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  • 30.05.2014
  • von Jan Kixmüller

Die Graswurzelfusion

von Jan Kixmüller

Naheliegend. Zwischen der FU Berlin und der Potsdamer Uni (r.) liegen keine 15 Kilometer. Den Studierenden fehlt es aber an Synergien. Montage: A. Klaer; Fotos: D. Spiekermann-Klaas, K. Fritze

Studierende und SPD-Nachwuchs wollen engere Verbindung der Hochschulen in Berlin-Brandenburg

Eine gemeinsame Vertretung der Studierenden der Länder Brandenburg und Berlin haben Studierendenvertreter, Jusos und SPD-Politiker angeregt. Es sei wichtig, dass die Studierenden im Großraum Berlin-Brandenburg in Zukunft gemeinsame Ziele und Strategien formulieren, sagte die Potsdamer Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein (SPD) bei einem Treffen an der Berliner Humboldt-Universität. Denkbar sei auch eine gemeinsame Hochschulkonferenz der beiden Länder. Hintergrund des Treffens war die Frage, ob eine gemeinsame Wissenschaftspolitik in Berlin-Brandenburg möglich ist. Zurzeit gibt es in Berlin rund 164 000 Studierende, während in Brandenburg knapp 51 000 Studierende auf einer wesentlich größeren Fläche verteilt sind – wobei immerhin fast die Hälfte davon (24 700) in Potsdam immatrikuliert ist.

Zwischen Potsdam und Berlin besteht auf der Ebene der Studierenden bereits ein reger Austausch, mehr als die Hälfte der Potsdamer Studenten wohnt in Berlin, andersherum pendeln auch viele Potsdamer beispielsweise an die nahe gelegene Freie Universität. Trotzdem kann man kaum von einer gemeinsamen Hochschulregion sprechen, strebt doch jedes Land eine eigenständige Ausrichtung an. Und gerade zwischen den recht gut ausgestatteten Berliner Hochschulen und den leidlich finanzierten Brandenburger Unis besteht ein großes Gefälle. Hinzu kommen Kleinigkeiten, die einen wirklichen Austausch behindern. „Eine gemeinsame Hochschulpolitik beider Länder ist als Modellprojekt denkbar, aber es krankt zurzeit auf der praktischen Ebene“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bundesjusos, Jan Krüger. Etwa, dass man immer noch nicht im jeweilig anderen Bundesland in der Mensa zum Studierendentarif essen kann. Oder dass viele Studienangebote immer noch nicht so weit vernetzt sind, dass die gegenseitige Anerkennung der Studienleistungen selbstverständlich ist. „Daran zeigen die Hochschulen bislang einfach kein Interesse“, so Krüger. Beim Übergang vom Bachelor zum Master gehe es vor allem um Passgenauigkeit – und das sei zwischen den beiden Ländern bislang noch ein schwieriges Unterfangen. Ein anderes Beispiel für mangelnde Passgenauigkeit: Die Studierendenschaften beider Länder handeln gemeinsam zwei unterschiedliche Semestertickets aus. Ein gemeinsamer Hochschulraum müsse aber erfahr- und erlebbar sein, das betreffe vor allem auch Fragen der Mobilität und des studentischen Wohnens. Wenn Wohn-, Studien- und Arbeitsort über beide Länder verteilt liegen, müsste es auch möglichst direkte Verkehrsverbindungen zwischen den Standorten geben. Das grundlegende Problem sei, dass der Föderalismus die Länder dazu bringt, nur nach eigenen Interessen zu handeln. Die Frage sei nun, wie und ob zwei Bundesländer ihre Hochschulen auch gemeinsam steuern könnten.

Die SPD-Abgeordnete Andrea Wicklein sprach sich dafür aus, eine gemeinsame Hochschulpolitik zu stimulieren. Auf Bundesebene gebe es gute Beispiele für erfolgreiche Zusammenschlüsse und Netzwerke. Gute Forschungskooperationen der Hochschulen gebe es zwar bereits in Berlin-Brandenburg. „Aber die Möglichkeiten sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft“, so Wicklein.

Der Vorsitzende der Brandenburger Jusos, Erik Stohn, sagte, dass Brandenburg als Studienort auch attraktiver werden müsste, damit mehr Studierende dort hinziehen. Die stellvertretende Brandenburger Juso-Vorsitzende Maja S. Wallstein sieht vor allem im Bereich der Studienangebote Potenziale für ein engeres Zusammengehen. Allerdings dürfe Zusammenarbeit nicht bedeuten, dass man mit Verweis auf die Aktivitäten des jeweils anderen Bundeslandes eigene Anstrengungen unterlasse. Wallstein nannte als Beispiel das Medizinstudium: „Es reicht eben nicht aus, sich darauf zu verlassen, dass Berlin die Mediziner für Brandenburg ausbildet.“ Auch in der Mark sei ein Medizinstudium nötig. Klaus Faber von der SPD schlug vor, dies an einer staatlichen Hochschule, etwa der BTU-Cottbus, zu verankern. Grundsätzlich sollten Bundesmittel für die Hochschulen stärker gemeinsam in Anspruch genommen werden, sagte Wallstein. Man sollte dem Bund gemeinsam gegenübertreten, um die aktuelle Konkurrenzsituation abzubauen. Konkurrenzen sieht die Juso-Politikerin vor allem im Bereich der Studienplätze, da die Länder hier derzeit um Hochschulpaktmittel wetteifern würden. Auch um Kooperationen mit der Wirtschaft und um Drittmittel bestehe ein scharfer Wettbewerb. Hier sei eine gemeinsame Koordination nötig. Wallstein schlägt spezielle Programme des Bundes zur Verzahnung der Strukturen vor.

Von Potsdamer Studierenden kam bei dem Treffen Kritik an der Sicht von Brandenburger Politikern. Die Aussage, dass Studierende aus Prenzlauer Berg nichts in Prenzlau zu sagen hätten, sei heutzutage völlig überholt. Die junge Studierendengeneration begreife den Raum Berlin-Brandenburg viel stärker als eine Einheit, als die Politik wahrnehme. Ein gemeinsamer Hochschulraum müsse offener, freier und durchlässiger gestaltet werden. Einer älterer Herr aus dem Publikum meinte daraufhin, dass Berlin und Brandenburg doch endlich fusionieren sollten, dann könne man sich die ganzen Diskussionen sparen. Andrea Wicklein konterte pragmatisch: Eine gemeinsame Lobby für die Hochschulen sei schneller zu schaffen als eine komplette Länderfusion – zumal diese ja schon einmal gescheitert ist.

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