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  • 12.04.2013
  • von Oliver Dietrich

STUDENTENLEBEN: Studieren ist mehr als Uni

von Oliver Dietrich

Kleinod in der Innenstadt. Konzerte, Ausstellungen und anderen kulturelle Veranstaltungen können Studierende im zentral gelegenen Kuze besuchen. Foto: Andreas Klaer

In das Studentenkulturzentrum Kuze ist nach dem Besitzerwechsel wieder Optimismus eingezogen

Das studentische Kulturzentrum Kuze buhlt um Studierende – diese Woche startete eine Campus-Tour über alle Außenstellen der Potsdamer Uni, es gab Musik, Informationen und eine Tombola, bei der jedes Los gewann: Buttons, T-Shirts, bedruckte Stoffbeutel, Einladungen und Gutscheine für Freigetränke. „Studieren ist mehr als Uni“ lautet die Devise, mit der das Kuze Aufmerksamkeit gewinnen möchte – und dieses Konzept hat auch schon in den Vorjahren gut geklappt, besonders die Freigetränke werden gern eingelöst. Und auch auf dem Campus wurde festgestellt, dass dem Großteil der Studierenden das Kuze durchaus ein Begriff ist, sogar denen, die gerade erst nach Potsdam gezogen sind.

Dabei stand das Kuze letztes Jahr noch auf der Kippe: Das 2005 eröffnete Gebäude befand sich in Besitz eines Berliner Immobilienunternehmers, der vergangenen Sommer Insolvenz anmeldete – dem Kuze drohte die Zwangsversteigerung. Klar, dass bei derart exponierter Innenstadtlage eine weitere kulturelle Nutzung so gut wie ausgeschlossen war. Die letzte Hoffnung lag auf dem Studentenwerk, das sich im August 2012 zum Kauf der Immobile entschied (PNN berichteten).

Die letzten Jahre im Privatbesitz ist einiges liegen geblieben, dringend erforderliche Arbeiten waren seitens des Vermieters trotz mehrmaliger Nachfrage nicht erfolgt. Dabei handelt es sich nicht nur um Bagatellen: „Die Dachgauben sind ziemlich marode, dort regnet es seit Jahren rein“, erklärt Geschäftsführerin Sabine Finzelberg. Seit dem 1. Januar sei nun die Hausverwaltung des Studentenwerks verantwortlich, und schon waren die ersten Firmen vor Ort, um die Schäden zu inspizieren. Die Mängel wurden dokumentiert und momentan werde ein Gutachten erstellt – Rettung ist also in Sicht. „Es kann natürlich nicht alles auf einmal top gemacht werden, das ist eben ein altes Gemäuer“, sagt Gudrun Wewetzer, die Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit vom Potsdamer Studentenwerk. „Wir müssen da Stück für Stück vorgehen, das ist auch eine finanzielle Frage.“ Der Kauf der Immobilie sei ja schon eine gewaltige Investition gewesen, mittlerweile ist auch noch nicht alles im Objekt vermietet. Aber das Kuze liegt auch der Studentenwerks-Sprecherin persönlich am Herzen: „Das Haus ist ein Kleinod mit ganz viel Flair.“

Unterdessen wird im Kuze schon der Sommer geplant: Bei der Fête de la musique sei man natürlich wieder dabei, und auch das traditionelle Straßenfest, das letztes Jahr ja beinahe buchstäblich ins Wasser gefallen ist, finde am 13. Juli wieder statt. Ab Mai gibt es mit „Culturama“ jeden vierten Freitag im Monat die Lesebühne, und ab Juni jeden zweiten Freitag die Impro-Gameshow mit Improvisationstheater. Dennoch werden immer wieder neue Leute und Gruppen benötigt, die sich mit Ideen und Vorschlägen einbringen möchten. „Wenn jemand einfach mal am Tresen stehen möchte, kann er sich melden“, sagt Finzelberg. Vor allem samstags muss die Kneipe zu oft geschlossen bleiben, das wolle man schon gern ändern. „Wir machen das Ganze ja auch nicht als Selbstbespaßung.“

Besonders erleichtert ist man im Kuze, dass sich die Situation mit den Anwohnern entspannt hat. Das war auch mal ganz anders gewesen. Deswegen hatte man offensiv das Gespräch gesucht und Kompromisse ausgehandelt: Ab 22 Uhr wird grundsätzlich alles nach drinnen verlagert – im vergangenen Winter habe es nicht eine einzige Beschwerde gegeben.

Die anderen studentischen Treffpunkte – das Pub à la Pub in der Breiten Straße und den Nil-Club am Neuen Palais – sehe man nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. „Wir wollen auch etwas eigenes machen, zum Beispiel mit den Motto-Partys“, sagt Finzelberg. Das Archiv habe die 80er-Partys, das Spartacus Electro – aber in so einer Größenordnung kann man natürlich nichts machen, ohne dass es Probleme mit den Nachbarn gibt. Das Kuze bleibt der Raum für die Kleinkultur, für Theater und Konzerte. „Ich habe ja gehört, dass einige Bands und Künstler nur hier auftreten wollen, weil unser Essen so gut ist“, sagt Finzelberg und lacht. „Aber die sollen sich ja auch hier wohlfühlen.“ Oliver Dietrich

Studentisches Kulturzentrum Kuze in der Hermann-Elflein-Str. 10. Nächste Veranstaltungen: Freitag, 12. April um 19 Uhr: Vernissage mit keramischer Plastik und Zeichnungen „Neues von Erika E.“, Samstag, 13. April: Commedia dell’ Arte, Vorstellung der Theatergruppe CRAD aus Frankreich (20 Uhr).

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