27.05.2018, 26°C
  • 17.05.2018
  • von Simon Rayß

The Wave Pictures im Privatclub: Südstaaten-Blues aus Großbritannien

von Simon Rayß

Alltagspoeten: The Wave Pictures machen seit seit zwei Jahrzehnten gemeinsam Musik. Foto: Puschen

Gefühlvoller Blues-Rock und Garagen-Folk: The Wave Pictures geben ein gut gelauntes Konzert im Kreuzberger Privatclub.

Die Bluesmänner der Musikgeschichte waren meist schwarz und massig. Dave Tattersall hingegen ist schmal und sehr weiß. Der Frontmann der Wave Pictures schlappt mit hängenden Schultern über die Bühne des Privatclubs. Aus dem blond umfransten Kindergesicht blickt er auf seine Gitarre herab und spielt den Blues. Mal fett und warm wie ein Südstaaten-Gewitter, dann wieder so klar und einsam, dass es manchem die Kehle zuschnürt.

Dabei kommen die Wave Pictures nicht aus den USA. Das Trio besteht aus zwei Engländern – Tattersall und Franic Rozycki, Freunden aus Kindertagen – und einem Schotten: Jonny Helm am Schlagzeug, einem zierlichen Nervenbündel, das seine Trommeln mit Entschlossenheit bearbeitet. Daneben spielt Rozycki wie ein gemütlicher Bär auf seinem Bass. Live werden die drei durch den Perkussionisten David Beauchamp verstärkt.

Das Trio macht seit zwei Jahrzehnten gemeinsam Musik mit viel Herz und Texten voller Alltagspoesie. Jedes Jahr kommt eine neue Platte hinzu, 2018 sind es sogar zwei: Im Juni erscheint „Brushes With Happiness“, eine Sammlung von Balladen, die sie in einer Nacht eingespielt haben. Mitte Oktober folgt mit „Look Inside Your Heart“ ein klassisches Album.

Im Berlin-Song „Just Like A Drummer“ kommt das Ampelmännchen vor

Im Privatclub stellt die Band etliche Songs der beiden Platten vor. Dass viele davon bei den Besuchern augenblicklich zünden, spricht für die Live-Qualitäten der Gruppe, aber auch für ihre geringe Bandbreite. Der Sound der Wave Pictures kennt nur zwei Färbungen: Blues-Rock und den Garagen-Folk vergangener Tage, den sie live mit „Strange Fruit For David“ und dem Berlin-Song „Just Like A Drummer“ beschwören, in dem sogar das Ampelmännchen vorkommt.

Nach 90 Minuten inklusive einer Zugabe ist die Show vorüber, was wohl auch an den tropischen Verhältnissen im Privatclub liegt. Jonny Helm hängt am Ende im klatschnass geschwitzten Streifenshirt über seinem Schlagzeug. Tattersall hingegen hüpft gut gelaunt hinunter von der Bühne. Die hartnäckigen Forderungen nach weiteren Kostproben seiner Gitarrenkunst überhört der Bluesmann geflissentlich.

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