• 01.09.2012

Attentat 40 Jahre nach dem

München 1972, Olympische Sommerspiele: Terroristen nehmen israelische Sportler als Geiseln. Dabei und beim Versuch der Befreiung gibt es 17 Tote. Der Fotograf Frank Schultze hat die Schauplätze besucht

DIE VERHANDLUNGEN

„Issa“ studierte in Berlin, sprach Deutsch und war Verhandlungsführer der Terroristen. Ihm stand zunächst Walther Tröger gegenüber, Bürgermeister des Olympischen Dorfs (oben rechts heute, im linken Bild der Vierte von rechts). Später führte der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (Dritter von rechts) die Verhandlungen. Tröger beschäftigen die Ereignisse noch heute, auch, weil er Freundschaft mit Angehörigen der Opfer schloss.

DIE WOHNUNG

Das Foto links oben zeigt das Apartment der Israelis kurz nach der Tat. Heute gehört es der Max-Planck-Gesellschaft, die die Wohnung an Gastwissenschaftler vermietet. Der junge Serbe Srdjan Sarikas teilt sie sich mit zwei Kollegen. Er hat sich darum beworben, weil ihm der Südbalkon so gut gefiel. Natürlich weiß er um die Geschichte. Wenn Gäste kommen, ist sie immer Thema.

DER POLIZIST

Heinz Hohensinn auf dem Balkon vor der ehemaligen Unterkunft der

Israelis. Er war damals Hauptkommissar (auf dem linken Bild mit Waffe) und gehörte zum Sturmkommando, das die Geiseln befreien sollte. Heute lacht Hohensinn bitter, wenn er an seinen Versuch denkt, die

Terroristen überwältigen zu wollen.

Es sollen die heiteren Spiele werden, doch um 4.35 Uhr am Morgen des 5. September 1972 beginnt ein 21 Stunden währender Albtraum. Acht Mitglieder eines palästinensischen Terrorkommandos überwinden den Zaun zum Olympischen Dorf, sie nehmen elf israelische Athleten in deren Zimmern als Geiseln. Zwei Sportler wehren sich, werden niedergeschossen und erliegen sofort oder wenig später ihren Verletzungen. Nach zwei Stunden beginnen zunächst Walther Tröger, Bürgermeister des Olympischen Dorfs, und Willi Daume, Chef des Olympischen Kommitees, mit den Verhandlungen. Das Kommando fordert die Freilassung der inhaftierten RAF-Mitglieder Andreas Baader und Ulrike Meinhof sowie weiterer palästinensischer Gefangener in Israel. Ultimaten werden gestellt und verschoben, eine Befreiungsaktion vorbereitet. Doch der Plan fliegt auf, die Terroristen können im Fernsehen verfolgen, wie die Polizisten in Stellung gehen. Schließlich wird das Kommando mit seinen Geiseln um 22.29 Uhr in zwei Hubschraubern zum Flugplatz Fürstenfeldbruck bei München gebracht, wo eine Verkehrsmaschine wartet. Angeblich ist die Bundesregierung bereit, auf die Forderungen der Palästinenser einzugehen, tatsächlich ist man zum Sturm entschlossen. Doch die dafür notwendigen Spezialisten gibt es in Deutschland noch nicht. Beim folgenden 45-minütigen Gefecht sterben alle Geiseln, ein Polizist und fünf Terroristen. Frank Schultze hat das Geschehen als 13-Jähriger im Fernsehen verfolgt. 40 Jahre später macht sich der Fotograf auf, die Schauplätze der Ereignisse zu dokumentieren. Seinen Bildern stehen Agenturaufnahmen von damals gegenüber. lat

DER TERRORIST

Die Waffe und der blutbefleckte Tropenanzug von „Issa“, dem Anführer des Terrorkommandos, werden heute in der Lehrmittelsammlung der Polizei München ausgestellt (rechts). Die Maske ist allerdings nicht authentisch. „Issa“, dessen Bild auf dem Balkon 1972 um die Welt ging, hatte sein Gesicht mit schwarzer Farbe getarnt. Erst kürzlich zitierte der „Spiegel“ aus

Akten deutscher Sicherheitsbehörden,

wonach die Terroristen bei der Vorbereitung ihrer Aktion offenbar von deutschen Neonazis unterstützt wurden.

DAS ENDE

Am Tower des Luftwaffenstützpunktes Fürstenfeldbruck sind heute noch Einschusslöcher zu sehen. Damals warfen die Terroristen eine Handgranate in einen der Hubschrauber mit den Geiseln, die anderen starben im Kugelhagel.

  • Erschienen am 01.09.2012 auf Seite 11

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