25.11.2017, 6°C
  • 10.11.2017
  • von Gerrit Bartels

Ian Svenonius und Escape-ism: Flucht in den Glam

von Gerrit Bartels

Der Art- und Postpunkmusiker Ian Svenonius Foto: promo

Kunst als politische Bewegung: Das neue Agit-Pop-Album "Introduction to Escape-ism" von Ian Svenonius.

James Brown ist tot, Alan Vega auch, und es lebe der Eskapismus, der Escape-ism, wie ihn Brown 1971 in einem Stück als Zeichen der Zeit zu deuten pflegte. Fast ein halbes Jahrhundert später hat nun der umtriebige amerikanische, aus Washington D. C. stammende Underground-Held Ian Svenonius sein neues Projekt ebenfalls Escape-ism genannt. Svenonius ist dieses Mal allein unterwegs, nur mit Gitarre, dazu pluckert der Drum-Computer. Er performt auf seinem Soloalbum den Elektro-Elvis, den Rockabilly-Ironiker, den Rock-Zerstörer, so wie es Alan Vega seinerzeit kaum besser, kaum röhrender und nicht weniger glamourös gemacht hat.

Mit Nation of Ulysses entwickelte Svenonius ein 13-Punkte-Programm zur Zerstörung der USA

Pop! Mehr noch aber ist das Agit-Pop, zitatreicher überdies. Denn seitdem Ian Svenonius in den frühen neunziger Jahren mit Nation of Ulysses im Straight-Edge- und Hardcore-Underground der US-Hauptstadt begann, um später mit The Make Up den Soul in den Punk zu bringen, seitdem ist für ihn, so hat er es einmal in einem Interview gesagt, der Rock ’n’ Roll eine andere Form der revolutionären Aktivität: „Kunst als politische Bewegung.“ Das ist die schöne alte verstreute Kunstschule, da haben Gruppierungen wie die Futuristen oder die Situationisten Pate gestanden, natürlich der Punkrock-Hass auf die siebziger Jahre und ihren Bombastrock, der nun nicht mehr der allerletzte Schrei ist.

Doch Svenonius zeigt sich unbeirrt. Ob er nun in rotem oder blauem Sakko, schwarzer Krawatte und weißem Hemd oder in Glitzeranzügen erklärt, dass Popmusik für ihn immer eine Form von Comedy ist. Oder er sich bestätigt fühlt mit seinen einstigen NoU-Debüt „13 points to destroy America“. Oder er in einem Buch erklärt, strictly underground, wie er ist, was die 22 ultimativen Strategien zur Gründung einer erfolgreichen Rockband sind. Auf „Introduction to Escape-ism“ imaginiert er sich in Machtmenschen, in Kaiser und Politiker, in Pudel und Popstars, dabei stets im vollen Bewusstsein, selbst der ewige Antiheld zu sein. Die Revolution mag weiterhin ausbleiben – bei Ian Svenonius klingt sie wenigstens immer gut, manchmal auch harsch, sieht sie wenigstens gut aus.

„Introduction To Escape-ism“ von Escape-ism erscheint bei Merge/Cargo.

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