16.08.2018, 28°C
  • 14.06.2018
  • von Christiane Meixner

Video von Khalil Joseph: Schattenreise im Soho House

von Christiane Meixner

Wie im Kino. Eine Szene aus Kahlil Josephs Film „Fly Paper“ (2017). Foto: The Store Berlin

Perfekter Sound und frei zugänglich: Im neuen Ausstellungsraum vom Soho House ist ein Film des gefragten Musikvideoregisseurs Kahlil Joseph zu sehen.

Der Sound ist gigantisch. Tief unten im Hotel Soho House erwachen die Geister von Harlem. Kahlil Joseph dirigiert sie direkt in seinen Film, den Betrachter schickt er im selben Atemzug auf einen wahnwitzigen Trip: Er reist durch die Gegenwart des afroamerikanisch geprägten Viertels und in die fünfziger Jahre, wie sie der amerikanische Fotograf Roy DeCarava festgehalten hat. Dunkel, surreal und voller Jazz.

Joseph, der in Los Angeles lebt, beherrscht sein Metier. Als gefragter Videoregisseur für Musiker wie Beyoncé oder Kendrick Lamar hat er in der Vergangenheit vielfach gezeigt, wie man sein Publikum mit Bildakrobatik zu fesseln vermag. Aber Joseph, Jahrgang 1981, ist auch der Ansicht, dass die alten Grenzen, die Einteilung von high und low in der Kultur, längst obsolet sind – und seine Karriere ist dafür das beste Argument. Seine kreative Arbeit hatte schon immer den Anspruch auf Autonomie, inzwischen löst sie sich völlig von den Aufträgen der Stars. Nun sieht man Josephs Filme in Institutionen wie dem New Yorker New Museum, wo er Ende 2017 eine Soloschau hatte.

Europapremiere für Josephs Film

„Fly Paper“, jenes Werk aus dem Bauch des Berliner Soho, ist eigens dafür entstanden. Zwanzig Minuten lang trudelt man wie ein vom Wind bewegtes, willkürlich durch die Straßen treibendes Blatt durch morbide Häuser und düstere Hallen, in denen Schatten leben. Ein Mann im Anzug liegt in einer Badewanne, manche Bewohner blicken kurz auf, andere sind viel zu sehr mit ihrem Schlagzeug, ihrer Klarinette beschäftigt. Und über allem liegt ein Rhythmus, der die blitzhaften Episoden miteinander verschleift.

Josephs Film feiert seine europäische Premiere, und der akustisch perfekte Saal im Soho-Untergeschoss hat zum ersten Mal geöffnet. Es wird nicht der letzte Auftritt eines internationalen Künstlers sein: „The Store X“, die Edelboutique im Haus, leistet sich den neuen Ort als festen Ausstellungsraum. Er ist, im Gegensatz zum Soho selbst, für jeden auch ohne membership zugänglich.

Store X Studio, Soho House Berlin, Torstr. 1; bis 8. 7., Mo–Sa 10-19 Uhr

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!