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  • 16.05.2018
  • von Birgit Rieger

Die Masken der Chugach: Heimkehr nach Alaska

von Birgit Rieger

Hermann Parzinger (l.) und John Johnson von der Alaska Chugach Corporation. Foto: epd/Christian Ditsch

Premiere: Die Staatlichen Museen zu Berlin geben erstmals geraubte Objekte zurück - an eine einzelne Gemeinschaft, nicht an ein ganzes Land.

Auch wenn Restitution manchmal als schmerzhafter Prozess wahrgenommen wird: Am Mittwoch strahlen alle Beteiligten, als Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Vorsitzenden der Chugach Alaska Corporation, John Johnson, neun Objekte aus dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin übergibt. Es ist das erste Mal, dass das Museum einer Rückgabeanfrage aus einem Herkunftsland nachkommt. Wenn es gut läuft, ist es eine Zeremonie, die wir in Zukunft öfter erleben werden. Erst vor drei Tagen präsentierte der Deutsche Museumsbund in Berlin einen 132-seitigen Leitfaden zum Umgang mit kolonialer Raubkunst.

Um Raubkunst handelt es sich bei den zurückgegebenen Objekten allemal. Drei bemalte Holzmasken, ein hölzerner Stab, eine Kinderwiege und ein Holzidol – beziehungsweise deren Fragmente – lagen gestern zur feierlichen Übergabe in den Museen in Dahlem bereit. Es sind Grabbeigaben, die Johan Adrian Jacobsen in den 1880er Jahren von einer Sammelreise im Auftrag des Königlichen Museums für Völkerkunde, dem heutigen Ethnologischen Museum, nach Berlin brachte. Jacobsen hatte die Gräber im Südwesten Alaskas auf eigene Faust geöffnet und geplündert. Es handelte sich nicht um eine genehmigte archäologische Grabung. Ebenso wenig gab es eine Zustimmung der Nachfahren. Das geht aus Jacobsens Reiseberichten hervor.

Beide Männer tragen weiße Handschuhe

„Es war von Anfang an klar, dass wir diese Dinge zurückgeben wollen“, sagte Parzinger bei der Übergabe in Dahlem. John Jonson, der seit 30 Jahren die Historie der Chugach recherchiert und dokumentiert, betont die spirituelle Bedeutung der Objekte. Beide Männer tragen weiße Handschuhe, als Parzinger eine der Masken symbolisch an Johnson überreicht. Die Masken sind aus empfindlichem Holz und eigentlich am besten in luftdichten Gräbern aufgehoben. Unter die Erde zurück gehen sie dennoch nicht. Die Gegenstände sollen in ihrer Heimat im Museum präsentiert werden.

Die Chugach Alaska Corporation ist eine Interessensvertretung, die 1972 ins Leben gerufen wurde. Ihre Aufgabe ist es, sich um das kulturelle Erbe der Native People der Chugach im Nordwesten Alaskas zu kümmern. Rund 250 archäologische Stätten gibt es in der Region. Die Organisation setzte sich unter anderem dafür ein, dass deren Verwaltung wieder in die Hände der indigenen Gemeinden überging.

Johnson und seine Mitstreiter besuchen seit vielen Jahren Museen in Europa, um nach historischen Kulturgegenständen aus ihrer Region zu forschen, die dort nicht mehr existieren oder deren Gebrauch per Gesetz oder Religion verboten wurden. Ein Ziel ist es, eine virtuelle Sammlung aller Chugach-Objekte weltweit anzulegen.

2015 besuchte eine Delegation der Chugach Alaska Corporation das Ethnologische Museum in Berlin. In- folgedessen ergab sich das Restitutionsgesuch für die Grabbeigaben. Einfach zurückgeben konnten die Staatlichen Museen die Objekte nicht. Es bedurfte einer Diplomatischen Note der US-amerikanischen Botschaft an das Auswärtige Amt.

Wissensaustausch ist unerlässlich

Nach der Rückführung der Objekte ist es nun erklärtes Ziel, dass weitere Kooperationen zwischen Berlin und Alaska stattfinden. „Die Informationen über Artefakte in den Ethnologischen Sammlungen beschränken sich oft auf eine Notiz in der Erwerbungsakte in Sütterlin-Schrift und einem Eintrag im Inventarbuch“, sagt Kuratorin Monika Zessnik. Ein Wissensaustausch mit den Herkunftsgesellschaften ist also unerlässlich. Das Ethnologische Museum will sich außerdem um die Digitalisierung der Chugach-Objekte und -Archivalien kümmern und wünscht sich eine Wechselausstellung für das Humboldt-Forum, die später auch in Alaska gezeigt wird.

Insgesamt hatte Adrian Jacobsen Ende des 19. Jahrhunderts rund 7000 „originale“ Objekt aus der Region der amerikanischen Nordwestküste und Alaska nach Berlin gebracht. Weitere Objekte haben die Chugach aber nicht zurückgefordert.

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