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  • 14.01.2018
  • von Christian Endres

Comic-Strip „Fibi und ihr Einhorn“: Gefühl statt Glitter

von Christian Endres

Himmlische Nüstern: Ein Strip aus der besprochenen Reihe (für Komplettansicht aufs Plus-Symbol klicken). Foto: Ullmann

Auf den ersten Blick ist „Fibi und ihr Einhorn“ furchtbar kitschig. Doch Dana Simpsons Strip hat mehr zu bieten. Jetzt gibt's die ersten Bände auf Deutsch.

Das nerdige, vorlaute Mädchen Fibi freundet sich eines Tages mit dem wunderschönen, aber selbstverliebten Einhorn Maiglöckchen Samtnüster an. Dank des magischen Schutzschilds der Langeweile können nur wenige das sprechende Einhorn sehen: Fibis hippe Eltern, die ebenfalls echte Nerds sind, ein paar Schulkameraden, und andere Fabelwesen. Doch die neunjährige Fibi und Maiglöckchen brauchen ohnehin bloß einander, um jede Frage des Alltags zu beantworten und jede freundschaftliche Hürde zu überwinden.

Vor gut fünf Jahren startete die US-Amerikanerin Dana Simpson ihren Strip „Fibi und ihr Einhorn“ als Webcomic mit dem Titel „Heavenly Nostrils“. Dem Strip gelang der Sprung in die US-Tageszeitungen, ehe die neu kolorierten und montierten Sammelbände bis auf die Bestsellerliste der New York Times vordrangen. Seit Kurzem gibt es eine deutsche Ausgabe, zwei Bände sind bereits erschienen.

Auf den ersten Blick wirkt das alles furchtbar kitschig und mindestens so rosa wie der Einband des Auftaktbandes. Wie etwas, das zwar einen zeitgenössischen Kontext mit Smartphones und einer modernen Eltern-Generation nutzt, jedoch lediglich Fans des Phänomens „My Little Pony“ begeistern kann.

In ihren besten Momenten kombinieren die pointierten Strips um Fibi und Maiglöckchen allerdings den warmherzigen Charme und den cleveren Witz von Bill Wattersons Comicstrip-Klassiker „Calvin und Hobbes“ mit jenem grazilen Fabelwesen, das Autor Peter S. Beagle durch seinen später als Animationsfilm adaptierten Fantasy-Roman „Das letzte Einhorn“ von 1968 unsterblich gemacht hat.

Beagle, der für viele Menschen die Vorstellung von Einhörnern für immer prägte, ist übrigens ein großer Fan von „Fibi und ihr Einhorn“ und steuerte das Vorwort zum ersten Band bei. Und der Science-Fiction-Autor und Internet-Aktivist Cory Doctorow liest die Comics zusammen mit seiner kleinen Tochter.

Was zeigt: Am Ende können sich Leser jeden Alters und Geschlechts an den lieblichen, witzigen Erlebnissen und Dialogen von Fibi und Maiglöckchen sowie ihrer innigen Freundschaft erfreuen.

Richtig gute Comics für Leser jeden Alters sind so selten wie Einhörner. Also, auf keinen Fall vom Glitzer und Glitter ablenken lassen. Dahinter verbirgt sich einer der charmantesten, gefühlvollsten und besten neuen Comicstrips der vergangenen Jahre.

Dana Simpson: Fibi und ihr Einhorn, Ullmann Medien, je 224 Seiten, je 8,99 Euro.

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