Haustiere sind eigentlich beliebt, doch es gibt mehr davon, als uns lieb sein kann. Manchmal muss der Kammerjäger kommen, oft helfen Saftpfützen oder Klebefallen.
RATTE
Rattus norvegicus
Dass es keine Maus ist, die durch die Küche huscht, ist schon an der Größe zu erkennen. Die häufigste Ratte in deutschen Städten, die Wanderratte, misst zwischen 20 und 27 Zentimetern. Ohne Schwanz. Aber auch, wenn sich die nachtaktive Rattus norvegicus nicht blicken lässt, ihre Spuren verraten sie: Nagestellen an Lebensmitteln und Schläuchen, oder umgeworfene Blumenvasen. Rattenkot ist etwa halb so groß wie eine Kaffeebohne – der von Mäusen nur kümmelkornklein.
Ratten fressen nicht nur die menschlichen Vorratsschränke leer, sie können auch Krankheitserreger wie Salmonellen übertragen. Deshalb müssen Hausbesitzer beim Gesundheitsamt melden, wenn bei ihnen Ratten auftauchen. 2011 gab es laut der Senatsverwaltung für Gesundheit 3868 Fälle von Rattenbekämpfung, der deutsche Schädlingsbekämpferverband in Berlin zählte im gleichen Jahr jedoch allein in 18 Betrieben 7744 Einsätze gegen Ratten.
Meldet ein Mieter die Ratten beim Hauseigentümer, ist der verpflichtet, einen Kammerjäger zu bezahlen. Das kann 100 bis 300 Euro kosten. Rattengift ist für Wohnungen eher ungeeignet, denn dessen Wirkung ist zeitverzögert. Der Grund: Ratten sind klug – und werden misstrauisch, wenn sie ein Clanmitglied fressen und sterben sehen. Weil aber eine im Nest unter den Dielen verwesende Ratte äußerst unangenehm riecht, stellt der Kammerjäger Fallen auf, ähnlich denen für Mäuse – und verwendet als Köder gern Erdnussbutter, der die Ratten nicht widerstehen können.
MEHLMOTTE
Ephestia kuehniella
Wo ihre Raupen einfallen, ist kein Korn mehr sicher: Etwa einen Zentimeter misst die Mehlmotte, die sich mit ihren Kindern durch Vorratsschränke frisst und als sichtbarstes Zeichen Spinnfäden in Mehl und Müsli hinterlässt. Auch getrocknete Früchte, Marzipan und Schokolade verschmäht der Kleinschmetterling Ephestia kuehniella nicht, genauso wenig wie ihre Verwandte, die Dörrobstmotte. Selbst Nudeln und Kakao in Plastik eingeschweißt sind vor ihnen nicht sicher, die Raupen knabbern sich einfach hindurch.
Einmal befallene Lebensmittel müssen entsorgt werden, die verbliebenen Tiere lassen sich mit Klebefallen fangen, die mit Sexuallockstoffen imprägniert sind. Vor allem hilft gegen diese Tierchen Disziplin: Alle potenziellen Ziele der Motte müssen in sehr dichte Glas- oder Plastikbehälter gefüllt, Mehl- oder sonstige Lebensmittelreste aus den Vorratsschränken entfernt werden.
BETTWANZE
Cimex lectularius
Die Bettwanze ist durch und durch ein Unsympath. Mit ihrem Stechrüssel zapft sie friedlich Schlafenden das Blut ab, die sich in den Tagen danach über die juckenden Stiche wundern. Nach solch einer Mahlzeit wachsen die sonst papierdünnen Tierchen auf das Siebenfache an und messen danach bis zu neun Millimeter.
Tagsüber verstecken sie sich in Ritzen des Bettgestells, unter der Matratze oder hinter Bilderrahmen. Wer sich über Stiche wundert, sollte an diesen Orten nach ihnen auf die Suche gehen – und auf kleine schwarze Punkte achten, den Wanzenkot. Außerdem verströmen sie bei Gefahr Pheromone, um ihre Artgenossen zu warnen, für Menschen riechen diese Botenstoffe süßlich.
Eigentlich war die Bettwanze bei uns schon so gut wie ausgerottet. Gerade erlebt sie ihr Comeback, in Deutschland und weltweit. In Berlin hat der Schädlingsbekämpfer-Verband im Jahr 2011 allein 517 Einsätze gegen Cimex lectularius gezählt, im Jahr 2007 waren es noch 210. Der kleine Blutsauger ist ein Kosmopolit: Er ist in den Tropen und in Alaska zu Hause, und in den Alpen in bis zu 2000 Metern Höhe. Was Bettwanzen allerdings immer in ihrer Nähe brauchen, sind Menschen oder Tiere als Nahrungsgrundlage.
Die Wiederkehr der Wanzen bringt Hoteldirektoren auf der ganzen Welt zum Verzweifeln, sogar ein europäischer Verein gegen die Bedbugs, die Bettwanzen, ist entstanden. Es gibt verschiedene Theorien, warum sich die Wanzen wieder ausbreiten: schnellere, häufigere Reisen der Menschen und Resistenzen der Insekten etwa. Außerdem wurde früher beinahe flächendeckend das giftige DDT in Hotelzimmern versprüht, dem Kakerlaken wie Bettwanzen gleichermaßen zum Opfer fielen.
Ohne Kammerjäger steht man den Bettwanzen auch heute ohnmächtig gegenüber. Im Kampf gegen die Blutsauger werden inzwischen nicht nur Pestizide, Hitze und Kälte eingesetzt, es gibt sogar Spürhunde, die einen Wanzenbefall in Hotelzimmern erschnüffeln können. Aber auch mit professioneller Hilfe ist die Behandlung alles andere als angenehm. Möbel müssen auseinandergeschraubt oder entsorgt werden, damit die Chemikalien auch in die kleinsten Verstecke der Wanzen gelangen. Und dann wird der Mensch zum lebendigen Köder. Weil die Wanzen bis zu 40 Tage hungern können, müssen sie aus ihren Verstecken gelockt werden, damit sie auch wirklich mit den Pestiziden in Kontakt kommen.
Nicht mal mit den eigenen Artgenossen geht die Bettwanze liebevoll um. Ihre Fortpflanzung basiert auf Vergewaltigung: das Wanzenmännchen überfällt das Weibchen, um ihr einen Haken in die Haut der Bauchdecke zu bohren und seinen Samen abzugeben. „Traumatische Insemination“ nennen Wissenschaftler das.
SILBERFISCHCHEN
Lepisma saccharina
Badtür auf, Licht an, da huschen sie schnell in ihre Ritzen zurück: Die Silberfischchen lieben es dunkel, warm und feucht. Die glänzenden Schuppen und die schlängelnden Bewegungen gaben dem Insekt seinen Namen. Tagsüber verstecken sie sich in Fußbodenritzen oder Fugen, nachts gehen sie auf Nahrungssuche. Lepisma saccharina frisst alles, was Kohlenhydrate enthält: Zucker und Kartoffeln, aber auch Tapetenkleister und Bucheinbände.
Silberfischchen sind Romantiker. Eine halbe Stunde dauert es, während sich Männchen und Weibchen betasten und umhertänzeln – der Höhepunkt ist aber eher trostlos: Das Männchen gibt sein Samenpaket ab, das Weibchen sammelt es ein.
Silberfischchen sind keine Schädlinge, höchstens „Lästlinge“. Zwar knabbern sie am Inventar herum, Krankheiten übertragen sie jedoch nicht. Sie sind sogar nützlich. Silberfischchen fressen Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Wenn sie in Massen auftreten, gibt es meist Baumängel, irgendwo staut sich Feuchtigkeit, Schimmel entsteht. Es helfen häufiges Lüften – und Köderdosen. Ein Silberfischchen kann nämlich bis zu acht Jahre alt werden.
FRUCHTFLIEGE
Drosophilidae melanogaster
Sie ist zwei Millimeter klein, und sie polarisiert. Die Fruchtfliege löst Ekel aus bei allen, denen sie das Obst wegfuttert und in großen Schwärmen den Biomüll behaust. Doch drosophila melanogaster ist auch eine Ikone der Wissenschaft. Generationen von Forschern widmeten sich der kleinen Fliege. Die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard erhielt auch dank ihr den Medizin-Nobelpreis.
Diese Fliege ist eines der besterforschten Lebewesen, man kennt all ihre 19 806 Gene – sie ähneln denen des Menschen erstaunlich stark. Und es gibt noch eine Parallele zwischen Fruchtfliege und Homo sapiens: die Vorliebe für Alkohol. Fruchtfliegen trinken generell gerne einen über den Durst. Richtig schlimm wird es, wenn sie unter Sexentzug leiden. Fruchtfliegenmännchen ertränken dann ihren Frust, und zwar mit etwa viermal so viel Alkohol, wie die kleinen Säufer gewöhnlich trinken. Das fanden Wissenschaftler der University of California heraus. Ob es den Weibchen genauso geht, darüber verraten die Forscher leider nichts. Der Botenstoff, der das Wohlbefinden der Fliegen auslöst, ist bei Alkohol und Sex jedenfalls der gleiche – und dem der Menschen wiederum sehr ähnlich.
Wer kein Mitleid hat, kann sich der Fruchtfliegen auf einfache Art entledigen. Alle offenen Futter- und Eiablageplätze, Biomüll, Obst, Essig- und Weinflaschen (wegen der Frustrierten) beseitigen. Wenn das Drosophila-Weibchen seine 400 Eier gelegt hat, dauert es etwa elf Tage, bis die neue Generation herangewachsen ist. Deshalb lohnt es sich, für ein paar Wochen eine einfache Falle aufzustellen: In eine flache Schale Wasser und etwas Saft oder Essig füllen. Außerdem kommt ein Spritzer Spülmittel hinein, der zerstört die Oberflächenspannung und sorgt dafür, dass die Tiere ertrinken.
Die Stadt Potsdam braucht dringend Geld, um die Pflege der Parks der Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten zu sichern. Wie soll der Betrag eingetrieben werden?