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  • 12.04.2018
  • von Andreas Conrad

Zum 90. Geburtstag: Hardy Krüger - Actionstar im Wirtschaftswunderland

von Andreas Conrad

Tüftler in der Sahara. Hardy Krüger 1965 in "Der Flug des Phoenix". Foto: imago/United Archives

Von Biesdorf nach Hollywood: Hardy Krüger fing als Statist an und wurde in den 1950ern zum internationalen Star. Am heutigen Donnerstag feiert der Schauspieler seinen 90. Geburtstag. Eine Würdigung.

Zuletzt verliert der Deutsche doch noch die Nerven. Unter seiner Anleitung haben er und die Leidensgefährten mitten in der Sahara ein neues Flugzeug gebaut, das Wrack ihrer zweimotorigen Maschine zu einer fliegenden Kiste umgeschraubt, aber nun springt der Motor nicht an. Fast alle Startpatronen hat der Pilot verbraucht, will eine ohne eingeschaltete Zündung nutzen, um die Zylinder zu reinigen – da dreht Heinrich Dorfmann durch. Er stürzt zur Maschine, schreit, tobt, will das dem Piloten verbieten, vergeblich – und zum Glück. Nach dem Durchpusten startet der Motor tadellos.

Eine Paraderolle für Hardy Krüger in „Der Flug des Phoenix“ von Robert Aldrich, 1965 gedreht mit Stars wie James Stewart als Pilot, Richard Attenborough und Ernest Borgnine, ein tolles Team, und natürlich spielte der Blonde mit den blauen Augen wieder den Deutschen. An sich war dieser Heinrich Dorfmann nur Konstrukteur von Modellflugzeugen, trat aber auf, als habe er Super Constellation und Boeing 707, die Traumvögel jener Zeit, persönlich entworfen – ein kühler Rationalist und brillanter Techniker, keine Frage, aber den anderen in der Gruppe doch etwas unheimlich in seiner Perfektion. Ähnlich, so könnte man sagen, wie das Wirtschaftswunder-Deutschland auch den neuen Freunden im Westen noch nicht ganz geheuer war, angesichts des schnellen Erfolges so kurz nach dem Krieg. Respektiert, das schon, aber geliebt? Eher nicht.

Gleichwohl ein „guter Deutscher“, geradezu ein Botschafter des besseren Deutschland, wie Hardy Krüger, der an diesem Donnerstag 90 Jahre alt wird, in seiner Glanzzeit als Schauspieler, den fünfziger, sechziger, siebziger Jahren, gerne gesehen wurde. Oft spielte er Offiziere im Zweiten Weltkrieg, aber nicht die fiesen Nazis, sondern die irgendwie moralisch integer gebliebenen Vertreter der Kriegerkaste, ähnlich wie Curd Jürgens („Des Teufels General“) oder Joachim Hansen („Hunde, wollt ihr ewig leben“). So startete seine internationale Karriere ausgerechnet in der Rolle des in britische Kriegsgefangenschaft geratenen deutschen Fliegerasses Franz von Werra in „Einer kam durch“ (1957), der wiederholt zu fliehen versucht, zuletzt mit Erfolg. Seinem britischen Hauptkontrahenten in Kanada schickt er aus den noch neutralen USA eine Postkarte – Fairplay unter Todfeinden.

Auch wenn Berlin für Krügers Karriere keine große Rolle spielte: Er ist doch hier geboren, in Wedding, um genau zu sein, und aufgewachsen in Biesdorf. Die Eltern waren dem Nationalsozialismus überaus zugetan, schickten den kleinen Eberhard auf die Ordensburg in Sonthofen, ein NS-Eliteinternat, dessen einem Männlichkeitskult frönende Aufnahmerituale den jungen Berliner, das gibt er zu, schon beeindruckten. So war sein Filmdebüt, „Junge Adler“ von Alfred Weidenmann, 1943 in Potsdam-Babelsberg gedreht, ein klassischer Propagandafilm, in dem übrigens auch der junge Dietmar Schönherr mitspielte. Doch ausgerechnet unter dem Einfluss des Ufa-Regisseurs und besonders des Schauspielers Hans Söhnker, die dem NS-Regime kritisch gegenüberstanden und Juden zur Flucht in die Schweiz verhalfen, wandelte sich die Sicht des Ordensburg-Schülers, der für sie sogar als Kurier wirkte und sich später, als er kurz vor Kriegsende an die Front musste, unfähig zeigte, auf US-Soldaten zu schießen. Schon gar nicht auf schwarze, hatte er doch 1936 im Olympiastadion Jesse Owens siegen sehen.

Nach kurzer Kriegsgefangenschaft – auch Hardy Krüger war geflohen und kam durch – versuchte er sich zunächst in Hamburg als Schauspieler, arbeitete sich vom Statisten zum jugendlichen Helden hoch, erhielt ab 1950 erste Engagements im deutschen Unterhaltungsfilm – bis er dank der Rolle des (nach seiner Flucht nach Deutschland zurückgekehrten und 1941 samt seiner Maschine in der Nordsee versunkenen) Franz von Werra zum internationalen Star wurde – und damit im Ausland oft eine größere Anerkennung fand als in der Heimat. Er spielte neben Richard Burton und Roger Moore („Die Wildgänse kommen“ ) oder Sean Connery und Michael Caine („Die Brücke von Arnheim“), unter Regisseuren wie Stanley Kubrick („Barry Lyndon“) und Howard Hawks („Hatari!“). „Sonntage mit Sybill“, mit ihm in der Rolle eines traumatisierten Indochina-Veteranen, erhielt 1963 den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

In den achtziger Jahren zog Krüger sich allmählich aus dem Filmgeschäft zurück, schrieb lieber, Romane, Erzählungen, Kinder- und Reisebücher, engagierte sich gegen Rechts, hielt Vorträge an Schulen, die Verführungskunst von Demagogen hatte er ja am eigenen Leib erfahren. Und er wurde fürs Fernsehen zum „Weltenbummler“, der den Zuschauern die Welt zeigte, gerne auch aus dem Cockpit seiner Maschine. Denn das Fliegen hat er gelernt, wenn er auch nie eine Maschine konstruierte wie Heinrich Dorfmann. Dessen Phoenix war dann doch noch abgestürzt, nicht im Film, aber in der Realität: Bei den Dreharbeiten hatte die Maschine bei einem Flugmanöver Bodenkontakt, brach auseinander, überschlug sich. Der Stuntpilot Paul Mantz starb.

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