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  • 07.12.2017

Unesco-Entscheidung: Orgelbau und Orgelmusik sind Kulturerbe

Orgelbau-Schüler arbeiten während einer Unterrichtsstunde im Fachbereich Orgelbau an der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Unesco hat die deutsche Tradition des Orgelbaus und der Orgelmusik als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit gewürdigt.

Orgelbau und Orgelmusik sind Immaterielles Kulturerbes der Menschheit. Das teilte die Weltkulturorganisation Unesco in der Nacht auf Donnerstag mit. Der Zwischenstaatliche Ausschuss berät derzeit über die Aufnahme von 35 Formen des Könnens und Wissens aus aller Welt auf die Internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes. Er tagt noch bis Freitag im südkoreanischen Jeju.

Musikwissenschaftler Michael Kaufmann, der am Aufnahmeantrag der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands federführend beteiligt war, reagierte mit „großer Freude“ auf die Entscheidung. Er habe den positiven Bescheid durchaus erwartet, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur in Bonn. „Die Orgel war schließlich immer ein Hightech-Instrument, das Musiker und Techniker bis heute gemeinsam weiterentwickelt haben.“

Er hoffe, dass die Auszeichnung einen Impuls geben werde, so Kaufmann weiter. Derzeit würden vor allem in neue Konzerthäuser, etwa die Hamburger Elbphilharmonie, wieder Orgeln eingebaut. „Es gilt zu beraten, wie wir nachhaltig an der Zukunft bauen können.“ Die Aufnahme in die Unesco-Liste verdeutliche zudem, dass Orgelmusik kein Luxusgut, sondern Teil der deutschen Identität sei. Dementsprechend müssten die Kirchen ihre finanziellen und personellen Ressourcen für Orgelbau und -musik halten; zudem sei stehe die öffentliche Hand in der Pflicht, das Orgelwesen zu fördern.

Jede Orgel ist einzigartig

Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte, Orgelbau und -musik blieben bis heute „ein wichtiger Teil unseres Musiklebens“. Deutschland blicke in dieser Hinsicht auf eine Kultur zurück, „die weltweit ihresgleichen sucht“. Die Bundesregierung fördere die Modernisierung national bedeutsamer Orgeln und den Erhalt wertvoller Instrumente der Orgellandschaft in diesem Jahr mit rund fünf Millionen Euro.

Der Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission, Christoph Wulf, erklärte, das kulturelle und gesellschaftliche Umfeld spiegelten sich stets in Aussehen und Klang einer Orgel. „Jede Orgel ist einzigartig“, sagte er. Deshalb seien menschlichen Wissen und Können für den „in Deutschland sehr innovativen Orgelbau“ so zentral.

Das Verfahren für die Liste ist mehrstufig

Weltweit fördert die Unesco seit 2003 den Erhalt von Alltagskulturen und -traditionen. Der Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes sind mittlerweile mehr als 170 Staaten beigetreten, 2013 auch Deutschland. Das Verfahren für die Aufnahme in die Liste ist mehrstufig. Zunächst muss es eine Tradition ins nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes schaffen. Im nächsten Schritt können dann Vorschläge für die weltweite Unesco-Liste eingereicht werden.

Das deutsche Verzeichnis umfasst bislang 68 kulturelle Ausdrucksformen; auf die Internationale Liste wurden aus Deutschland vor Orgelbau und -musik bereits die Falknerei und die Genossenschaftsidee aufgenommen. Eine finanzielle Förderung umfasst der Titel „Immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ nicht. (KNA)

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