20.07.2017, 28°C
  • 19.08.2015
  • von Jan Kixmüller

Extrem heiß und keine Pause: Potsdamer Klimaforscher Rahmstorf: Hitzewellen nehmen zu

von Jan Kixmüller

Trend. Der Klimawandel heizt ein. Foto: dpa

Zwei heftige Hitzewellen gab es in diesem Sommer in Deutschland. Neue Temperaturrekorde wurden aufgestellt, was für Aufsehen unter Klimaforschern sorgte. Und es wird wieder heiß.

Potsdam - Die letzte Hitzewelle ist gerade vorbei, da stellen die Meteorologen für kommende Woche erneut bis zu 30 Grad in Aussicht. Auch wenn es nicht mehr nach extremer Hitze aussieht, so haben die beiden europäischen Hitzewellen dieses Jahres auch bei Klimaforschern für Aufsehen gesorgt. Am 5. Juli registrierte der Deutsche Wetterdienst eine in Deutschland nie zuvor gemessene Temperatur: 40,3 Grad in Kitzingen. Bereits einen Monat später, am 7. August, wurde dieser Jahrhundertrekord erneut eingestellt. Zuvor hatte es bereits heftige Hitzewellen in Pakistan und Indien gegeben. Dass extreme Hitze weltweit stark zunimmt, würden neue Messdaten zeigen, so der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf. „Diese Zunahme ist eine logische Folge der globalen Erwärmung“, schreibt der Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) im Wissens-Blog „scilogs“.

Da nun ein extrem starker El-Niño im Südpazifik erwartet wird, dürften weltweit die Temperaturen ansteigen. Der US-amerikanische Wetterdienst NOAA wagte sogar die Prognose, dass das warme Wasser die Luft so stark aufheize, dass 2015 den Rekord für das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen brechen dürfte. Rahmstorf sieht die El-Niño-Strömung aber nicht als einzige Ursache für die Hitzewellen. Es sei offensichtlich, dass El Niño nicht der dominante Effekt für die Hitzeextreme sei. So habe die Strömung 2005 praktisch keine Spuren in der Statistik hinterlassen. In den Jahren 1950-1980 habe es nie so viel Hitze wie heute schon in „normalen“ Jahren ohne El Niño gegeben. „Der Hauptgrund für die aktuelle Häufung von Hitze ist also schlicht die von uns verursachte globale Erwärmung“, so Rahmstorf.

Heißester Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Betrachte man die Temperaturdaten in ihrer Gesamtheit, werde sofort klar, dass extreme Hitze seit Jahrzehnten systematisch und stark zunimmt. Demnach war es von 1950-1980 in jedem Monat auf ein bis drei Prozent der Landfläche sehr heiß – inzwischen treffe dies auf zehn bis 20 Prozent der Landfläche zu. Extrem heiß war es bis 1980 fast nie, inzwischen herrschen ständig auf einigen Prozent der Landfläche außergewöhnliche Temperaturen.

Rahmstorf hat sieht nach aktuellen Daten auch keine Pause im globalen Erwärmungstrend, die für den Zeitraum 1998 bis 2014 bisher vermutet wurde. Seit über 50 Jahren würden die globalen Oberflächentemperaturen stetig ansteigen, überlagert lediglich von kurzfristigen Schwankungen. Dieser Juni etwa sei der heißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 gewesen. Rahmstorf sieht im Erwärmungstrend „keine Pause, nirgends“.

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