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  • 09.11.2017

Der Fall Kevin Spacey: Spacey wird aus Ridley-Scott-Film geschnitten

Kevin Spacey, hier in "House of Cards" wird vorgeworfen, er habe junge Männer sexuell belästigt und bedrängt. Foto: picture alliance / AP Photo/ M.S. Gordon

Christopher Plummer soll den wegen Missbrauchsvorwürfen in Verruf geratenen Star in Alles Geld dieser Welt" ersetzen. Den Starttermin im Dezember will Sony beibehalten.

Das gab es noch nie in der Hollywood-Geschichte. Kevin Spacey wird von Regisseur Ridley Scott aus dem fertigen Entführungsdrama „Alles Geld dieser Welt“ herausgeschnitten – sechs Wochen vor dem US-Filmstart am 22. Dezember. Grund sind die Vorwürfe, der Film- und Serienstar habe junge Männer sexuell belästigt. Spacey aus dem fertigen Film zu entfernen, bedeutet eine aufwendige Maßnahme – es muss einiges nachgedreht werden. Der 58-Jährige spielt keine kleine Nebenrolle in „All The Money In The World“, sondern den Ölmagnaten Paul Getty. Alle Szenen mit dem Milliardär, dessen 16-jähriger Enkel 1973 in Italien entführt wurde, werden neu gedreht. Der 87-jährige kanadische Star Christopher Plummer ersetzt Spacey – Medienberichten zufolge war Plummer sogar Scotts ursprüngliche Wahl. Für einige Szenen müssen auch Michelle Williams und Mark Wahlberg ein zweites Mal vor die Kamera treten.

Die Produktionsfirma Sony gab bekannt, dass sie genauso wie die Filmcrew einstimmig hinter der Entscheidung stehe, den in Verruf geratenen Star zu ersetzen. Sie teilte außerdem mit, dass die Sony-Tochter TriStar am Starttermin festhalten werde. Lediglich die für Mitte November geplante Premiere auf dem Filmfest in Los Angeles ist gestrichen. „Wenn irgendjemand so etwas durchziehen kann, dann Scott“, heißt es aus dem Hause Sony.

Im Trailer zu Ridley Scotts Film ist Kevin Spacey in der Rolle des eiskalten Geldmenschen, der angeblich kein Lösegeld für seinen Enkel zahlen will, derzeit noch zu sehen – allerdings mit einer Gesichtsmaske, die ihn fast zur Unkenntlichkeit entstellt. Auch sein Name erscheint dort noch in den Credits.

Dass Stars aus Filmen verschwinden, hat es aus künstlerischen Gründen schon gegeben

Mehrere Männer werfen Spacey vor, sie sexuell belästigt zu haben, teils in früheren Jahren. Die Missbrauchs-Vorwürfe wurden Ende Oktober bekannt. In den letzten Tagen kamen immer wieder neue Berichte hinzu. So berichtete die Ex-Fernsehmoderatorin Heather Unruh, der Oscar-Preisträger Spacey habe ihren 18-jährigen Sohn letztes Jahr in einer Bar auf der Insel Nantucket, Massachusetts, absichtlich betrunken gemacht, um ihn dann zu belästigen. Laut Unruh ermittelt die Polizei nun gegen Spacey. Vergangene Woche hatte bereits der Streamingdienst Netflix seine mehrjährige Zusammenarbeit mit Spacey vollständig aufgekündigt und die Dreharbeiten zum Film "Gore" wie zur sechsten Staffel der Erfolgsserie „House of Cards“ gestoppt.

Dass ein Schauspieler wegen womöglich krimineller Vergehen aus einem Hollywoodfilm entfernt wird, dürfte ein Novum sein. Dass Stars aus fertigten Produktionen herausgeschnitten werden, kommt aus künstlerischen oder terminlichen Gründen jedoch häufiger vor. So schaffte es Mick Jagger nicht in den Final Cut von Werner Herzogs „Fitzcarraldo“, wegen einer Tournee der Rolling Stones. Weltmeister im harten Schnitt ist der kapriziöse Terrence Malick. Bei seinem mystischem Liebesdrama „To the Wonder“ (2012) mussten Rachel Weisz, Michael Sheen und Jessica Chastain bei der Montage dran glauben, bei seinem Kriegsepos „The Thin Red Line“ (1998) einige mehr: Martin Sheen, Billy Bob Thornton, Gary Oldman, Mickey Rourke, Bill Pulman... chp (mit AFP)

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