Themenschwerpunkt:

Berlinale

  • 14.02.2012

MARTENSTEIN

DIE VIERTE

Als ich nach Hause kam, wollte ich Nachrichten sehen. Im Fernsehen lief mal wieder eine Talkshow zum Thema Wulff. Es war Günther Jauch. Ich habe übrigens eine ganz nette 16 000- Euro-Frage für „Wer wird Millionär?“: Was gibt es genau 17-mal? A. Finanzielle Ungereimtheiten in der Vita von Christian Wulff B. Nebenreihen der Berlinale C. Rettungsversuche für Griechenland D. Adoptivkinder von Angelina Jolie.

Man macht sich gar nicht klar, wie eng die Verbindungen von Christian Wulff zur Filmbranche sind. Von dem Filmproduzenten David Groenewold hat er sich ein Handy geben lassen, ein Buch finanzieren lassen, von 10 000 Euro ist die Rede, einer Luxussuite im Bayrischen Hof, 400 Euro und zwei Sylturlauben, 1500 Euro und 800 Euro, die er allerdings nachträglich in bar bezahlt haben will. Außerdem flossen 20 000 Euro für eine Anzeige an die CDU. Im Grunde alles Kleinigkeiten. Der Produzent aber hat seinerseits von Niedersachsen eine Landesbürgschaft über vier Millionen bekommen, für eine Firma in Hannover, die sich inzwischen als Briefkastenfirma herausgestellt hat.

Dass viele Filmschaffende dem Berlinale-Empfang des Präsidenten ferngeblieben sind, könnte persönliche Gründe haben. Denn David Groenewold hat auch ein Unternehmen betrieben, das prominente deutsche Schauspieler bei der Geldanlage beriet. Es funktionierte so: Die Schauspieler gaben ihr Geld. Das Unternehmen sorgte dann dafür, dass dieses Geld spurlos verschwindet. Die Schauspielerin Alexandra Neldel soll, laut „Spiegel“, 500 000 Euro vermissen. Groenewold ist wegen dieser Sache vom Landgericht verurteilt worden – und was hat er anschließend getan? Den Film „Zettl“ mitproduziert, ein Film darüber, wie moralisch verkommen die Politik ist.

Das heißt: Bei der Berlinale laufen womöglich Schauspieler herum, die, über den Umweg Groenewold, indirekt mit ihrem Geld eine Urlaubsreise des Bundespräsidenten bezahlt haben. Normalerweise subventioniert die Politik den deutschen Film. Im Falle Wulff wäre es endlich mal umgekehrt.

Wer aber einen wirklich großartigen Dokumentarfilm über deutsche Politik sehen will, der muss sich das neue Werk von Andreas Dresen anschauen: „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ (siehe Seite 20). Andreas Dresen ist für den deutschen Film das, was Muhammad Ali für den Boxsport war.

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