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  • 16.02.2018
  • von Andreas Busche

"Black Panther" im Kino: Wiege der Menschheit

von Andreas Busche

Für die Zukunft des Kontinents. Nakia (Lupita Nyong'o), Black Panther (Chadwick Boseman) und Shur (Letitia Wright) verteidigen das Königreich Wakanda. Foto: Disney

Hollywoods Antwort auf Trumps "Dreckslöcher"-Spruch: „Black Panther“, das Kinodebüt eines afrikanischen Superhelden.

„Mein ganzes Leben habe ich hierauf gewartet,“ schleudert Erik Killmonger im Moment des Triumphs seinem Widersacher T’Challa, dem Black Panther, entgegen. In dem Satz kommt nicht nur die Erwartungshaltung der weltweiten Marvel-Community zum Ausdruck, Killmonger spricht auch dem schwarzen Amerika aus dem Herzen. „Black Panther“ von Ryan Coogler, („Creed“) ist der meistantizipierte Film des Jahres: das Kinodebüt eines afrikanischen Superhelden sowie der erste Blockbuster mit schwarzer Besetzung. Endlich findet die Forderung nach angemessener Repräsentation auch im Hollywood-Mainstream Nachklang.

Gleichzeitig dreht der Film eine reichlich überstrapazierte Formel kurzerhand um. Martin Freeman, der wieder den CIA-Agenten Everett K. Ross aus dem „Avengers“-Zyklus spielt, wird neben Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong’o, Angela Bassett, Forest Whitaker und Daniel Kaluuya zum weißen Sidekick degradiert. Das Timing könnte nicht kurioser sein, Cooglers Film stellt einen seltsamen Bruch im politischen Zeitgefüge dar: der letzte Nachzügler der Obama-Ära. Inzwischen sitzt im Weißen Haus ein Präsident, der afrikanische Länder hinter vorgehaltener Hand als „Dreckslöcher“ bezeichnet.

Im Anbetracht der aktuellen politischen Situation positioniert sich „Black Panther“ erstaunlich dialogbereit. Stan Lee und Jack Kirby erfanden T'Challa, den Thronfolger des afrikanischen Staates Wakanda, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung. Von der Militanz der sechziger Jahre bleibt in einem Film dieser Größenordnung naturgemäß wenig übrig, „Black Panther“ erzählt den gesellschaftlichen Kampf als schwarzen Binnenkonflikt. Und er stellt die geopolitischen Verhältnisse in kluger Weise auf den Kopf.

Versteckt im Regenwald existiert eine hochentwickelte Zivilisation

Im „Marvel Cinematic Universe“ gehört Wakanda zu den ärmsten Nationen in der Weltgemeinschaft. Doch unter dem grünen Schutzschirm des tropischen Regenwaldes verbirgt sich eine hochentwickelte Zivilisation, die der westlichen Welt technologisch haushoch überlegen ist. Futuristische Wolkenkratzer heben sich vom Panorama majestätischer Wasserfälle ab, zwischen den Gebäuden gleiten Fluggeräte durch den urbanen Luftraum. Das world building ist nicht nur dank der CGI-Effekte spektakulär. Coogler und sein Team, hervorzuheben ist insbesondere Kostümbildnerin Ruth Carter, legen großen Wert darauf, dass die afrikanischen Textilien, die Stammesrituale und die Sprache (in Wakanda wird Xhosa gesprochen) korrekt dargestellt werden.

Seinen technischen Fortschritt verdankt Wakanda dem außerirdischen Metall Vibranium, aus dem auch der Schild von Captain America besteht. Um die Ressourcen des Landes bricht in „Black Panther“ ein Verteilungskampf aus, aber der koloniale Plot tritt bald hinter einen weit interessanteren Konflikt zurück. Der südafrikanische Waffenhändler Ulysses Klaue (Andy Serkis) hilft dem amerikanischen Elitesoldaten Erik Killmonger (Michael B. Jordan in seinem dritten Film mit Coogler) beim Diebstahl eines wakandischen Heiligtums aus dem British Museum. Mit dem Relikt kehrt Killmonger nach Wakanda zurück, um den gerade inthronisierten T'Challa (Chadwick Boseman) herauszufordern. Dessen Vater war in „The First Avenger: Civil War“ einem Anschlag zum Opfer gefallen – die einzige Überschneidung mit den „Avengers“–Filmen. Im Kern geht es also um einen Erbstreit, keine Alien-Invasion oder den Angriff eines Superbösewichts. Nicht nur darin unterscheidet sich dieser Marvel-Film von seinen 17 Vorgängern: In „Black Panther“ liegt die Zukunft der Menschheit in den Händen eines afrikanischen Staates.

In Wakanda werden die Weißen "Kolonialisten" genannt

Auch Erik Killmonger ist kein typischer Marvel-Villain. Er wuchs in den Armenvierteln von Oakland auf: der verlorene Sohn eines toten Arms der Wakanda-Erbfolge. Ihm geht es um Reparationen für die Folgen der Sklaverei. Seine Vision einer gerechten Zukunft besteht darin, die schwarze Weltbevölkerung mit Waffen auszurüsten, um eine Revolution anzuzetteln. Der Rat von Wakanda (zu dem Angela Bassett und Forest Whitaker, Veteranen des „Black Cinema“, gehören) sieht das mythische Königreich dagegen eher in der Rolle des Friedenstifters. Die außerirdische Technologie soll der gesamten Menschheit zur Verfügung stehen – also auch den „Kolonialisten“, wie in Wakanda die Weißen genannt werden.

Als schwarze Superheldengeschichte könnte „Black Panther“ auch den Untertitel „Martin Luther King vs Malcolm X“ tragen. Coogler gelingt das Kunststück, in einem Popcorn-Movie den afroamerikanischen Diskurs zwischen Dialog und zivilem Widerstand, der sich von der Bürgerrechtsbewegung bis „Black Lives Matter“ durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Rassismus zieht, differenziert zu verhandeln. Persönlicher kann ein Film mit einem Budget von 170 Millionen Dollar kaum sein: „Black Panther“ bezieht sich auf den Afrofuturismus sowie die „Black Diaspora“ – und würdigt die Opfer des atlantischen Sklavenhandels.

Coogler geht keine Kompromisse ein, um seine Botschaft mit maximaler Wirkung ans Publikum zu bringen. Um seinen Superhelden hat er zudem eine faszinierende Truppe schlagkräftiger Frauen gruppiert: T'Challas Schwester Shur (Letitia Wright), Ex-Freundin Nakia (Lupita Nyong'o) und die königliche Leibwächterin Okoye (Danai Gurira). Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass das Pop-Phänomen„Black Panther“ auch in kommerzieller Hinsicht einen Paradigmenwechsel in Hollywood einleiten wird. Die Revolution findet nicht im Fernsehen statt. Sondern im Multiplex.

Ab Donnerstag in den Kinos

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