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  • 13.07.2018
  • von Peter Hetzler

Comic „The long and winding road“: Zeitreise im VW-Bus

von Peter Hetzler

Zeitreise: Eine Seite aus „The long and winding road“. Foto: Salleck

Unterhaltsame Roadcomic und nostalgischer Trip in die Siebziger: In „The long and winding road“ begibt sich ein Sohn auf die Spuren seines Vaters.

Muss das sein? Muss er wirklich mit dieser blöden Urne von Südfrankreich bis Nordengland gurken, um die Asche seines Vaters auf dem Gelände eines Hippiefestivals zu verstreuen, das 1970 stattgefunden hat? Vor mehr als 40 Jahren! „Sogar tot geht er mir auf den Sack“, mosert Ulysse, als er von dieser Testamentsverfügung erfährt.

Dass er die Reise noch dazu in dem alten VW-Bus antreten soll, mit dem sein Vater damals die Strecke zum Isle-of-Wight-Festival hinter sich gebracht hat, und dabei exakt die gleiche Route wie 1970 einhalten soll, bessert seine Laune auch nicht. Wo er doch mit seinem SUV wesentlich schneller unterwegs wäre.

Roadtrip mit Ten Years After, den Who und Led Zeppelin

Aber um Geschwindigkeit geht es nicht in „The long and winding road“. Im Gegenteil: Die Reise wird für Ulysse zum Entschleunigungs-Trip, der ihn nicht nur räumlich, sondern auch emotional weit von seiner Frau und seinen Kindern entfernt. Während im VW-Bus die alten Songs von Ten Years After, den Who, von Steppenwolf und Led Zeppelin laufen, verliert sich Ulysse immer mehr in der Vergangenheit.

Wozu nicht zuletzt Alan, Jaques und William beitragen – drei Althippies, die damals mit dem Vater in einer Band gespielt haben. Ulysse hat sie bei einem Zwischenstopp in Montpellier aufgegabelt. Er ist total erstaunt darüber, dass sein spießiger Vater einmal Gitarrist in einer Rockband gewesen sein soll.

„Mein Vater war noch nie so präsent wie nach seinem Tod“

Doch das ist nicht das einzig Erstaunliche, was Ulysse auf den Stationen dieser Reise erlebt. Diesen von seiner Gitarre besessenen, rebellischen jungen Mann kann er nur schwer mit dem Bild zusammenbringen, das er von seinem Vater hat. Auch dessen Frauengeschichten nicht „Das Schlimmste für mich ist, euch von einem Mann erzählen zu hören, den ich nicht kannte“, gesteht er seinen drei freakigen Begleitern. „Mein Vater war noch nie so präsent wie nach seinem Tod.“

Szenarist Christopher Longé schickt den Leser in diesem Album auf einen Roadtrip, der einige Überraschungen zu bieten hat. Er präsentiert komplexe Beziehungsgefüge, erweckt nicht nur die Hippiekultur, sondern auch das reaktionäre gesellschaftliche Umfeld, in dem diese Kultur sich behaupten musste, zum Leben. Und das Bild, das Ulysse von seinem Vater hat, ändert sich Kilometer um Kilometer.

Rubén Pellejero packt die Story in eingängige Bilder, die er monochrom koloriert, wobei er einzelne Szenen hier und da mit besonderen Farbtupfern hervorhebt. Das großzügige Layout unterstützt die Wirkung hervorragend. Ein unterhaltsamer Roadcomic, und ein nostalgischer Trip in die Siebziger.

Christopher Longé / Rubén Pellejero: The long and winding road, Salleck, 180 Seiten, 29 Euro

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