

Jörg Gernert, Potsdam

Die traute Kameradschaft trügt

Der Bericht vermittelt das scheinbar idyllische Bild eines Vereins, in dem unter der etwas irreführenden Dachbezeichnung „Bundeswehrverband“ehemalige Bundeswehrsoldaten und ehemalige „Grenzer“ nun vermeintlich in trauter Kameradschaft für die Verleihung des Friedensnobelpreises an das Grenzregiment „Walter Junker“ kämpfen, welches sich in den Augen des Vorsitzenden nach „realistischer Geschichtsaufarbeitung“ durch seinen unermüdlichen Einsatz zur Friedenssicherung ausgezeichnet hat.

Hätte der Berichterstatter allerdings mal geprüft, wie viele ehemalige Bundeswehrsoldaten an dieser Mitgliederversammlung teilgenommen haben, wäre er auf eine Zahl von eins bis zwei gekommen. So erklärt sich, dass in dieser Kameradschaft fast alle in der NVA und dort vorwiegend in den „friedliebenden“ Grenztruppen gedient haben. Die stolzen „Grenzer“ verbittert, dass sie nicht ihren Dienstgrad mit dem Zusatz a.D. führen dürfen. Da es keine Gesetzesänderung dazu gibt, gönnt man sich dieses Privileg einfach selbst, nicht nur vereinsintern, sondern auch im öffentlichen Schriftverkehr. Da unbefugtes Titelführung mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bedroht ist, könnte man die, die sich so verhalten, als notorische Gesetzesbrecher unter Führung eines ehemaligen Politoffizier der DDR-Grenztruppen bezeichnen. Es wird unter solchen Umständen noch einige Zeit dauern, bis ehemalige Bundeswehrsoldaten, die aufgrund ihrer Verbandsmitgliedschaft unfreiwillig in eine solche Kameradschaft geraten, dort auch kameradschaftliche Gefühle entwickeln.

Ingo von Jutrzenka, Potsdam

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