Erdiger Grundton: Eine Seite aus dem Buch.
Kriegspropaganda oder überfällige Auseinandersetzung mit einem lange vernachlässigten Thema? Selten wurde ein deutscher Comic so kontrovers diskutiert wie Arne Jyschs „Wave and Smile“. An diesem Donnerstag spricht der Autor in Hamburg über sein Werk.
Die Einschätzungen könnten kaum weiter auseinander liegen: Für den Comic-Kritiker Marc-Oliver Frisch ist Jyschs Graphic Novel „eine Dauerwerbesendung für die Stärkung der Rolle des Militärs in Deutschland“, wie er in einer umfangreichen Besprechung für das Fachmagazin „Comicgate“ schreibt. Für den Tagesspiegel-Politikredakteur und Afghanistan-Kenner Michael Schmidt hingegen ist das bei Carlsen veröffentlichte Buch „ein großer Wurf“, dessen Verdienst er in seiner Rezension so zusammengefasst hat: „Die Geschichte ist rasant erzählt, auf den Punkt, ungeschönt. Jysch fächert Perspektiven, Sichtweisen, Standpunkte auf, benennt Haltungen, Meinungen, ohne sie sich zu eigen zu machen, spricht Soldatensprech, ohne in Landserjargon zu verfallen, jedenfalls ohne es dabei zu belassen, lässt allen Seiten ihr Recht.“
Dutzende von Rezensionen zu Arne Jyschs Debüt-Comic sind in den vergangenen Wochen erschienen – darunter mehrere Beiträge politisch links stehender Kritiker, die dem Berliner Autor und Zeichner vorwerfen, den Kriegseinsatz in Afghanistan und die Rolle der Bundeswehr zu verherrlichen, so eine umfangreiche Analyse der „Informationsstelle Militarisierung“. Auf der anderen Seite sind zahlreiche sehr positive Einschätzungen zu finden wie die von Gemma Pörzgen im „Deutschlandfunk“, die Jysch attestiert: „Er setzt sich mit dem Einsatz kritisch auseinander und versucht dabei, alle Konfliktparteien zu berücksichtigen.“
Wie Jysch selbst zu der Kontroverse steht, lässt sich an diesem Donnerstag, dem 23. August, bei einer Abendveranstaltung im Carlsen-Verlag in Hamburg erfahren. Dort sprechen der Comicautor und die kürzlich aus Afghanistan zurückgekehrte Journalistin Julia Weigelt, die ihm bei der Recherche seiner Geschichte half, über den Bundeswehreinsatz und seine Verarbeitung im Comic. Die von Tagesspiegel-Redakteur Lars von Törne moderierte Veranstaltung findet um 20 Uhr im Foyer des Carlsen-Verlages (Völckerssstraße 14 - 20, 22765 Hamburg) statt, der Eintritt ist frei. Mehr Informationen unter diesem Link.
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